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Baustellenlogistik am Fürstenhof

Mülltrennung spart viel Geld

BAD EILSEN. Bei der vor Kurzem angelaufenen, 17 bis 18 Millionen Euro teuren, Sanierung des „Fürstenhofes“ setzt die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Braunschweig-Hannover auch auf die Dienste eines auf Baulogistik spezialisierten Unternehmens.

veröffentlicht am 13.09.2017 um 16:16 Uhr

Baulogistik-Experten der ProSite GmbH (v. l.) vor dem „Fürstenhof“: Sebastian Kropp (Oberbauleitung), Thomas Kohlen (Prokurist) und Martin Dünnwald (Vertriebsingenieur). Foto: wk
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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Zum einen, weil auf dem Areal rund um das denkmalgeschützte Gebäude nur wenig Platz zur Verfügung steht, der etwa zum Abstellen von Büro-, Material- und Müllcontainern sowie zum Lagern von Baustoffen genutzt werden kann. Zum anderen, um ein Verkehrschaos auf der am „Fürstenhof“ vorbeiführenden Bückeburger Straße zu vermeiden, das entstehen könnte, wenn der Transportverkehr zu und von der Baustelle nicht vernünftig koordiniert wird. Ein positiver Nebeneffekt des Ganzen ist, dass so auch die Lärmbelastungen für die Anwohner gering gehalten werden.

Vor allem bei Bauvorhaben in Großstädten ist die Einbeziehung eines Baulogistikers heute durchaus üblich, informiert Thomas Kohlen, Prokurist der in Dorsten ansässigen Baulogistikspezialistin ProSite GmbH. Oftmals werde von den Genehmigungsbehörden sogar vor Erteilung der Baugenehmigung ausdrücklich danach gefragt, ob denn auch für ein entsprechendes baulogistisches Management gesorgt sei – eben weil die Platzverhältnisse bei Baustellen in innerstädtischen Bereichen meist sehr beengt sind.

Auf den Punkt gebracht sorgt die ProSite GmbH bei der „Fürstenhof“-Sanierung dafür, dass auf der Baustelle alles reibungslos läuft. So kümmert sich das Dorstener Unternehmen etwa darum, dass auf der Baustelle keine Schwarzarbeit betrieben wird. Dazu müssen sich alle Firmen, die hier tätig sind, vorab bei der ProSite GmbH anmelden; ebenso deren Mitarbeiter, wobei alle zollrelevanten Arbeitspapiere vorgelegt werden müssen.

Was die zur Baulogistik gehörende Versorgungslogistik betrifft, verfüge man über ein Online-Portal, das praktisch „wie ein Hotelbuchungsportal“ funktioniert, führt der Diplomingenieur weiter aus: Jedes Handwerksunternehmen, das sich beispielsweise Material auf die Baustelle liefern lassen will, muss diese Transporte mit drei Tagen Vorlauf über das Internet anmelden. Gebucht werden können dabei lediglich Termine in noch freien und von der Dauer angemessenen Terminfenstern. Dadurch laufen die Anlieferungen (gleiches gilt für Abtransporte) am „Fürstenhof“ geordnet ab und den Speditionen respektive Lkw-Fahrern entstehen keine langen Wartezeiten. So sollen Verkehrsstaus auf der Bückeburger Straße vermieden werden. Im Sinne des Lärmschutzes sei dadurch zudem gewährleistet, dass der Baubetrieb morgens erst zu der genehmigten Zeit beginnt und nicht etwa um 6 Uhr in der Früh wartende Lkw mit laufenden Klimaanlagen auf der Straße stehen, ergänzt der Experte.

Feste Zeiten für Anlieferung

und Entsorgung

Nicht minder wichtig in Sachen Baulogistik ist laut Kohlen ein weiterer Aspekt – und zwar die Entsorgungslogistik. Denn: „Wenn jemand knöcheltief im Dreck steht, kann der keine gute handwerkliche Leistung erbringen!“ Die ProSite GmbH organisiert daher die komplette, sortenreine Entsorgung der bei der Sanierung des „Fürstenhofes“ anfallenden Baustellenabfälle.

Dabei kontrolliert ein vor Ort eingesetzter ProSite-Mitarbeiter täglich, ob sich die Handwerker tatsächlich an das konzipierte Mülltrennungssystem halten. Sprich: Ob sie die zu entsorgenden Baustoffe in die richtigen Müllcontainer werfen.

Und um zu diesem Thema auch noch ein Zahlenbeispiel zu bringen: Die Entsorgung von so genanntem „Baumischabfall“ sei zehn bis 20 Mal teurer als die Entsorgung von nach Müllsorten (beispielsweise Holz, Gips, Dämmstoffe, Bauschutt) getrenntem Baustellenmüll, verrät der Prokurist. So schlage eine Tonne „Baumischabfall“ bei der Entsorgung mit rund 100 Euro zu Buche, während für die Entsorgung einer Tonne reinen Bauschuttes nur zehn Euro zu zahlen seien. Eine gut organisierte Entsorgungslogistik spare also Geld und trage auch zum Umweltschutz bei.

Für die DRV als Bauherrin ist die Dienstleistung der ProSite GmbH laut Kohlen übrigens „kostenneutral“. Bedeutet: Das Bauvorhaben wird dadurch nicht teurer, als wenn man auf das Hinzuziehen eines Baulogistikers verzichten würde. Denn ebenso wie die bei solch einem Bauvorhaben anfallenden Kosten beispielsweise für Strom, Wasser und die Containerhaltung könne die Bauherrin auch die Kosten für die Baulogistik auf die einzelnen „Nachunternehmer“ (Handwerksbetriebe) umlegen. Wobei die Handwerker aber ebenfalls von dieser Dienstleistung profitieren, indem sie sich voll auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können.

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