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Krise um Atomprogramm

Nordkorea will «Kräftegleichgewicht» mit den USA erreichen

Seoul/Washington (dpa) - Trotz härterer Sanktionen will Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un das Atomwaffenprogramm seines Landes vorantreiben und ein militärisches Gleichgewicht mit der Supermacht USA erreichen.

veröffentlicht am 16.09.2017 um 12:32 Uhr
aktualisiert am 17.09.2017 um 08:00 Uhr

Zwölf Tage nach seinem weltweit verurteilten Atomtest hat Nordkorea erneut eine Rakete über Japan hinweg in den Pazifik abgefeuert. Foto: Ahn Young-Joon

Dazu müsse Nordkoreas Atomstreitmacht vervollständigt werden, zitierten die Staatsmedien Kim am Samstag. Die USA machten nach einem neuerlichen Test einer Mittelstreckenrakete durch Nordkorea am Freitag deutlich, dass sie sich die Möglichkeit eines militärischen Eingreifens offenhielten. 

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die jüngste «Provokation» Pjöngjangs. Der Rat einigte sich in seiner Sitzung in New York aber vorerst auf keine weiteren Schritte. Erst am Montag verschärfte das wichtigste UN-Gremium die Sanktionen gegen Nordkorea wegen dessen Atomtests am 3. September. 

Nach dem neuen Sanktionsbeschluss hatte Nordkorea erneut eine Rakete vom Typ Hwasong-12 über den Norden Japans hinweg in den Pazifik geschossen. Sie flog nach südkoreanischen Angaben 3700 Kilometer weit - so weit wie bei keinem früheren Test einer militärischen Rakete durch Nordkorea. 

Kim habe den Test persönlich befohlen und ihn von seiner Kommandozentrale beobachtet, berichteten die nordkoreanischen Medien. Mit dem Manöver sollte «die Kriegslüsternheit der USA» eingedämmt werden. Ziel sei ein «Gleichgewicht der Kräfte» Nordkoreas und der USA, um der US-Führung die militärische Option zu nehmen, wurde Kim zitiert. 

Anschließend lobte Kim die Atomtechniker und Militärs. «Wir müssen den Großmacht-Chauvinisten zeigen, wie unser Staat trotz endloser Sanktionen und Blockade sein Ziel erreicht, die Atomstreitkräfte zu vollenden.» Zugleich deutete Kim an, die Waffentests fortzusetzen. 

Der Konflikt heizt sich seit Monaten auf. «Es gibt die militärische Option», betonte der nationale Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster in Washington. Diese Option sei aber nicht die bevorzugte. Die USA näherten sich im Bereich von Sanktionen und Diplomatie dem Ende der Möglichkeiten. «Dieses ist keine Angelegenheit zwischen den USA und Nordkorea, es ist eine Angelegenheit für die ganze Welt.»

Internationaler Druck und Sanktionen haben in der Krise bisher keinen Erfolg gezeigt, Nordkorea setzte sein Atomprogramm und seine Tests entgegen allen Warnungen fort. Die am Montag beschlossenen Strafmaßnahmen der UN sehen unter anderem eine Deckelung der Öllieferungen an das Land und ein Verbot von Textilexporten vor.

Nordkorea verhalte sich weiterhin provokant und rücksichtslos, sagte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen in New York, Nikki Haley. «An diesem Punkt kann der Sicherheitsrat nicht mehr viel tun, wenn man schon 90 Prozent des Handels und 30 Prozent des Öls (Importe) gekürzt hat.» Sie habe kein Problem damit, den Fall an Verteidigungsminister James Mattis weiterzugeben, weil der eine Menge Optionen habe, sagte Haley.

Japans UN-Botschafter Koro Bessho sprach in New York von einer «ernsten Bedrohung für unsere eigene Sicherheit» sowie einer «wirklichen Gefahr für den Frieden und die Sicherheit der ganzen Welt». Die neuen Sanktionen müssten sofort vollständig umgesetzt werden.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, der am Wochenende unter anderem zu politischen Gesprächen nach China reist, sprach sich für eine Kombination aus wirtschaftlichem Druck und Verhandlungsangeboten im Atomstreit mit Nordkorea aus. Das Beispiel Iran zeige, dass beides gebraucht werde, sagte er im SWR. Zuvor hatte Gabriel den Raketentest Nordkoreas «auf das Schärfste» verurteilt. «Das Regime in Pjöngjang führt uns erneut vor Augen, dass es eine ernste Bedrohung für den Weltfrieden darstellt», sagte er in Berlin.

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