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Landung wird nach Drohungen gegen den mutmaßlichen Dreifachmörder vom SEK begleitet

Mit Polizeihubschrauber eingeflogen

STADTHAGEN/HILLE/BIELEFELD. Der mutmaßliche Dreifachmörder Jörg W. ist seit Freitagnachmittag in Bielefeld. Er ist mit einem Polizeihubschrauber von Bayern nach Ostwestfalen-Lippe geflogen worden. Dort wird der 51-Jährige nun von Mitgliedern der Mordkommission „Wilhelm“ vernommen.

veröffentlicht am 18.03.2018 um 17:34 Uhr

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Autor:

Verena Insinger
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Normalerweise werden Straftäter in Autos oder aber Kleinbussen verlegt. Im Falle des Hillers war die Polizei auf Nummer sicher gegangen. So hatte es im Vorfeld ernstzunehmende Drohungen gegen den 51-Jährigen gegeben. Aus diesem Grund landete der Helikopter mit SEK-Schutz am Polizeigebäude in Bielefeld. Aber auch sicher aus Eigenschutz. Immerhin war der Zwei-Meter-Mann einst bei der Fremdenlegion. Und es handelt sich um jemanden, der offenbar für 5000 Euro einen Mord begeht.

Wie berichtet, hat der Hiller den Mord an dem Stadthäger Fadi S. bereits gestanden. Es gab Streit zwischen den Geschäftspartnern, da Jörg W. die von Fadi S. eingebrachten 5000 Euro offenbar für andere Zwecke ausgegeben hat. Er erschlug den zweifachen Familienvater kaltblütig mit einem Hammer und flüchtete.

Im Zuge der Ermittlungen kamen zwei Vermisstenfälle ans Tageslicht, die dem Verbrechen eine weitere grausame Wendung gaben. Im Zug der groß angelegten Suchaktion stießen Polizisten auf die Leichen von Gerd F. und Jochen K. Sie lagen offenbar seit mindestens sechs Monate vergraben auf dem Grundstück des 51-Jährigen. Inwieweit Jörg W. sich auch zu diesen Verbrechen einlässt, müssen die Vernehmungen zeigen. Unklar ist auch, ob und was die Ehefrau des ehemaligen Fremdenlegionärs von den Taten mitbekommen hat.

Derweil laufen die Ermittlungen gegen zwei 22 Jahre alte Männer aus Bad Oeynhausen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben sie das Verschwinden von Fadi S. ausgenutzt, um die libanesische Familie zu erpressen. Wie berichtet, hatten Verwandte des 30-jährigen Stadthägers einen Tag nach einem Verschwinden einen Suchaufruf bei Facebook gestartet. Darauf stießen offenbar die jungen Männer aus Bad Oeynhausen. Sie riefen die dort angegebene Telefonnummer an und gaben an, zu wissen, wo der junge Familienvater sei. Das Duo gab an, dass Fadi S. einer Rockergruppierung 45 000 Euro schulde. Im Laufe der weiteren Gespräche kam es zu einem Treffen mit dem Vater von Fadi S. im Werre Park in Bay Oeynhausen. Dieser wollte die Lösegeldsumme aber erst aufbringen, sobald er ein Lebenszeichen seines Sohnes bekommt.

Einen Tag später gingen die beiden 22-Jährigen, die ebenfalls libanesische Wurzeln haben, mit ihren Anwälten zur Mindener Polizei und stellten sich. Die Polizei ermittelt gegen die Männer, die im Jugendalter bereits straffällig geworden sind, wegen des Vortäuschens einer Straftat sowie versuchter Erpressung beziehungsweise versuchten Betrugs. Doch das ist nicht ihr einziges Problem: Ihre Namen und Fotos kursieren im Internet. Eine Hetzjagd hat auf die beiden begonnen. Freunde der Opferfamilie werfen ihnen vor, durch die Tat die Ermittlungen der Polizei im Vermisstenfall zwei Tage lang in die falsche Richtung gelenkt zu haben. Beide sollen dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Aufrufe zur Selbstjustiz sind in den sozialen Medien zu lesen. Zwischenzeitlich waren die Wohnungen der beiden durch eine vermehrte Polizeipräsenz geschützt worden.

Der engste Familienkreis von Fadi S. rief derweil zu Ruhe und Frieden auf. Sowohl mit Blick auf Jörg W. als auch auf die 22-Jährigen setzen die Angehörigen nach eigenen Angaben auf die Justiz.

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