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Superintendent Kurt Eckels soll vor 50 Jahren 14-Jährigen missbraucht haben

Nach Missbrauch in St. Nikolai: Betroffener äußert sich

In einer persönlichen Erklärung, die wir ungekürzt veröffentlichen, bezieht der damals betroffene Jürgen Kothy Stellung zum Missbrauchsfall im Jahr 1965. Dieser ist im Mai 2016 vom Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg öffentlich gemacht und aufgearbeitet worden. Der mittlerweile verstorbene damalige Superintendent Kurt Eckels soll den damals 14-Jährigen im Pfarrhaus der St.-Nikolai-Kirche sexuell missbraucht haben. Die Nennung seines Namens ist von Kothy explizit gewünscht, normalerweise würde unsere Zeitung dies nicht tun.

veröffentlicht am 30.11.2016 um 16:47 Uhr
aktualisiert am 30.11.2016 um 18:40 Uhr

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RINTELN. „Seit den Medienberichten vom Mai dieses Jahres bin ich mir einer gewissen Verantwortung für die öffentliche Bloßstellung von Kurt Eckels als Folge meiner Aufdeckung des von ihm 1965 an mir begangenen sexuellen Mißbrauchs bewusst. Im Wissen darum habe ich zunächst gegenüber den Familienangehörigen von Kurt Eckels die Anonymität verlassen, nachdem diese sehr behutsam und über die Vermittlung der Kirche den Kontakt gesucht hatten, um stellvertretend für die gesamte Familie ihr tief empfundenes Bedauern auszusprechen. Ohne jegliche Vorkenntnisse und voller Entsetzen hatten sie die Berichterstattung vom Frühjahr zur Kenntnis nehmen müssen und sich anschließend in einem auch schmerzhaften innerfamiliären Prozess um die weitere Aufklärung bemüht. Für diesen Mut bin ich sehr dankbar.

Auch in Teilen der Öffentlichkeit vor allem in Rinteln wurde das Bild des damaligen Superintendenten durch die Pressemeldungen im Mai erschüttert und viele werden sich gefragt haben: War das wirklich so, und warum erfolgt die Aufdeckung erst jetzt? Ja, das war so, und das heutige Wissen um die Biografie von Kurt Eckels zeigt, dass das zumindest bis zu seiner Rintelner Zeit kein Einzelfall war – und vermutlich auch in Rinteln kein Einzelfall geblieben ist. Die letztjährige Einladung zur Goldenen Konfirmation war für mich lediglich der Anlass, diesen sexuellen Missbrauch aufzudecken, mein eigentliches Motiv lag tiefer: Schon Jahrzehnte hatte ich mir den Vorwurf gemacht, damals nicht den Mut zur öffentlichen Anklage gegen Kurt Eckels gehabt zu haben, auch um anderen Vergleichbares zu ersparen. So blieb ein Gefühl von Mitschuld für das wahrscheinliche Leiden anderer, nachdem der Ekel über das Erlebte bei mir selbst nicht mehr spürbar war.

Diese subjektive Schuld abzutragen, war mein Motiv für den Weg an die Öffentlichkeit bzw. die Mitarbeit an dem Brief an die Konfirmanden vom Mai dieses Jahres. Ich bin dabei bewusst ungenannt geblieben, weil es nicht um mich ging, sondern um mögliche weitere Opfer, die nicht den Eindruck gewinnen sollten, eine Aufdeckung ihres eigenen Falls ebenfalls mit einer Namensnennung verbinden zu müssen.

Ich mache mich jetzt mit dieser Erklärung wie mit der gemeinsamen Stellungnahme namentlich kenntlich, weil die mehr denn je zu erwartende und berechtigte öffentliche Verurteilung von Kurt Eckels nicht aus der Anonymität heraus verantwortet werden soll. Gleichwohl stehe ich – nachdem aus meiner Sicht alles Notwendige gesagt ist – für weitere Stellungnahmen nicht zur Verfügung. Ich bitte dies ebenso zu respektieren wie den gleichlautenden Wunsch der Angehörigen der Familie Eckels. Offene Fragen, die sich vor allem auf die neuen Erkenntnisse zur seinerzeitigen Installierung eines bekanntermaßen hoch belasteten und lediglich für schuldunfähig erklärten Sexualstraftäters als Superintendent in Rinteln beziehen dürften, sind an die Vertreter der Landeskirche Hannover zu richten. Deren ernsthaftes Bemühen um die Aufklärung des Falls Kurt Eckels, für das ich insbesondere Superintendent Kühne-Glaser und Herrn Dr. Mainusch dankbar bin, begründet bei mir die Hoffnung, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholt.“ Jürgen Kothy

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