weather-image
:Durch Feld und Wald

Pilgern auf dem Sigwardsweg: Was Herz und Seele öffnet

OBERNKIRCHEN. Seit 2009 gibt es den Sigwardsweg, er lädt zum Pilgern ein, um Geist. Körper und Seele anzusprechen. Unsere Redaktion hat die Mitgliederversammlung des Sigwardsweg-Vereins besucht.

veröffentlicht am 08.11.2017 um 15:48 Uhr

270_0900_68978_5_im_einklang_mit_der_natur_thcontentgall.jpg
4301_1_orggross_f-westermann

Autor

Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Man kann prima mit dem arbeiten, was unterwegs vorgefunden wird“, erzählt Irene Esser. Ein Beispiel: Weil der Sigwardsweg an der Weser vorbeiführt, hat sie bei einer Pilgerung mit Konfirmanden kurzerhand eine Tauferinnerung durchgeführt – und so kam man dann ins Gespräch darüber, wie es sich heute als Christ leben lässt.

Diplompädagogin Esser ist Referentin der Erwachsenenbildung für den Kirchenkreis Minden. Auf der Mitgliederversammlung des Sigwardsweg-Vereins stellt sie kurz den Pilgerweg vor und zeigt eine Handvoll Bilder, die Katharinenkirche, Bergkirche oder das Gotteshaus in Apelern, die auf dem Weg liegen, der 2009 aufgelegt wurde und auf 170 Kilometern die ehemalige Bischofsstadt Minden und die Ortschaft Idensen am Steinhuder Meer verbindet, denn hier erbaute Bischof Sigward 1134 eine Kirche.

Uwe Marczinzik ist Vorsitzender des Sigwardsweg-Vereins, in seinem Rückblick zählt er kurz auf, dass das Interesse am Weg durchaus vorhanden sei. Es steige, und wer immer sich auf den Weg mache, der nutze ihn nicht nur zum Wandern, „sondern auch, um anhand diverser geistlicher Impulse sich selber in ihrer Persönlichkeit auf die Spur zu kommen“. Pilgern, sagt der Pastor im Ruhestand später, heiße, raus aus dem Alltag kommen, sich absetzen; losgehen und auch loslassen, damit man zu sich selbst kommen könne.

270_0900_68979_Minden_St_Marien.jpg

Marczinzik verwies auf das kommende Frühjahr. Am 5. März stehe ein großes Netzwerktreffen „Pilgern in Minden“ an, und auch Irene Esser hatte in ihrem Vortrag betont, dass man Partner benötige, mit denen man zusammenarbeiten könne, alle Pilgerwege müssten sich nicht als Konkurrenz sehen, sondern als Ergänzung.

Eine neue Stempelstelle werde es in Minden geben, kündigte Marczinzik an, in der neu eröffneten Domschatzkammer, und es erscheine „dringend nötig“, die Wegweiser auf dem Sigwardsweg zu überprüfen, sie sei an einigen Stellen irreführend oder fehle ganz, was er aus eigener Erfahrung bestätigen könne. Außerdem werde empfohlen, den Sigwardsweg auf der Strecke von Minden nach Petershagen zu verlegen und über Todtenhausen zu führen, um so den Weserradweg zu meiden. Denn aufgrund der stark angestiegenen Zahl von Fahrradfahrern mit motorisierten Rädern und der damit verbundenen erhöhten Geschwindigkeit sei der Weg entlang der Weser nicht mehr sicher genug: Das gelte insbesondere, wenn es sich um Gruppen von Wanderern und Pilgern handele, so Marczinzik.

Ein gutes Dutzend Mitstreiter kann der Vorsitzende bei der Versammlung begrüßen, vieles liegt auf den Schultern von engagierten Ehrenamtlichen, und später wird Marczinzik auf die niedersächsische Landeskirche verweisen, die für den Pilgerweg von Loccum nach Volkenroda „zwei, drei Beschäftigte“ abgestellt hat: „Das können wir nicht.“

Wer selbst einmal eine begleitete Pilgerung auf dem Sigwardsweg unternehmen möchte, um Geist. Körper und Seele anzusprechen, wie es Irene Esser formulierte, hat im nächsten Jahr zwei Möglichkeiten. Irene Esser bietet unter dem Motto „Unter dem Schatten deiner Flügel“ eine zehntägige Sommer-Pilgerung an, die am Donnerstag, 19 Juli, beginnt. Diese Pilgertour führt als Rundweg entlang der Weser, durch Feld und Wald und über reizvolle Mittelgebirge von Minden nach Minden, die Frage nach den eigenen Gottesbildern wird dabei die Teilnehmer in Andachten, Liedern und Gesprächen begleiten. Die Tagesetappen liegen zwischen 15 und 20 Kilometern, die Teilnehmerzahl ist auf zwölf begrenzt.

Am 28. Juli endet die Pilgerung, die Kosten liegen bei 480 Euro. Anmeldungen bei Esser unter (0571) 8 37 44 94, oder per E-Mail unter: pilgerbuero@sigwardsweg.de.

Uwe Marczinzik bietet vom 23. bis zum 26. August eine viertägige Pilgerung an, Beginn ist in Kleinenbremen, in den vier Tagen wird nach Idensen gepilgert. Marczinzik stellt diese Tage unter das Motto „Sing, bet und geh“. Unterwegs werden miteinander gregorianische Tageszeitengebete praktiziert, denn die Gregorianik gilt mit ihren schlichten Texten und Melodien als Wiege der abendländischen Musik und soll die Gemeinschaft auf Zeit begleiten. Marczinzik sieht es so: Im Unterwegssein, dem Erleben von Natur in Wald und Flur entwickelte sich ein neues Zeitverständnis: „Es ist Raum da, Herz und Seele zu öffnen für vieles, was in der Hektik des Alltags oft zu kurz kommt.“

Die Kosten liegen bei 240 Euro, Anmeldungen werden schriftlich erbeten: Pilgerbüro, Haus der Kirche, 32423 Minden.

Oder per E-Mail unter der oben erwähnten Adresse.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare