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Grausiger Fund in der Feldmark bei Rehren

Reh verendet in vergessenem Zaun

REHREN/HOHNHORST. In einem Zaun in der Feldmark bei Rehren ist ein Reh qualvoll verendet. Das Tier hatte sich darin verfangen und kam wohl nicht wieder aus eigener Kraft frei. Was den Vorfall so aufsehenerregend macht: Das tote Tier wurde erst jetzt entdeckt, nachdem es bis auf die Knochen abgenagt worden ist.

Vom Reh ist nur noch ein Gerippe übrig. Selbst die Beine sind vertilgt – das stockförmige Gebilde ist ein Besenstiel. Foto: pr.

Autor:

Guido Scholl
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Eine Schäferin hatte vergessen, den Zaun im Herbst abzubauen.

Der dortige Jagdpächter, Ralf Lorberg, entdeckte die Überreste in der Nähe der Rodenberger Aue und meldete den Fund bei der Gemeinde. Von einem Kadaver kann gar keine Rede mehr sein, vielmehr von einem Gerippe – nur die Wirbelsäule, der Beckenknochen und der Schädel sind von dem Tier geblieben. Kritik muss sich nun auch der Unterhaltungsverband Süd- und Westaue anhören, weil der Vorfall auf dessen Grund und Boden geschah.

Dort hat der Verband, der für Pflege und Schutz der Aue zuständig ist, eine Renaturierungsfläche angelegt, wie Geschäftsführer Frank Faber erläutert. Diese soll zusätzlich auch dem Hochwasserschutz dienen, und dafür verpachtete der Verband die Fläche an eine Schäferin, die bis November ihre Herde an der Stelle grasen ließ. Die Tiere sollen die Vegetation kurz halten, so Faber. Als die Schafe für den Winter von der Renaturierungsfläche genommen wurden, versäumte es die Schäferin jedoch, den mobilen Zaun zu demontieren. Wann das Reh darin verendete, ist unklar. Faber sagt, im November sei das Tier dort noch nicht zu sehen gewesen. Und es könne auch schnell gehen, einen Kadaver bis auf die Knochen abzunagen. Füchse dürften dabei maßgeblich am Werk gewesen sein, denkt Faber.

Hohnhorsts Bürgermeister, Cord Lattwesen, findet den Vorfall ärgerlich, weil der Zaun dort über den Winter nicht hätte stehen dürfen. Zudem handle es sich bei dem Maschengewebe um eine für Wildtiere gefährliche Konstruktion. Vertikal gespannter Draht sei deutlich weniger problematisch. Für den Schafeinsatz auf der Fläche hatte sich Lattwesen zufolge der Naturschützer Karl-Heinrich Meyer stark gemacht. Auch dieser sieht nun ein Versäumnis der Schäferin. Er verweist zudem auf den ökologischen Nutzen der Schafe und darauf, dass ständig Wildtiere durch die Argrarwirtschaft getötet werden.

Faber hofft, dass die Tiere jetzt nicht von der Fläche verbannt werden, denn er sieht das Projekt als äußerst wertvoll an. Lattwesen fordert für den Fall einer Rückkehr der Schafherde aber, dass im nächsten Herbst auch die mobilen Zäune abgebaut werden. Denn sobald die Tiere fort sind, wird auch der Zaun nicht mehr kontrolliert. Weitere Maßnahmen – etwa eine Anzeige – will die Gemeinde nun aber nicht einleiten. Die aus Wunstorf stammende Schafhalterin hat sich trotz Anfrage nicht zu der Sache geäußert.

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