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Was unternehmen die Behörden?

Nach tödlicher Hundeattacke: Die Angst ist geblieben

BUCHHOLZ. Bei einem Angriff durch zwei große Hunde starb im Februar auf dem Verbindungsweg Richtung Rolfshagen, der vom Buchenring abzweigt, ein Zwergpinscher. Seine Halterin, eine Frau aus Buchholz, wurde an beiden Händen schwer verletzt. Sie und die Nachbarn haben Angst und fragen sich: Was unternehmen die Behörden?

veröffentlicht am 09.08.2017 um 16:55 Uhr
aktualisiert am 09.08.2017 um 17:40 Uhr

Beliebter Spazierweg nicht nur für Hundehalter: die Verbindung von Buchholz nach Rolfshagen. In diesem Bereich ereignete sich die tödliche Attacke. Foto: kk
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Karsten Klaus Redakteur zur Autorenseite
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BUCHHOLZ. Es fällt Melanie B. (Name von der Redaktion geändert) auch nach einem halben Jahr noch schwer, über den grausigen Vorfall zu sprechen. Anfang Februar attackierten zwei große Hunde die Buchholzerin und deren Zwergpinscher. Der kleine Hund wurde regelrecht zerfleischt, Frau B. an den Händen schwer verletzt. Sie ist bis heute krankgeschrieben, leidet psychisch unter der Attacke, hofft auf eine baldige Wiedereingliederung.

Eigentlich wollten sie, ihre Nachbarn und Freunde aus dem Dorf den Vorfall nicht an die große Glocke hängen, schon allein aus Selbstschutz. Darum wurde der Fall im Winter auch nicht publik gemacht. Doch inzwischen treibt sie die Angst um, dass die gefährlichen Hunde erneut auf kleinere Tiere oder gar Menschen losgehen könnten.

Und die Frage ist: Was haben eigentlich offizielle Stellen inzwischen unternommen, damit sich so etwas nicht wiederholen kann? „Wir haben mit Verweis auf das noch immer laufende Verfahren keine Auskunft bekommen“, ärgert sich Frau B..

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Das ist geschehen: Am 2. Februar waren Melanie B. und eine Nachbarin unterwegs, um ihre Hunde auszuführen. Auf dem Verbindungsweg Richtung Rolfshagen, der vom Buchenring abzweigt, trafen sie auf die Besitzer von drei großen Hunden, die ebenfalls mit ihren Tieren unterwegs waren.

„Wir haben die erst nicht gesehen, sonst hätten wir einen großen Bogen gemacht“, erinnert sich Frau B.. Die großen Hunde seien nämlich als aggressiv gegenüber kleineren Tieren bekannt gewesen, schon zuvor habe es zwei Zwischenfälle gegeben.

Doch für ein Ausweichen ist es schon zu spät. Die großen Hunde sind zwar angeleint, tragen aber keine Maulkörbe und können von den Besitzern nicht gehalten werden. Einer geht auf den Zwergpinscher los, ein zweiter kommt dazu. Frau B. will dazwischen gehen, wird zu Boden gerissen. Ein Hund beißt sich an ihrer Hand fest, der andere tötet den Pinscher, reißt dessen Eingeweide heraus.

In Frau B.s Erinnerung zieht sich der Vorfall über mehrere Minuten hin, ohne dass die Besitzer der Angreifer eingreifen. Erst als ihre Nachbarin dem einen Tier mit der flachen Hand auf die Schnauze schlägt, lässt dies von Frau B. ab.

Die Geschädigte erstattet Strafanzeige, die Bückeburger Polizei ermittelt, die Staatsanwaltschaft und das Veterinäramt werden eingeschaltet. Frau B. beauftragt einen Anwalt mit der Wahrnehmung ihrer Interessen.

Doch auch nach einem halben Jahr ist der Fall immer noch nicht abgeschlossen. Den Hundehaltern sei zwar von der Staatsanwaltschaft eine Geldbuße auferlegt worden, die auf ihre Schmerzensgeldansprüche angerechnet werden soll, sagt die Geschädigte. Das Geld sei aber bisher nur zum Teil geflossen.

Noch mehr ist sie verbittert darüber, dass die Besitzer der gefährlichen Hunde nie den persönlichen Kontakt zu ihr gesucht, geschweige denn sich entschuldigt hätten. „Wenn die sich nicht persönlich trauen, könnten sie ja wenigstens einen Brief schreiben“, sagt das Opfer. Auch mit der Versicherung der Hundehalter gibt es noch keine Einigung: Das sei „ganz schlimm“, man wolle ihr eine Teilschuld anhängen.

Und dann die allgemeine Verunsicherung im Dorf: „Wir wissen überhaupt nicht, woran wir sind“, beklagt sich eine Buchholzerin, die für viele Nachbarn, Eltern von kleinen Kindern und Haltern von kleinen Hunden spricht, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die zuständigen Behörden schwiegen sich aus, sagt sie. Ihre brennenden Fragen: Besteht noch eine akute Gefahr? Hat es Auflagen der Behörden gegeben? Und wie werden diese überwacht?

Es sei nämlich beobachtet worden, dass die Besitzer der aggressiven Tiere nun mit ihren Hunden täglich davonfahren. Die Hunde sollen jetzt in Ahe und Hessisch Oldendorf an der Weser gesehen worden sein – ohne Leine, ohne Maulkorb. „Da weiß doch niemand Bescheid“, sorgt sich auch Melanie B.: „Ich will doch nur, dass nie wieder so etwas passiert.“

Andrea Stüdemann könnte Licht ins Dunkel bringen. Die Kreisverwaltungsdirektorin ist als Dezernentin auch für das Veterinäramt des Landkreises zuständig. Aber: „Der Fall läuft noch“, sagt sie auf Anfrage. Deshalb – und aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes – dürfe sie nur ganz allgemein über solche Verfahren Auskunft geben, nicht aber auf den konkreten Fall bezogen. Außerdem laufe noch ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht gegen den Landkreis, begründete sie ihr Schweigen, ohne Einzelheiten zu nennen.

Nach Bekundungen von Melanie B. und der Nachbarn haben diese jedoch nicht gegen den Kreis geklagt. Nach dem Niedersächsischen Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG) kann die Behörde nach Prüfung des jeweiligen Falls die „Gefährlichkeit“ des Hundes feststellen. Das geschehe in der Regel sehr schnell, so Stüdemann gegenüber unserer Zeitung.

Das Gesetz erlaubt das Halten eines gefährlichen Hundes nur nach Bewilligung eines entsprechenden Antrags. Außerhalb ausbruchsicherer Grundstücke müssen solche Hunde angeleint werden und haben einen Beißkorb zu tragen. Die Erlaubnis wird nur erteilt, wenn die Halter einen Sachkundenachweis erbracht haben und „die Fähigkeit des Hundes zu sozialverträglichem Verhalten durch einen Wesenstest nachgewiesen ist“, heißt es im NHundG.

Normalerweise müsse ein solches Verfahren nach drei Monaten abgeschlossen sein, sagt Stüdemann. Allerdings könne diese Frist verlängert werden. Grund für die Verlängerung könnte beispielsweise sein, dass man auf den Termin für einen Wesenstest des Hundes an der tierärztlichen Hochschule länger warten muss. Sofort erteilte Auflagen wie Leinen- oder Maulkorbzwang würden auch durch die Ordnungsämter der Gemeinden überwacht. Ebenso würden die örtlichen Polizeidienstellen informiert. Ansprechpartner bei Problemen sei das Veterinäramt. Dort seien allerdings keine konkreten Hinweise darauf eingegangen, dass es erneut Probleme mit den betreffenden Buchholzer Hunden gegeben hat.

Mein Standpunkt
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Von Karsten Klaus

Angst, Sorge und Verärgerung in Buchholz sind nur zu gut zu verstehen. Gesetzeslage hin, Persönlichkeitsrechte her: Opfer sowie besorgte Eltern und Hundehalter haben einen moralischen Anspruch darauf, zu erfahren, was konkret zu ihrem Schutz unternommen wurde. Von Karsten Klaus, Lokalredaktion

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