weather-image
Hauptproblem: das Deutschlernen

Nur noch ein „harter Kern“ in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe

RINTELN. Wenn man helfen will, aber nicht wirklich helfen kann, ist das frustrierend. Auch um solchem Frust entgegenzutreten, treffen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Netzwerks „Hilfe für Geflüchtete in Rinteln“ einmal monatlich im Kerschensteiner Weg. Aktuell geht es um den Sprachunterricht und wie man das Engagement der ehrenamtlich tätigen Lehrer effektiver nutzen kann.

veröffentlicht am 01.02.2018 um 15:34 Uhr
aktualisiert am 01.02.2018 um 18:00 Uhr

Gespräche gegen aufkommenden Frust: Einmal im Monat treffen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Netzwerks „Hilfe für Geflüchtete in Rinteln“ im Kerschensteiner Weg. Foto: cok
ri-cornelia2-0711

Autor

Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Wir müssen uns neu orientieren“, so die Integrationsbeauftragte Juliane Rohlfing von der Stadt Rinteln. „Die Situation heute ist eine andere als im Jahr 2015.“

Der Hauptunterschied: Die 2015 überwiegend aus akuten Kriegsgebieten geflüchteten Menschen hatten, anders als die Gruppe von 2017, von Beginn an eine relativ gute Bleibeperspektive. Dementsprechend großzügig wurden die Kosten für intensive Integrations- und Sprachkurse übernommen, vom BAMF, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“. Nur, wer rasch gut Deutsch spricht und versteht, kann ja die Chancen auf Schulbesuch oder Ausbildung wirklich nutzen.

Die rund 50 Bewohner des Übergangsheims im Kerschensteiner Weg aber, unter ihnen circa 25 junge Männer von der Elfenbeinküste, stehen einer wesentlich ungewisseren Zukunft gegenüber. Die meisten von ihnen besuchen die sogenannten „Sprint“-Klassen an den Berufsbildenden Schulen. Auch die Flüchtlinge aus den Balkanländern mit ebenfalls ungesicherter Bleibeperspektive erhalten zwar durchaus Unterstützung, doch sie alle bräuchten viel mehr Hilfe beim Spracherwerb. Und das ist nicht ganz einfach zu organisieren. „Die Strukturen der Zusammenarbeit im Netzwerk, die für die ersten Geflüchteten sehr gut funktionierten, passen heute nicht mehr ohne Weiteres“, erklärt Juliane Rohlfing. Zwar gebe es für die recht große Gruppe aus dem Kerschensteiner Weg prinzipiell gut ausgebaute Sprachangebote, auch in Schulen und Berufsschule. Doch gerade die Vielfalt dieser Angebote erschwere – anders als noch alle gleichzeitig die Integrationskurse besuchten – die Koordination mit den Angeboten der Ehrenamtlichen.

„Die meisten brauchen unbedingt Nachhilfe“, sagt Deutschlehrerin Christel Hupe. Aber wenn man überhaupt einen gemeinsamen Kurstermin zustande brächte, dann seien die Voraussetzungen der Einzelnen so unterschiedlich, dass ein systematischer Unterricht kaum möglich sei. „Man müsste direkt in die Familien gehen“, meint Annegret Dreyer, die neben der Mitorganisation des „Café International“ im Johannis-Kirchzentrum einzelnen Frauen Nachhilfeunterricht gibt und hautnah mitbekommt, wie schwer es auch begabten Menschen fällt, die komplizierte deutsche Sprache zu erlernen.

Eigentlich würde jeder einzelne Neuankömmling einen „Paten“ brauchen, die Schüler, die Familienmütter, diejenigen, die eine Ausbildungsstelle gefunden haben und nun an der Sprachbarriere zu scheitern drohen, und andere, die quasi aus eigener Kraft am Deutschlernen dranbleiben müssen. „Dafür hätten wir aber nicht ansatzweise genug ehrenamtliche Mitarbeiter“, so Diana Ludwig von der Arbeiterwohlfahrt (AWO), zuständig für die Ehrenamtskoordination. Auch die veränderte Politik gegenüber den Flüchtlingen habe dazu beigetragen, dass sich nur noch ein „harter Kern“ von Ehrenamtlichen weiter engagiere.

Was Rohlfing verspricht: Für eine bessere Verzahnung der verschiedenen Angebote zu sorgen. „Die ehrenamtlichen Unterstützer leisten die ganze Zeit eine wunderbare Arbeit“, betont sie. „Wir müssen noch genauer hinsehen, wie wir diese Arbeit so einsetzen können, dass sie für alle Beteiligten befriedigend bleibt.“

Immerhin: Gleich beim ersten Netzwerktreffen des Jahres bot eine Englischlehrerin an, zum Kreis der ehrenamtlich Unterrichtenden dazuzustoßen. „Je größer dieser Pool ist, desto besser können wir helfen“, so Diana Ludwig. Wer seine Unterstützung anbieten will, kann sich entweder direkt an sie wenden unter der Telefonnummer (05721) 9 38 84 43, oder die an Integrationsbeauftragte der Stadt Rinteln, Juliane Rohlfing, unter (05751) 403-365.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare