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Irischen Straßenpferden droht der Tod

Pferdedrama auf der Grünen Insel – Ute Schiller hilft

KLEINENBREMEN. In Irland leben Tausende, wahrscheinlich Zehntausende von ausgesetzten Straßenpferden, ein nationales Problem. Ute Schiller aus Kleinenbremen hat zwei dieser Tiere zu sich geholt.

veröffentlicht am 08.11.2017 um 15:15 Uhr
aktualisiert am 08.11.2017 um 17:30 Uhr

Gerettet: Ute Schiller mit Miss Dakota (li.) und Maizie. Foto: ly

Autor:

Stefan Lyrath
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KLEINENBREMEN. Als Ute Schiller die Weide betritt, in der Hand eine Packung Möhren, kommt Maizie sofort angelaufen. Miss Dakota dagegen bleibt zunächst im Hintergrund, dreht dann ein paar Runden und nähert sich schließlich vorsichtig, immer bereit zur Flucht.

In diesem Verhalten drückt sich das unterschiedliche Schicksal der beiden Ponys aus, die Tierschützer in Irland gerettet haben: Maizie lebte mit zwei Hengsten wild in den Bergen an der Westküste Irlands, Miss Dakota zuletzt auf einem Parkplatz in Sligo im Nordwesten, wo die Stute bei illegalen Straßenrennen mit Sulky eingesetzt wurde.

„Dies war das Ende ihres Leidensweges“, glaubt Ute Schiller aus Kleinenbremen. „Vorher war sie ein Wanderpokal, ging von einer Hand in die andere.“ Ute Schiller geht davon aus, dass das Pony gequält wurde, als es kein Geld mehr einfuhr. „Miss Dakota ist sehr misstrauisch und kopfscheu“, berichtet die Tierfreundin. „Wenn man eine ruckartige Bewegung mit der Hand macht, dreht sie ab – als ob sie früher Schläge bekommen hätte.“ Pferde, die sich am Kopf nicht berühren lassen, sind häufig dorthin geschlagen worden.

Als Ute Schiller 2015 beschließt, sich ein Pferd anzuschaffen, stößt sie im Internet auf die irische Hilfsorganisation „Hungry Horse Outside“, kurz HHO. Dann sieht sie ein Foto von Maizie. „Die ist es.“ Es ist die richtige Wahl, Mensch und Tier haben sich gefunden. „Maizie ist sehr anhänglich“, erzählt Ute Schiller. „Sie folgt mir auf Schritt und Tritt, schmust gern und ist sehr intelligent.“ Die Kleinenbremerin stellt Maizie (3) und Miss Dakota (16) auf einem Hof in Rinteln unter, wo sie viel Auslauf haben. Für Tierfreunde, die gegen Adoptionsgebühr ebenfalls ein irisches Straßenpferd bei sich aufnehmen möchten, würde Ute Schiller, erreichbar unter der Mobiltelefonnummer 0152-53 69 62 83, den Kontakt zu HHO herstellen. Dort leben zurzeit rund 180 Pferde, Ponys und Esel. Bisher sind 350 Tiere vermittelt worden. Adoptanten verpflichten sich, die Tiere nicht decken zu lassen, sie weder zu verkaufen noch als Schuldpferde an Reitbetriebe zu geben. Ute Schiller ist in Sorge, weil es Winter wird und vielen Pferden der Hungertod droht.

In Irland leben Tausende, wahrscheinlich Zehntausende von ausgesetzten Straßenpferden, ein nationales Problem. Vor einigen Jahren waren es nach Schätzungen rund 20 000 Tiere. Die meisten sind ihrem Schicksal überlassen. „Viele Pferde verhungern. Andere laufen vor Autos und verenden dann im Straßengraben“, so Ute Schiller. Wieder andere werden eingefangen und kommen in Pounds, eine Art Tierheime, wo die Pferde allerdings nach kurzer Zeit getötet werden, wenn sich keine neuen Eigentümer finden. Mitunter sind es hochblütige Galopper, in guten Zeiten angeschafft, um auf der Rennbahn schnelles Geld zu machen.

Hintergrund des Tierdramas ist die Wirtschafts- und Finanzkrise. Pferde sind in Irland Statussymbole. Als die Wirtschaft boomte, konnten sich auch Durchschnittsverdiener ein teures Reitpferd leisten, in der Krise nicht mehr. Bei Nacht und Nebel wurden immer mehr Tiere einfach ausgesetzt. Nun streifen sie über die Grüne Insel. Im Winter erwartet einen Teil von ihnen der sichere Tod.

Viele stehen auch angeleint zwischen Wohnblocks oder auf öffentlichen Plätzen, gerade noch gut genug für Rennen von Jugendlichen. Von besonders edlen Vollblütern abgesehen, werden Pferde auf Märkten verscherbelt oder gegen Handys getauscht. Sie sind finanziell gesehen nichts mehr wert – und viele werden auch so behandelt. „Auf den Pferdemärkten bekommt man ein Pony für 50 Euro“, berichtet Ute Schiller.

Mit der Wirtschaft geht es heute wieder aufwärts, während die Pferdekrise anhält. „Die Situation ist leider immer noch so, viele Iren setzen die Pferde einfach aus“, so Ute Schiller. „Ich habe in Irland angefragt.“ Im September seien mehrere kleine Hengste gefunden worden, gerade mal fünf Monate alt. „Die Mutterstuten wurden von ihnen weggenommen und woandershin transportiert.“ Und im County Galway, einer Grafschaft an der Westküste, seien 2016 viele tote oder halb verhungerte Pferde gefunden worden.

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