weather-image
Legt Staatsanwaltschaft Revision ein?

Nach Urteil im Fall Kader K.: Gericht begründet Strafmaß - Opfer fassungslos

HANNOVER/HAMELN. Mit dem Urteil gegen Nurettin B., der wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu 14 Jahren Haft verurteilt wurde, ist das Gericht der Argumentation der Verteidigung gefolgt. Dem 39-Jährigen wurde zugute gehalten, dass er ein umfassendes Geständnis abgelegt hat, Schmerzensgeld zahlen und weitere Unterstützung leisten will. Kader K. zeigte sich derweil fassungslos. Ihr Anwalt prüft, ob rechtliche Mittel eingelegt werden können.

veröffentlicht am 31.05.2017 um 17:01 Uhr

Nurretin B. wird seiner Ex-Frau auch das Tat-Auto im Wert von 12000 Euro übereignen. Foto: ube
Ulrich Behmann

Autor

Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der wegen des sogenannten „Schleifmordversuchs von Hameln“ angeklagte Nurettin B. (39) aus Eimbeckhausen ist am Mittwoch zu 14 Jahren Haft verurteilt worden - wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch sprach das sichtlich enttäuschte Opfer direkt an und erklärte Kader K. (28), es sei Aufgabe des Gerichts, Recht zu sprechen und nicht Rache zu üben. Die junge Hamelnerin, die vor Gericht als Nebenklägerin auftrat, hatte sich eine lebenslange Haftstrafe gewünscht. So auch Staatsanwältin Ann-Christin Fröhlich, die am Ende ihres sorgfältig ausgearbeiteten Plädoyers für lebenslänglich eingetreten war. Matthias Waldraff, einer der beiden Verteidiger des Angeklagten, hatte 14 Jahre Gefängnis beantragt.

Die 13. Große Strafkammer ist letztlich der Argumentation der Verteidigung gefolgt. Bevor das Urteil gesprochen wurde, hatten Nurettin B. und Kader K. einen richterlichen Vergleich geschlossen. Der Täter verpflichtet sich, dem Opfer ein Schmerzensgeld in Höhe von 137000 Euro plus Zinsen zu bezahlen und für sämtliche materiellen und immateriellen Zukunftsschäden, die nicht von Dritten übernommen werden, aufzukommen. Ferner wird B. seiner Ex-Partnerin, mit der er nach dem islamischen Glauben verheiratet war, seinen VW Passat im Wert von 12000 Euro übereignen. Es ist das Auto, mit dem Kader K. durch die Südstadt geschleift wurde.

Das Schwurgericht hält Nurettin B. zugute, dass er sich sofort nach der Tat bei der Polizei gestellt und vor Gericht ein Geständnis abgelegt hat. „Ich übe meinen Beruf schon sehr lange aus und kann Ihnen sagen: So ein umfassendes und uneingeschränktes Mordgeständnis bekommt man nur ausgesprochen selten.“ Der Angeklagte habe zudem gezeigt, dass er Verantwortung für das von ihm begangene Verbrechen übernehmen wolle und sei bereit, Schmerzensgeld zu bezahlen. „So unbefriedigend das aus Opfersicht auch ist: Ein Straftäter kann nicht mehr tun, als all das zu geben, was er hat.“ An Kader K. gerichtet, sagte Richter Rosenbusch: „Ich will keinen Bösen zu einem Guten machen, aber ich muss das berücksichtigen.“ Damit sei man „raus aus der lebenslangen Haft“. Die Strafe müsse gemildert werden. Das Gesetz sehe drei bis 15 Jahre vor. 14 Jahre Freiheitsentzug seien in diesem Fall „tat- und schuldangemessen“.

Aufgabe des Gerichtes sei es Recht zu sprechen, nicht Rache zu üben, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch. Foto: ube
  • Aufgabe des Gerichtes sei es Recht zu sprechen, nicht Rache zu üben, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch. Foto: ube

Das Schwurgericht geht davon aus, dass Nurettin B. nicht vermindert schuldfähig war, als der Vater eines inzwischen dreijährigen Kindes seine Ex-Frau Kader K. am Abend des 20. November 2016 mit einem Messer und mit einer Axt lebensgefährlich verletzte und sie danach mit seinem Auto durch die Hamelner Südstadt schleifte. „Es besteht kein Zweifel daran, dass er wusste, was er tat“, sagte Rosenbusch. „Dieses Verbrechen war geplant.“

Kader K. kommentierte das Urteil im Gespräch mit der Dewezet so: „Ich bin fassungslos. Der Täter kommt vielleicht schon nach acht Jahren wieder auf freien Fuß. Das darf nicht sein. Er hat eine schwarze Seele.“ Opfer-Anwalt Roman von Alvensleben kündigte an, die Nebenklage prüfe, ob sie rechtliche Mittel habe. „Vielleicht legt ja die Staatsanwaltschaft Revision ein.“

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare