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Künftig sind auch Walmdächer erlaubt / Schnellverfahren / Politiker kommen Bauwilligem entgegen

" Portugall": Rat schnürt das Baukorsett auf

Buchholz (tw). Im Baugebiet "Auf der Portugall" hat der Rat Buchholz bei seiner Zusammenkunft am Dienstagabend beschlossen, das Korsett der Restriktionen, das Bauwillige einengt, ein weiteres Mal zu lockern: Die Politiker unter Vorsitz von Bürgermeister Hartmut Krause haben einstimmig dafür votiert, auf dem Areal jetzt auch Walmdächer zuzulassen; bislang waren dort nur Sattel- und Krüppelwalmdächer mit beidseitig gleichen Neigungen zulässig. Im Sinne des Vorhabens soll der B-Plan Nr. 5 nun zum zweiten Mal geändert werden.

veröffentlicht am 30.03.2006 um 00:00 Uhr

Hintergrund: "Es gibt einen Interessenten, der ,Auf der Portugall' ein Haus mit Walmdach bauen möchte; es ist die erste offizielle Anfrage dieser Art", begründet Krause vor dem Rat. Um zu illustrieren, was gemeint ist, hatte der Bürgermeister Ansichten aller denkbaren Dachformen aus dem Internet "gezogen" und an die Politiker verteilt. Die konnten's nachlesen: "Das Walmdach gehört zu den ältesten Dächern und vermittelt einen Ureindruck der menschlichen Behausung. Es unterstreicht die Schutzfunktionen des Daches - und gibt dem Haus ein repräsentatives Aussehen." Mit demÄndern des B-Planes wird "Auf der Portugall" laut Krause auch ein "illegitimes" Gebäude im nachhinein legalisiert; das Haus trage bereits ein Walmdach - obwohl eben diese Dachform nach der örtlichen Bauvorschrift bislang nicht zulässig war. Der betreffende Eigentümer müsse sein Walmdach - zumal es jetzt "legal" ist - natürlich nicht mehr abreißen, aber: "Auf ihn beziehungsweise seinen Architekten kommt nichtsdestotrotz eine Anzeige wegen Ordnungswidrigkeit und damit voraussichtlich eine Geldbuße zu", so Krause. Wie "Auf der Portugall" zur Unzeit ein Walmdach errichtet werden konnte, erklärt der Bürgermeister so: "Besteht - wie bei uns - ein rechtskräftiger Bebauungsplan, bedarf es nur einer Bauanzeige beim Landkreis, um ein Haus zu errichten." Der jeweilige Architekt unterschreibe, dass er die örtlichen Bauvorschriften kenne und einhalte. Danach werde das "Resultat" vom Landkreis nicht mehr überprüft - "es sei denn, es gibt Beschwerden". Wie auch immer. Das von Krause angeregte Lockern des Baukorsetts "Auf der Portugall" stößt auch in der SPD-Fraktion auf offene Ohren: "Wer ein Haus baut, will sich einen Traum erfüllen; da sollten wir ihm so wenig Beschränkungen wie irgend möglich auferlegen", erklärt Vize-Bürgermeister Klaus Kappmeier. Wichtig sei allein, dass die vorgegebenen Höhen der Häuser nicht überschritten werden. "D 'accord" auch von CDU-Fraktionschef Friedrich Imhoff: "Die Reglementierungen im B-Plan stammen noch aus grauer Vorzeit, sind längst nicht mehr zeitgemäß." Voraussetzung für die vom Rat beschlossene Änderung des B-Plans Nr. 5 im vereinfachten (Schnell-)Verfahren ist allerdings noch, dass sowohl die Nachbarn als auch der Landkreis dem Vorhaben zustimmen. Zur Erinnerung: Bereits Ende Oktober 2004 hatten die Bürgervertreter für die erste Änderung des B-Plans votiert. Bei einer Gegenstimme (Rolf Milewczek) und zwei Enthaltungen hatte der Rat damals entscheiden: "Auf nicht überbaubaren Grundstücksteilen entlang der öffentlichen Verkehrsflächen sind Einfriedungen, Garagen und Carports zulässig, wenn zwischen ihnen und der Grundstücksgrenze Straße ein Abstand von mindestens drei Metern eingehalten wird." Aktuell sind von den 22 "Portugall"-Parzellen sieben bebaut, für weitere zwei gibt's ernsthafte Kaufinteressenten.

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