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Kommandowechsel am Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum / Oberst Ott folgt auf General Klein

Nicht zu schulmäßig werden

BÜCKEBURG. Kommandoübergabe beim Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum Bückeburg (IHTC): Brigadegeneral Uwe Klein ist am Freitagmorgen als Kommandeur des IHTC und Generals der Heeresflieger von seinem Amt entbunden worden. Neuer Kommandeur ist Oberst Ulrich Ott, der durch den Kommandeur des Ausbildungskommandos, Generalmajor Norbert Wagner, das Kommando übertragen und die Truppenfahne überreicht bekam. In seiner Abschiedsrede hielt General Klein mit seiner Kritik an den Umbrüchen bei den Heeresfliegern in den vergangenen Jahren nicht hinter dem Berg.

veröffentlicht am 16.03.2018 um 16:03 Uhr

Die Truppenfahne für den neuen Kommandeur, Oberst Ulrich Ott (v.l.), wird von Generalmajor Norbert Wagner übergeben, Brigadegeneral Uwe Klein, ist des Kommandos über das IHTC enthoben. Foto: tol
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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Anschließend erklangen vor hunderten von Ehrengästen auf dem Flugplatz in Achum die deutsche und die französische Nationalhymne. Nach dem Auszug der Ehrenformation war der Übergabeappell beendet. Zu Beginn war General Uwe Klein mit einer EC-135 auf dem Hallenvorfeld gelandet – sein letzter Flug nach mehr als 44 Jahren als Soldat.

Ein Kommandeur und Offizier alter Schule mit herausragender Einsatzbereitschaft, vorbildlicher Führung und umfassender Kameradschaft, würdigte Generalmajor Wagner die Verdienste Kleins: „Er hat geführt, erzogen und ausgebildet, Höhen und Tiefen, die Einsamkeit als Führer oder den Umgang mit Tod und Verwundung erlebt und Ausbildung mit Leidenschaft vorgelebt.“ Seit 2014 war Klein Kommandeur des IHTC , eine Aufgabe die mehr als einen Dienstposten umfasste, so Wagner: „Aber diese Führungsverwendung war auch erfüllend, vor allem, wenn wieder einmal mit minimalen Ressourcen maximale Leistung erbracht wurde.“

Eine Aussage, auf die Klein in seiner Abschiedsrede detaillierter einging, als er die Umbrüche aufzählte, die die Heeresflieger in den vergangenen Jahren verkraften mussten und Kritik an Entscheidungen vorgesetzter Dienststellen und des Verteidigungsministeriums deutlich durchklang. Oder wie es der General formulierte: „… was uns widerfahren ist.“ 2014 hätten die Heeresflieger gemeinsam als Heeresfliegerwaffenschule begonnen und diese bei laufendem uneingeschränkten Ausbildungsbetrieb zum IHTC umgegliedert. Dabei sei das Ausbildungszentrum C in Celle aufgelöst, mit der Bo-105 gleich eine ganze Hubschrauberflotte ausgephast und ein dazugehörender Heeresflugplatz samt Ausbildungskommando und samt Personal abgegeben worden: „Damit war erneut ein Kapitel der Heeresflieger-Geschichte zugeschlagen.“ Gleichzeitig sei die Führungsverantwortung für die deutsch-französische Ausbildungseinrichtungen für Tiger-Piloten und Tiger-Techniker übernommen worden sowie die Gesamtverantwortung für das Luftfahrzeugtechnische Personal des NH90.

Das Heeresmusikkorps Hannover spielt Nationalhymnen und Märsche. Foto: tol
  • Das Heeresmusikkorps Hannover spielt Nationalhymnen und Märsche. Foto: tol

Mit dem Einnehmen der neuen Organisationsstruktur sei leider auch eine personelle Schrumpfung verbunden gewesen, so der scheidende Kommandeur weiter. Im Bereich der Fluglehrer als auch mit der Aufgabe der Luftfahrzeugtechnischen Abteilung seien nicht nur schmerzhafte menschliche, aber noch mehr fachliche Lücken hinterlassen worden, „die bis heute objektiv nicht unserem Auftrag entsprechend geschlossen werden konnten“. Es müsse weiter mit überzeugenden Argumentationen daran gearbeitet werden, dass die Realitäten des personellen wie materiellen Unterbaus des IHTC und der Leistungsanforderung des Auftrags einander entsprechen. Grundsätzlich gelte, dass eine größere Flexibilität bei Personal und Ausstattung unabdingbar sei für eine fortgesetzte, schon jetzt stark nachgefragte Internationalisierung: „Es müssen Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass wir mit Blick auf die nie schlafende Konkurrenz in Europa und Übersee eine starke Position einnehmen.“

Aus seiner Sicht als General der Heeresflieger sei es ihm „auf den Magen“ geschlagen, dass die Heeresflieger binnen zweier Jahre 40 Prozent ihrer Dienstposten verloren haben, darunter jahrzehntelang bewährter Piloten und Techniker. Die Sachargumente einer geringeren Zahl von Hubschraubern und verfügbaren Flugstunden hätten die Einschnitte erfordert sei richtig: „Dass damit aber auch ein Verlust an Fertigkeit und Know how verloren ging, die kurz- bis mittelfristig nicht wiederzuerlangen sein werden, bleibt dennoch unbestritten.“ Das Hauptaugenmerk in den kommenden Jahren müsse auf eine intensive Nachwuchsarbeit gelegt werden.

Zu derzeit diskutieren Plänen, die Fach- und Führungskompetenz der Heeresfliegertruppe wieder in einer Hand zusammenzuführen, merkte Klein an, dass damit berechtige Hoffnung bestünden, auf absehbare Zeit endlich die Talsohle zu durchschreiten und die Heeresflieger, Hubschrauberkräfte des Heeres und das IHTC wieder zur „Normalform“ ihres Wirkbetriebs zurückführen zu können.

Mit Oberst Ulrich Ott - wann er zum General befördert wird, ist nur eine Frage der Zeit – tritt ein führungs und einsatzerfahrener Kommandeur die Nachfolge Kleins an. Er ist ebenfalls Pilot, hat natürlich das Fliegen in Bückeburg gelernt, und seit 35 Jahren Soldat. Seine letzte Verwendung war Gruppenleiter Grundsatz/Grundlagen Flugbetrieb Heer in Stadtallendorf, im Einsatz war er in Bosnien-Herzegowina, Kosov und in Mazar-i-Sharif in Afghanistan.

Er freue sich auf seine neue Verwendung hat der Oberst im Rahmen eines Pressegesprächs gesagt. Das IHTC sei „hervorragend“ aufgestellt, dessen Zukunftssicherheit hergestellt werden müsse. Er freue sich am meisten auf die Menschen, ob jung oder alt. Die größte Herausforderung sei, das der Schulbetrieb nicht zu schulmäßig werden: „Am Ende der Ausbildung stehen Einsatzpiloten, die ihr Handwerk beherrschen müssen.“ Das IHTC müsse modern bleiben und immer am Puls der Zeit sein, um auch Verbündete von seiner Qualität zu überzeugen.

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