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Karsten Martens startet Initiative

Notbremssystem für Lastwagen auf Autobahnen gefordert

BÜCKEBURG. Letzter am Stauende: Viele Autofahrer beschleicht in dieser Situation ein mulmiges Gefühl. Auf der Autobahn droht dann die größte Gefahr durch schwere Lastwagen, die von hinten ungebremst in stehende Fahrzeuge krachen. Der Bückeburger Rechtsanwalt Karsten Martens fordert Abhilfe vom Gesetzgeber.

veröffentlicht am 06.11.2017 um 13:56 Uhr
aktualisiert am 06.11.2017 um 16:40 Uhr

In Fahrt: Dass ein Lastwagen ungebremst ins Stauende kracht, ist auf deutschen Autobahnen keine Seltenheit. Foto: ly

Autor:

Stefan Lyrath
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„Diese Unfälle bringen unendliches persönliches Leid, abgesehen von den regelmäßig besonders hohen Sachschäden“, klagt Karsten Martens (Bückeburg), Vorsitzender des Anwaltvereins im Landgerichtsbezirk. Martens will, dass der Horror aufhört. Deshalb hat er eine gesetzgeberische Initiative angestoßen: Zum nächstmöglichen Zeitpunkt sollen die auf deutschen Autobahnen verkehrenden Lastwagen eine automatische Abbremsvorrichtung erhalten – zumindest alle deutschen Lkw.

Ein Abschalten des Systems müsse „unbedingt technisch unmöglich gemacht oder erschwert werden“, betont Martens. Mit seinem Vorstoß hat sich der Bückeburger Jurist zunächst an den Deutschen Anwaltverein in Berlin und speziell an dessen Arbeitsgemeinschaft für Verkehrsrecht gewandt, der auch er selbst angehört. Von dort wurde das Schreiben an den Deutschen Verkehrssicherheitsrat weitergeleitet. Eine Antwort stand zuletzt noch aus. Karsten Martens ist außerdem Vorsitzender des Motorclubs Bückeburg im ADAC. In dieser Funktion hat er an die Verkehrswacht Schaumburg geschrieben.

Gesetzgeberische

Initiative gestartet

Beim sogenannten Notbremsassistenten lösen elektronische Helfer eine Vollbremsung aus, wenn der Fahrer nicht rechtzeitig auf eine drohende Kollision reagiert. Der automatisch eingeleiteten Bremsung geht eine akustische Warnung voraus. So sollen Unfälle verhindert werden. Zumindest aber wird die Aufprallgeschwindigkeit verringert. Für fabrikneue Lkw mit mehr als acht Tonnen Gewicht sind eingebaute Notbremssysteme bereits seit November 2015 Pflicht.

Karsten Martens setzt sich für Notbremssysteme in allen Lkw ein. Foto: Ly
  • Karsten Martens setzt sich für Notbremssysteme in allen Lkw ein. Foto: Ly

Martens möchte, dass auch gebrauchte Laster damit ausgerüstet werden müssen. „Mit den Ausländern könnte es Probleme geben“, räumt er ein. Eventuell, so Martens, könne man ausländische Fahrzeige vorläufig ausnehmen. „Das müsste der Gesetzgeber beraten und entscheiden.“

Allein am 20. September hätten sich „in Norddeutschland drei schwere Unfälle des Hergangs ereignet, dass ein Lkw ungebremst in das Stauende beziehungsweise in ein stehendes Fahrzeug auf der A 2, der A 7 und der A 24 gefahren ist“, so Martens in seinem Schreiben unter Berufung auf entsprechende NDR-Meldungen. „Es ist hinlänglich bekannt, dass Lkw-Fahrer, aus welchen Gründen auch immer, abgelenkt oder übermüdet sind“, schreibt er weiter.

Der Bückeburger Anwalt nennt es „unverständlich, dass sich die Politik – bei allen Bemühungen um die Verbesserung der Verkehrssicherheit auf unseren Straßen – der Beseitigung dieses schweren Unfallphänomens bisher noch nicht angenommen hat“. Für den Umbau schwebt ihm ein staatlicher Zuschuss vor.

Eine Nachrüstung mit dem System Advanced Emergency Braking System (AEBS) „wäre vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen viel zu kostspielig‘, zitiert die Süddeutsche Zeitung Rüdiger Ostrowski, den Geschäftsführer des Verbandes Spedition und Logistik NRW. Ostrowski zufolge kostet der nachträgliche Einbau demnach bis zu 8000 Euro.

Übrigens hatte auch der gestohlene Lkw, mit dem der Terrorist Anis Amri im Dezember 2016 auf einem Berliner Weihnachtsmarkt elf Menschen getötet und 55 weitere zum Teil schwer verletzt hat, ein automatisches Bremssystem an Bord. So sind wenigstens nicht noch mehr Unschuldige ums Leben gekommen.

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