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Zentralrat fordert Sensibilisierung der Polizei

Nach Grabschändung: Erneut SS-Runen an Sinti-Auto

AUETAL. Nachdem bereits die Gruft der Familie Schmidt in Bernsen geschändet wurde (wir berichteten) gehen die offenbar rechtsextrem motivierten Taten gegen die Sinti-Familie weiter. Wie schon einmal zuvor tauchten am Donnerstag erneut auf dem Auto der Familie SS-Runen auf. Sie wurden von unbekannten Tätern in den Schnee gezeichnet. Entsetzt äußert sich auch der Zentralrat der Sinti und Roma.

veröffentlicht am 09.02.2018 um 18:29 Uhr

Autor:

Jakob Gokl und Kerstin Lange

Entsetzt wandte sich auch der Zentralrat der Sinti und Roma an die SZ/LZ: „Wir sind erschüttert“, sagt Oswald Marschall vom Zentralrat der Sinti und Roma. „Wir nehmen das sehr ernst.“ Marschall fordert „lückenlose Aufklärung“ des Sachverhalts. „Das Verfahren darf nicht einfach eingestellt werden.“ Das Vorgehen der Polizei zeige auch, „wie wichtig es ist, die Beamten schon in der Ausbildung für antiziganische Vorurteile zu sensibilisieren“, so Marschall. Nur dann könne man derartige Vorfälle auch richtig einordnen, und nicht einfach als „Dummejungenstreich“ abtun.

Bergmann bestätigt, dass die Polizei auch die erneuten SS-Runen an den Staatsschutz gemeldet habe. Es sei offenbar eine „sehr persönliche Sache“, die sich gegen die Familie richte. „Wir bewerten derzeit das gesamte Umfeld.“ Man ermittle mögliche Motive für die Taten, insbesondere die Grabschändung. Dass es sich bei der Familie um Mitglieder der Minderheit der Sinti handelt, sei ein wesentlicher Faktor der Ermittlungen.

Von einer konkreten Bedrohungskulisse, die gegen die Sinti-Familie aufgebaut werde, wollte die Polizei noch nicht sprechen. Die zeitliche Abfolge der Taten, teilweise mit klar rechtsextremen Bezügen, lässt einen derartigen Schluss allerdings zu.

Bei der betroffenen Familie Schmidt ist die Angst nun groß, dass es noch zu weiteren Übergriffen kommen könnte.

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