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Kinderbetreuung: Schaumburg ist Vorreiter bei Großtagespflegestellen / Bundesweites Modellprojekt

Neues Modell: Zwischen Tagesmutter und Krippe

Landkreis (lmh). Die Möglichkeiten der Kinderbetreuung sind um eine zusätzliche erweitert worden: Die sogenannte „Großtagespflegestelle“ (GTP-Stelle) schließt die Lücke zwischen Tagesmutter und Krippe. „Ein Modell mit Zukunft“ nennt Rolf May vom Jugendamt des Landkreises diese individuelle Form der Betreuung. Die Qualitätsstandards der bislang fünf Einrichtungen in Schaumburg werden wissenschaftlich begleitet – ein bundesweites Modellprojekt.

veröffentlicht am 12.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 01:22 Uhr

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Zwei kleine Jungen und ein Mädchen bauen mit Mike Schmieding ein Haus aus Duplosteinen. Ein Zweijähriger lässt mit Melanie Koch Autos die Rampe zur Parkgarage heruntersausen, und drei weitere Kinder sitzen bei Rita Rötger auf dem Schoß und schauen ein Bilderbuch an. Die Kinderwohnung in der Adolf-Schweer-Straße in Stadthagen macht ihrem Namen alle Ehre und ist auf den ersten Blick kaum von einer Krippe zu unterscheiden.

Bei näherem Hinsehen offenbaren sich jedoch etliche Unterschiede. Maximal zehn Kinder kommen auf die drei Erwachsenen. Auch die Öffnungszeiten erinnern wenig an öffentliche Einrichtungen: Von halb acht bis sechs Uhr abends nimmt die Kinderwohnung Babys von drei Monaten an in Betreuung. „Alles wird ganz individuell mit den Eltern abgestimmt“, erklärt Rötger. „Wenn die Kinder das vertragen und es für die Gruppe passt, ist es etwa möglich, dass ein Kind nur Montagvormittag und Mittwochnachmittag zu uns kommt.“ Schulkinder werden nach Vereinbarung von der Schule abgeholt und mit einem Mittagessen versorgt.

Preislich ist die GTP-Stelle mit den Kosten einer Krippe oder anderer Tagesmütter vergleichbar. Die Eltern zahlen einen nach Einkommen gestaffelten Betrag an das Jugendamt, welches die Bezahlung des Tagespflegepersonals übernimmt.

Seit dem vergangenen Dezember sei die Gesetzgebung dahin gehend geändert, Zusammenschlüsse von Tagesmüttern und das Anmieten von Räumlichkeiten zu erleichtern, erklärt Ina Colletti von der Kinderbetreuungsagentur (Kiba) in Stadthagen, bei der kreisweit alle Fäden zum Thema GTP zusammenlaufen. Bisher gibt es in Schaumburg vier solcher Stellen, eine fünfte befindet sich im Aufbau. Schaumburg besitzt in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle: Über das Landesprojekt „Familie mit Zukunft – Kinder bilden und betreuen“ konnten die Fachberaterinnen des Landkreises, Ursula Büthe und Antje Baumgarten, ein bundesweit einziges Modellprojekt ins Leben rufen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre erstellt die Fachhochschule Hannover eine Studie, in der die Qualitätsstandards für künftige GTP-Stellen festgelegt werden sollen. Die Schaumburger Einrichtungen liefern hierfür die Datengrundlage.

Mit Ina Colletti hat die Kinderbetreuungsagentur (KiBA) ein zweites Gesicht bekommen. Seit Juni unterstützt die Sozialpädagogin ihre Kollegin Antje Baumgarten. Die GTP-Stellen sind ihr Fachgebiet. Colletti koordiniert die Zusammenarbeit mit der pädagogischen Fakultät der Fachhochschule Hannover, welche Personal, Eltern und Kinder der GTP-Stellen wissenschaftlich betreut. Das Konzept sei neu, aber erfolgversprechend, erklärt Baumgarten. Colletti ergänzt: „Wir lassen Eltern und Kinder nicht alleine.“ Informationen und Hilfe bei der Vermittlung von Tagesmüttern und Plätzen in GTP-Stellen bieten die beiden Frauen im persönlichen Gespräch oder telefonisch unter (0 57 21) 8 90 82 57 oder (0 57 21) 8 90 82 44.

Kreisweit gibt es fünf Stellen. Stadthagen: „Kinderwohnung“; Rita Rötger, Melanie Koch, Mike Schmieding, Telefon (0 57 21) 89 86 00. Beckedorf: „Minikäfer“; Britta Tholen, Natalie Schlegel, Telefon (0 57 25) 91 43 61. Bückeburg: „SOS 24“; Christiane Köhler-Schreiber, Telefon (0 57 22) 89 34 02. Rinteln: „Zwergnasen“; Daniela Rehling, Vanessa Hohmeier, Telefon (0 57 51) 95 94 63. Niedernwöhren: „Krümelstübchen“; Larissa König, Jana Schirmer, Telefon (01 74) 1 82 62 82.

Eine neue Möglichkeit der Kinderbetreuung: Die sogenannten „Großtagespflegestellen“ schließen die Lücke zwischen Tagesmutter und Krippe. Foto: lmh

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