weather-image
24°
Jazz-Schlagzeuger von Weltrang gab 1981 das erste große Sumpfe-Konzert

Pete York – der erste Star!

Als Pete York auf Einladung der Sumpfblume am 13. Juni 1981 in Hameln eines seiner Konzerte im Rahmen der Tournee „Pete York – New York“ geben sollte, wollten das viele Musikfans erst gar nicht glauben. Immerhin zählte der Brite aus Middlesbrough schon damals, fast 40-jährig, zu den weltbesten Schlagzeugern in den Bereichen Rock, Jazz und Blues. Doch dieser besondere Samstag, er rückte näher, und schließlich saß York dann hinter seinem Drumkit auf der Bühne der alten Sumpfblume am Güterbahnhof.

veröffentlicht am 29.08.2009 um 07:34 Uhr

270_008_4156987_Sumpfe1985.jpg

Viel Platz war da nicht, aber das störte Pete York genauso wenig wie die Zuschauer. Wäre er sonst vier Jahre später an diesen Ort zurückgekehrt?

Die Sumpfblume, immerfort blühendes Kulturgestrüpp für besondere Pflänzchen. Unkraut vergeht nicht. Niemand hätte 1979 erahnen können, „dass sie so lange durchhält“, sagt Wolfgang Meier, ehemals Geschäftsführer des Kultur- und Kommunikationszentrums, das sich im Wandel der Zeit zu einem modernen Veranstaltungszentrum gemausert hat, ohne den Geist von damals vollkommen über Bord zu werfen. Bescheiden hatte alles angefangen. Im ersten Jahr gab es außer Brain Ticket, einer Psychedelic-Rockband, die Anfang der siebziger Jahre von dem belgischen Multiinstrumentalisten Joel Vandroogenbroeck gegründet worden war, kaum nennenswerte Konzerte. Zunächst kam es darauf aber auch nicht an. „Wir hatten unsere Sumpfblume, das war entscheidend“, blickt Wolfgang Meier zurück.

Alles weitere sollte sich entwickeln. Und es entwickelte sich fruchtbar. Immer mehr junge Menschen fanden den Weg zu den Discoveranstaltungen, zu den Lesungen und schließlich auch zu den immer mehr und größer werdenden Konzerten. Die „Sumpfe“ war ein Dorn im Auge derer, die ihre Kinder schon im Strudel der Drogenszene abdriften sahen. Sie verurteilten die Sumpfblume, wie sich herausstellen sollte, zu Unrecht als jugendgefährdendes Zentrum der linken Szene. „Niemand hätte damals ahnen können, dass die Sumpfblume einmal ihren 30. Geburtstag feiern würde“, sagt Karsten Holexa, heute Geschäftsführer von Radio Aktiv, damals ebenfalls ein Sumpfblumenmann der ersten Stunde.

Das Kulturprogramm wuchs fortan aus seinen Kinderschuhen. Pete York war im Grunde genommen der erste echte Star, der die Sumpfe mit seinem Konzert weihte. Schon zwei Monate nach seinem 1981er Auftritt folgte die Band Embryo, eine der erfolgreichen deutschen Krautrockbands. Mit der Neuen Deutschen Welle rollte sogar Geiersturzflug („Bruttosozialprodukt“) an. „Damals hatten wir das Problem, dass die Sumpfblume für größere Konzerte zu klein war; der Saal fasste ja kaum mehr als 250 Menschen. Deshalb fanden einige dieser Konzerte dann in der Aula der Sertürner Realschule statt“, erinnert sich Wolfgang Meier.

Albert Mangelsdorff und Inga Rumpf…

Albert Mangelsdorff, Inga Rumpf, Fury In The Slaughterhouse, Manic Street Preachers. Ja, auch diese Stars und Bands standen im Scheinwerferlicht der Sumpfblume! Manche von ihnen wurden erst später sehr erfolgreich, so zum Beispiel die Hannoversche Kultband Fury In The Slaughterhouse. Doch ein Kulturzentrum wäre ein schlechtes Kulturzentrum, wenn es nur die Hitlieferanten zu Gast hätte. „Wir bieten natürlich Nischenkultur für allerlei Interessen“, sagt der heutige Geschäftsführer Dirk Wuschko. Lesungen, verschiedene Projekte wie zum Beispiel das Dunkelrestaurant, Kinoabende gehören zum monatlichen Veranstaltungskalender. Die Stärke dieses Kulturzentrums liege eindeutig in der kulturellen Bandbreite. Und die, so Wuschko, sei durchaus Generationen übergreifend. „Viele, die die Sumpfblume 1979 betreten haben, kommen heute immer noch.“

Pete York: Am 13. Juni 1981 war er zum ersten Mal zu Gast in der Sumpfblume. Später kam er noch einmal mit Brian Auger und Colin Hodgkinson.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare