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Ausschuss debattiert Zukunft von Spielplätzen und das geänderte Nutzerverhalten

Neue Ideen statt Metallgerüste

BÜCKEBURG. Das Nutzerverhalten von Spielplätzen hat sich geändert. Nicht immer nur Kinder mit ihren Eltern sind auf den Einrichtungen zu finden, sondern am späten Nachmittag und in den Abendstunden auch Jugendliche, die sich dort treffen und chillen. Gleichzeitig steht die Stadt vor dem Dilemma, dass der Unterhalt oder die Neuherrichtung eines Spielplatzes teuer ist. In der Regel müssen für neue Geräte und Neuherrichtung über den Daumen um die 25 000 Euro gerechnet werden, um die Plätze attraktiver zu gestalten. Was macht Bückeburg?

veröffentlicht am 17.04.2018 um 15:14 Uhr
aktualisiert am 17.04.2018 um 23:40 Uhr

Der Rat muss noch seinen endgültigen Segen geben, aber der Spielplatz „An der Tränke“ ist Geschichte. Foto: rc
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. Das Nutzerverhalten von Spielplätzen hat sich geändert. Nicht immer nur Kinder mit ihren Eltern sind auf den Einrichtungen zu finden, sondern am späten Nachmittag und in den Abendstunden auch Jugendliche, die sich dort treffen und chillen. Gleichzeitig steht die Stadt vor dem Dilemma, dass der Unterhalt oder die Neuherrichtung eines Spielplatzes teuer ist. In der Regel müssen für neue Geräte und Neuherrichtung über den Daumen um die 25 000 Euro gerechnet werden, um die Plätze attraktiver zu gestalten.

Die Stadt hat darauf bereits vor einiger Zeit reagiert und die Arbeitsgruppe „Spielplätze“ eingerichtet. Sie bereist derzeit alle 41 Spiel- und Bolzplätze der Stadt und macht sich Gedanken, was mit den Spielplätzen geschieht. Ein erstes Ergebnis wurde jetzt im Ausschuss für Jugend und Familie verkündet und beschlossen: die Schließung des Spielplatzes „An der Tränke“ im Ortsteil Meinsen. Dieser Spielplatz ist auf einem Weg angelegt, der in die Bückeburger Niederung führt, und als Spielplatz nicht erkennbar. Sämtliche Spielgeräte sind abgängig und müssten ersetzt werden; eines, der Kletterturm, ist aus Sicherheitsgründen bereits gesperrt. Auch der Ortsrat Meinsen-Warber hat der Schließung bereits zugestimmt – es gibt weitere drei Spielplätze in den Ortsteilen. Als „Ausgleich“ hat der Ortsrat angeregt, dass 2019 eine Vogelnestschaukel auf den Spielplatz „Im Nordfelde“ eingeplant werden soll.

Eine längere Diskussion über die Sinnhaftigkeit von Spielplätzen und ihren Nutzern entspann sich im Ausschuss rund um den Spielplatz am Lilienweg. Dieser soll auch angesichts des angrenzenden Neubaugebiets auf dem ehemaligen Tankhof Harting hergerichtet und für die zukünftige Ausstattung demnächst eine Beteiligung der Kinder eingeleitet werden. Allerdings: Es gibt nur sieben Kinder, die in dem ohnehin schon erweiterten Nutzungsbereich wohnen. Was den Ratsherrn Dieter Wilharm-Lohmann die Frage nach der „Sinnhaftigkeit“ der Neugestaltung stellen ließ: „Wir geben viel Geld aus.“

Was einigen Widerspruch bei seinen Ratskollegen hervorrief. „Der Platz liegt mit seiner Nähe auch zum Falkingsviertel und der Kindertagesstätte Juliane geradezu genial“, meinte Ratsherr Wilhelm Klusmeier (Bündnis 90/Die Grünen). Auch das Wohngebiet Höppenfeld müsse mit zum Einzugsbereich dieses Platzes gerechnet werden, argumentierte Ratsherr Oliver Salomon (Wir für Bückeburg). Die Kinderbeteiligung sei „enorm wichtig“ für die Akzeptanz eines solchen Platzes, so Ratsfrau Sandra Schauer (SPD).

Einen anderen Aspekt brachte die Ausschussvorsitzende Iris Gnieser (CDU) ein, dass nämlich Spielplätze immer häufiger von Jugendlichen als Treffpunkte angelaufen werden, weil es überall in der Stadt an geeigneten Treffpunkten fehle. Stichwort: Multifunktionsanlage. Gnieser: „Diese Treffpunkte sind mit Sicherheit wichtig für die Stadt.“ Sie trat mit dieser Bemerkung eine Lawine los, was die Stadt für Jugendliche zu bieten hat. Sandra Schauer: „Wir brauchen dringend Aufenthaltsräume oder Plätze, wo sich Jugendliche treffen können.“ Der sachkundige Bürger und Vorsitzende des Stadtjugendrings, Christoph Struckmann: „Jugendliche fordern Rückzugsbereiche.“ Pastor Jan-Uwe Zapke, sachkundige Bürger, fragte, ob man nicht neue Konzepte und Ideen haben müsste, statt für viel Geld Metallgerüste aufzustellen. „Jugendliche bekommen wir nicht“, wie er auch in seiner täglichen Arbeit merke: „Darum nehmen sie Spielplätze.“ Oder wie es Ratsherr Benjamin Stahlhut (SPD) formulierte: „14- bis 16-Jährige, die lieber auf der Banklehne sitzen und vor sich hin spucken.“

Klusmeier schlug vor, die alte Mühle auf dem Weinberg als Treffpunkt für Jugendliche herzurichten – „so, wie es vor Jahren schon einmal war – oder aber den Bauwagen vom Scheier Spielplatz Bohnenkamp im Rahmen eines Projektes wieder aufzufrischen. Struckmann dazu: „Wir hatten einen an der Hand, da wollte aber keiner umbauen.“

Trotz der Debatte um Treffpunkte für Jugendliche: „Wir haben eine tolle Jugendfreizeitstätte“, wie Gnieser lobte. Nachdem sich Leiter Dan Bürcher entschieden habe, doch in Bückeburg zu bleiben, sei das Konzept etwas umgestellt worden. Es gebe auch keinen Grund einen Streetworker einzustellen, wie es damals im Zuge des Rechts-Links-Konflikts erfolgt ist, sagte Klusmeier. Angesicht von Flüchtlingen im Jugendalter warnte Zapke, dass die Stadt nicht warten dürfe, bis Probleme entstehen. Iris Gnieser: „Es wäre gut, wenn wir kurzfristig etwas anschieben können.“

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