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Baumfällarbeiten am Mausoleum

Mutiges Herz, scharfe Axt

BÜCKEBURG. Im Bereich des Mausoleums stehen umfangreiche optische Veränderungen bevor. Wie Schlossverwalter Alexander Perl mitteilt, beginnen Anfang kommender Woche Baumfällarbeiten, die den Blick auf das in den Jahren 1911 bis 1916 unter der Regie von Fürst Adolf zu Schaumburg-Lippe errichtete Gebäude freigeben sollen.

veröffentlicht am 13.10.2017 um 12:00 Uhr

Heute präsentiert sich das Umfeld des Mausoleums in sattem Grün, Teile des Gebäudes verschwinden hinter Bäumen. Foto: bus

Autor:

Herbert Husch
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Betroffen sind in erster Linie 16 Thujen, die im Laufe der Jahre das monumentale Familiengrab mehr und mehr in ihren Schatten gestellt haben – was Einschätzungen Perls gemäß weder von Fürst Adolf noch von Architekt Prof. Paul Baumgarten gewollt gewesen sei. „Gewissermaßen erwürgen die Zypressengewächse das Mausoleum“, stellt der Schlossverwalter fest. Das für den Gegenwert von rund einer Million Goldmark erschaffene Ensemble wirke „wie eingequetscht“.

Wegen der in der Bückeburger Bevölkerung recht ausgeprägten Sensibilität bei Baum- und Forstbelangen wird die Öffentlichkeit im Vorfeld über die mit den zuständigen Landes- und Kreisbehörden abgestimmten Maßnahmen in Kenntnis gesetzt. Perl zitiert in diesem Zusammenhang Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau. Der im Volksmund kurz als „Fürst Pückler“ bekannte Landschaftsarchitekt, Schriftsteller und Weltreisende hatte mit Blick auf Gartengestaltung dereinst formuliert: „Wer einen Park besitzt, benötigt ein mutiges Herz und eine starke Axt.“

Thujen wuchern das

Mausoleum zu

Der im 30. Oktober 1785 auf Schloss Muskau geborene Fürst war Bewertungen von Historikern zufolge einer der fünfzehn größten Landbesitzer im Königreich Preußen. Unter Kennern der Materie gilt er als landschaftskünstlerisches Genie, seine Weiterentwicklungen des „englischen Parks“ in den Landschaftsparks Muskau und Branitz zählen bis heute zu den besonderen Höhepunkten der europäischen Landschaftsgestaltung des 19. Jahrhunderts.

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Alexander Perl ist Mitautor des Kulturatlas „Entdeckung von Landschaft“. In einem Beitrag über die Hofwiesen hält der Fachmann fest: „Was wir heute als vermeintlich unberührte Natur empfinden, ist in Wirklichkeit die Folge menschlichen Einwirkens.“ Die gegenwärtige Situation könne nur durch „ständiges Berühren“ erhalten werden.

Von diesem „Berühren“ sind aktuell auch vier Bäume im Schlossareal betroffen, die im Rahmen der Neugestaltung des Innenhofes weichen müssen. Der Hof soll (wie berichtet) in etwa ein Aussehen wie anno 1896 erhalten. Alle Gewächse sollen, wie der Schlossverwalter es ausdrückt, „in würdiger und angemessener Form ersetzt werden“.

Perl mochte nicht ausschließen, dass in naher Zukunft auch einige Pappeln auf dem Mausoleumsgelände „berührt“ werden müssen. Von diesen stürzen bei kräftigen Stürmen mitunter oberschenkeldicke Äste zu Boden. Daher seien Eingriffe schon aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht unumgänglich.

Unterdessen sind die Herrichtungsarbeiten an der Schlossturmfassade abgeschlossen worden. Die Fassade erhielt einen Sanierputzauftrag und erstrahlt jetzt in einem etwas kräftigeren Gelb als zuvor. Was der Verwendung von sogenannten RAL-Farben zu verdanken ist. Dabei handelt es sich um normierte Töne, die auf den ehemaligen Reichsausschuss für Lieferbedingungen (daher „RAL“) zurückgeführt werden.

Im Zuge der Sanierung wechselten Spezialisten das Zifferblatt der Turmuhr aus. Wo früher die Uhrzeit auf einer dicken Glasscheibe abzulesen war, sorgt jetzt ein aus Edelstahl gefertigtes Zifferblatt dafür, dass die Betrachter wissen, was die Stunde geschlagen hat.

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