weather-image
24°
Mittwochabend Thema im Fachausschuss

Platz für Bienen: Beschließen Umweltpolitiker Aktionsprogramm?

RINTELN. 43 Seiten umfasst die Broschüre des Ministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz zum Thema Bienenschutz. Eine Broschüre, deren Lektüre bei manchen Eigenheimbesitzern oder Landwirten den Blutdruck hochtreiben könnte. Denn hier wird empfohlen, was „Vorgartensaubermänner“ hassen, die zweimal in der Woche ihren Rasen millimeterkurz raspeln, jede Ecke von Unkraut säubern und auch den Griff zur Round-up-Sprühflasche nicht scheuen. Die Broschüre empfiehlt nämlich, doch in manchen Ecken das „Unkraut“ wachsen zu lassen oder etwas anderes einzusäen als Bodendecker.

veröffentlicht am 06.02.2018 um 15:49 Uhr
aktualisiert am 06.02.2018 um 23:40 Uhr

Eine Biene sucht an der Blüte einer Sonnenblume nach Nahrung. Foto: dpa
Avatar2

Autor

Hans Weimann Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Über die in der Broschüre vorgestellten Konzepte und einen lokalen Aktionsplan des Naturschutzbundes (Nabu) zum Schutz der Bienen will am heutigen Mittwoch der Bauausschuss des Rates beschließen. Die Idee ist, dem nützlichen Getier künftig mehr Raum zum Überleben in der Stadt und auf den Dörfern einzuräumen.

Den Autoren der Broschüre wie des Aktionsplans ist wohl klar gewesen, dass man hier nur mit kleinen Schritten weiterkommt. Aufklären und werben statt Konfrontation und neuer Vorschriften ist das Motto.

Ideen, was man machen könnte, um Bienen, Hummeln und anderen Insekten mehr Raum zum Überleben einzuräumen, gibt es viele: Ackerrandstreifen nicht bewirtschaften und dort Wildkräuter ansäen, Zwischenfrüchte wie Ölrettich oder Senf anbauen, Böschungen und ungenutzte Flächen nicht regelmäßig mähen, auf Brachen wachsen lassen, was dort wächst, an Zäunen einen breiten Wiesenstreifen sehen lassen, Wegraine zwischen Mai und August nicht mähen. Bei manchen Vorschlägen sind auch Interessenskonflikte vorprogrammiert, denn nicht alle Landwirte werden begeistert sein, auf teures Ackerland zu verzichten. Auch die Flächen für Randstreifen summieren sich.

Manche Gartenbesitzer werden auf keinen Quadratmeter ihres gepflegten begehbaren Rasens verzichten wollen. Nach wie vor beschweren sich Bürger beim Bauhof, wenn sie im öffentlichen kommunalen Grün der Stadt ihrer Meinung nach „verwilderte“ Ecken entdecken.

Maria Rollinger, Vorsitzende des Kreisverbandes Schaumburg des Naturschutzbundes, die das erste Blühstreifen-Programm in Exten mit Landwirten realisieren will (wir berichteten), setzt auf Kooperation und Umdenken bei Landwirten wie Bürgern. Das ist auch das Konzept des Naturschutzbundes, der in seinem Aktionsprogramm deshalb viele Informationsangebote für Bürger aufgelistet hat.

An diesem örtlichen Aktionsplan für ein „bienenfreundliches Rinteln“ hat als Fachmann auch Klaus Koschnik, Vorsitzender des Imkervereins, mitgearbeitet.

Konkret geht es in dem Aktionsprogramm unter anderem auch um eine Auflistung der Ausgleichsflächen, auf denen für Bienen etwas getan werden könnte, und um potenzielle neue Standplätze für Bienenvölker.

Die Initiative, das Thema auf die Tagesordnung des Bau- und Umweltausschusses wie auch später des Stadtrats zu setzen, hatten die Grünen ergriffen.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare