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THW sagt Bergung der restlichen Wrackteile ab / Flugunfallermittler untersuchen Bruch- und Brandspuren

Pilot starb beim Aufschlag

COPPENBRÜGGE. Die Leiche des Piloten, der mit seinem Kleinflugzeug an einer Felswand am Ith zerschellte, ist am Donnerstag von Gerichtsmedizinern obduziert worden. Offenbar ist der 78-Jährige an den Folgen der schweren Verletzungen, die er sich bei dem Absturz zugezogen hat, gestorben. Die Bergung des Wracks gestaltet sich weiterhin schwierig.

veröffentlicht am 14.12.2017 um 16:57 Uhr

Haben die Wrackteile am Donnerstagnachmittag verladen, bringen die Trümmer am Freitag nach Braunschweig zur Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung: die THW-Helfer Christian Thöle und Sascha Bollermann. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Die für Freitag geplante Bergung der restlichen Wrackteile des vor einer Woche abgestürzten Flugzeugs am Ithkopf bei Coppenbrügge ist nach einem Lokaltermin abgesagt worden. Das teilte THW-Fachberater Andreas Weiher am Donnerstag auf Anfrage mit. Eine sechsköpfige Expertenkommission des Technischen Hilfswerks aus Hameln hatte die Absturzstelle am Mittwochnachmittag abermals aufgesucht, um die Lage in 400 Metern Höhe zu erkunden.

Am Unglücksort herrscht tiefer Winter. Dort liegen laut THW 25 bis 30 Zentimeter Schnee. Die Teile sind schneebedeckt, der Hang ist steil und extrem glatt, das Gelände unwegsam. „Zurzeit ist es definitiv nicht möglich, die Absturzstelle zu erreichen – auch nicht mit einem Allrad-Fahrzeug“, sagte Weiher. „Wir müssen abwarten, bis sich das Wetter dort oben gebessert hat.“ Man könne die Arbeit nicht vor kommender Woche, womöglich aber auch erst später, fortsetzen.

Erst einmal müsse der Schnee weg sein. Immerhin ist eine Tragfläche, die in einer Baumkrone hing, zu Boden gefallen. Die am Sonntag geborgenen Trümmer, die sich immer noch auf einem THW-Lastwagen in der Unterkunft in Klein Berkel befinden, sollen am Freitagvormittag nach Braunschweig zur Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) gebracht werden. „Wir werden die Einzelteile in unserer Wrackhalle auslegen und sie dort ganz genau untersuchen“, sagt Jens Friedemann von der BFU im Gespräch mit der Dewezet. Ein Zwischenbericht werde voraussichtlich im Februar veröffentlicht.

Dieser werde zwar die bis dahin gesammelten Fakten, allerdings noch keine Analysen und Schlussfolgerungen enthalten. Der Abschlussbericht der BFU wird wohl erst Mitte kommenden Jahres vorliegen. Bis dahin gibt es noch sehr viel zu untersuchen. THW-Spezialisten unterstützen die Flugunfalluntersucher der BFU bei ihren Nachforschungen. „Wir haben am Mittwoch in der mutmaßlichen Einflugschneise diverse Messungen vorgenommen“, berichtet THW-Fachberater Weiher. Die BFU-Ermittler wollten unter anderem die Abstände zwischen den Bäumen und die Entfernung der Trümmerteile zur Absturzstelle wissen. „Wir stellen der BFU die zuvor angefragten Daten zur Verfügung“, sagte der Fachberater.

Die Leiche des Piloten, die im Cockpit der an einer Felswand zerschellten Schulungsmaschine gefunden wurde, ist am Donnerstag von Gerichtsmedizinern obduziert worden. Die Flugunfalluntersucher hoffen, dass sich feststellen lässt, ob der 78 Jahre alte Mann „gesundheitliche Beeinträchtigungen“ hatte. In der Regel würde bei Abstürzen auch ein toxikologisches Gutachten angefertigt, erzählt Friedemann. Es geht dabei auch um die Routinefrage: Hat der Flugzeugführer unter dem Einfluss von Alkohol oder Medikamenten gestanden? Piloten müssen sich regelmäßig einem Gesundheitscheck beim Fliegerarzt unterziehen, bei älteren Flugzeugführern sollen die Intervalle kürzer sein. Nach Angaben von Polizeihauptkommissar Jens Petersen haben die Rechtsmediziner festgestellt, dass der Pilot an den Folgen der schweren Verletzungen, die er sich bei dem Absturz zugezogen hat, gestorben ist. „Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis wurden keine Auffälligkeiten entdeckt.“ Das dürfte unter anderem bedeuten: Die Gerichtsmediziner haben keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass der Senior in der Luft einen tödlichen Herzinfarkt erlitten hat.

Das Wetter rund um den Unglücksort spielt eine weitere wesentliche Rolle bei der Aufklärung des Unglücks. „Wir haben beim Deutschen Wetterdienst ein Wettergutachten in Auftrag gegeben“, erzählt BFU-Sprecher Friedemann, der weltweit Flugzeugunglücke untersucht.

Am Absturzort – THW-Experten führen Distanzmessungen durch.
  • Am Absturzort – THW-Experten führen Distanzmessungen durch.
Foto: ube
  • Foto: ube
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  • Foto: ube
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  • Foto: ube
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  • Foto: ube
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  • Foto: ube
Am Absturzort – THW-Experten führen Distanzmessungen durch.
Foto: ube
Foto: ube
Foto: ube
Foto: ube
Foto: ube

Bei der ersten Inaugenscheinnahme haben die Ermittler entdeckt, dass es am Heck gebrannt hat. Unklar ist nach wie vor, wann das Feuer ausgebrochen ist. Das könne beim Aufschlag oder schon während des Fluges passiert sein, sagt Friedemann. „Wir setzen alles daran, das herauszufinden.“ Die Unfalluntersucher werden sich zudem die Bruchstellen genauer anschauen – auch unter dem Mikroskop. Hat es während des Fluges sogenannte Ermüdungsbrüche (gemeint ist Materialermüdung) gegeben – oder sind die Brüche erst beim Aufschlag gegen die Felswand entstanden?

Die im Jahr 2003 gebaute Schulungsmaschine vom Typ Aquila kam gerade aus der Wartung. Der Pilot hatte sie erst kurz vor dem Unglück aus der Werft geholt. Sie sollte am vergangenen Freitag von Osnabrück zurück nach Braunschweig geflogen werden. Untersucht wird ganz sicher auch, ob während der Wartung alles richtig gemacht wurde.

Der Pilot war in der Fliegerszene sehr bekannt und galt als erfahren. Er soll 20 000 Flugstunden absolviert haben. Der Braunschweiger besaß offenbar sogar die Berechtigung, mehrmotorige Flugzeuge zu fliegen.

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