weather-image
Stadthagens Autobahnpläne

Reste einer unendlichen Geschichte

STADTHAGEN. Heute erinnern nur noch die Auffahrten – in eine Richtung jeweils verwaist und zugewuchert – in Vornhagen und bei Nienstädt zur heutigen Stadtautobahn an die damaligen Pläne, einer – richtigen – Autobahn für Stadthagen. Die waren schon weit gediehen. Wir blicken zurück.

veröffentlicht am 20.04.2017 um 18:30 Uhr

270_0900_41348_S_Geisterauffahrt.jpg

Autor:

Jennifer Minke-Beil
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

STADTHAGEN. Lothar Ibrügger, früherer SPD-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Minden-Lübbecke und parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, hat über den Ausbau der B 65 einmal gesagt, dass es sich dabei um eine „fast unendliche Geschichte“ handelt. Auch wenn er damals insbesondere von dem Bereich rund um Minden sprach, so lässt sich das auch mit Sicherheit für den Bereich zwischen Bad Nenndorf und Stadthagen sagen. Der 2+1-Ausbau zwischen Vornhagen und Kobbensen ist so gut wie fertig und nun folgt bald der Abschnitt zwischen Bad Nenndorf und Vornhagen. Es geht also immer weiter.

Diese langwierigen Bauarbeiten wären wahrscheinlich nicht notwendig, wenn vor vielen Jahren die Autobahn 30 im Bereich Stadthagen gebaut worden wäre. Heute erinnern nur noch die Auffahrten – in eine Richtung jeweils verwaist und zugewuchert – in Vornhagen und bei Nienstädt zur heutigen Stadtautobahn an die damaligen Pläne. Diese waren schon weit gediehen.

Die großen Ziele
in den 70er-Jahren

„Zwischen 1969 und 1979 wollten die Politiker das Autobahnnetz groß ausbauen“, berichtet Markus Brockmann, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Die Devise von Bundesverkehrminister Georg Leber war, dass „kein Deutscher mehr als 20 Kilometer von einer Autobahnauffahrt entfernt leben“ soll. Fahrräder habe es damals kaum gegeben. Die Wege sollten schnell sein – in Form eines dichten Autobahnnetzes, so Brockmann. Regierungswechsel und die neue grüne Bewegung hätten immer wieder dazu geführt, dass Zeit verloren gegangen sei und sich die Voraussetzungen änderten.

Außerdem seien die Ölkrisen zunächst im Jahr 1973 und erneut 1979 dazwischen gekommen. Die Planungen waren zwar konkret, doch die Umsetzungen gerieten ins Stocken. Der damalige Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier erinnert sich noch gut an die Zeit. Er habe stets für die Autobahn gekämpft und trauert der Chance nach: „Eine Autobahn wäre für Schaumburg natürlich ein großer Gewinn gewesen.“ Der Plan sei vollständig durchfinanziert gewesen – sei jedoch immer weiter in den Hintergrund gerückt. Die Straßen im Osten hatten an Bedeutung gewonnen. Stadthagen habe dagegen im Bundesverkehrswegeplan immer weiter an Priorität verloren. Immer wieder sei der Landkreis Schaumburg vertröstet worden, schließlich waren die Kassen des Bundes leer. Der damalige Landrat habe immer wieder auf die dichte Besiedlung in Schaumburg hingewiesen und auf eine bessere Anbindung gepocht. Die Pläne einer Autobahn waren mittlerweile zur Utopie gereift – offensichtlich auch, weil die Trassenführung nicht unumstritten war.

Eine Lösung zeichnete sich dann erst zehn Jahre später ab. Als Ersatzmaßnahme für die A 30 sahen die Verantwortlichen den Ausbau der B 65 für dringend erforderlich, mit der heute umgesetzten 2+1-Lösung. Zwar war damit klar, dass es keine zweite Autobahn gegen werde, doch der Ausbau der B 65 machte Hoffnung auf eine bessere Anbindung an die vorhandene A 2. Die B 65 sei die heutige Lebensader für Stadthagen, so Schöttelndreier – ein vollständiger Ausbau entscheidend für eine Ansiedlung von Unternehmen. Auch Brockmann hält den 2+1-Ausbau für zeitgemäß. Den Ausbau der B 217 zwischen Hannover und Hameln hält er für gelungen und sei ein Beispiel, wie effektiv eine Bundesstraße sein könne.

Der damalige Ministerpräsident Sigmar Gabriel habe um die Jahrtausendwende Druck gemacht, dass die Pläne in die Tat umgesetzt wurden, berichtet der damalige Schaumburger Landrat. 2002 sei es dann soweit gewesen. Der Landkreis sei mit dem Projekt „2+1-Ausbau“ in die Pauschalfinanzierung des Bundes gekommen. Allerdings waren viele der B 65-Anrainer wenig erfreut über die Pläne. Eine Bundesstraße gleich vor der Haustür war natürlich nicht der Traum der meisten Hausbesitzer, erinnert sich Schöttelndreier. Die Probleme mit den Anwohnern wären damals nicht entstanden, wenn die Autobahn gebaut worden wäre. Die wäre weitläufig um die Dörfer geführt worden.

Schöttelndreier sieht noch viel Potenzial beim Ausbau der B 65. Die Autofahrer müssten an einigen Stellen, vor allem auf dem Weg von Stadthagen nach Bückeburg viel Geduld aufbringen. Viele Ortschaften, Tempolimits und Radarfallen bremsen die Autofahrer aus. Der Traum von der A 30 ist ausgeträumt: „Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass sich Schaumburg mit einer direkten Autobahnanbindung anders entwickelt hätte.“

Der Landkreis sei aber wieder auf einem guten Weg: Bad Nenndorf, Lauenau und Rodenberg würden brummen, hier sei die Nähe der A 2 gut zu spüren. „Eine gute Verkehrsanbindung ist das A und O für eine Region“, ist der damalige Landrat von Schaumburg überzeugt. Deshalb sei auch der weitere 2+1-Ausbau der B 65 rund um Stadthagen dringend nötig – am besten so schnell wie möglich.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare