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Ein Gespräch mit Korrespondent Kai Räuker

Rinteln ist „RTL-Wahlstadt“ – was heißt das jetzt?

RINTELN. Im September ist Bundestagswahl. Deshalb hat der Privatsender RTL eine „Wahlstadt“ erkoren, aus der er regelmäßig berichten wird. Die Wahl fiel auf Rinteln. Aber was heißt das jetzt konkret? Ein Gespräch mit RTL-Korrespondent Kai Räuker.

veröffentlicht am 17.07.2017 um 16:09 Uhr
aktualisiert am 17.07.2017 um 17:40 Uhr

„Man muss die Kleinstadt schon mögen“: RTL-Korrespondent Kai Räuker ist häufig hier, seitdem Rinteln „Wahlstadt“ ist. Foto: mld
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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RINTELN. Kai Räuker kennt Rinteln mittlerweile recht gut. Obwohl er schon seit Jahren nicht mehr hier war und in Hannover wohnt. Doch er ist Korrespondent beim TV-Sender RTL und damit zuständig für die Berichterstattung aus der Weserstadt. Rinteln ist vom Privatsender zur „RTL-Wahlstadt“ erkoren worden (wir berichteten).

„Die Stadt ist zauberhaft, man kann sich nur verlieben“, sagt er bei einem Gespräch in einem Café auf dem Marktplatz. Die Lage, die Altstadt, Sehenswürdigkeiten wie das Kloster Möllenbeck, alles sei sehr pittoresk – auch wenn ihm das noch nicht so richtig aufgefallen sei, als er im Frühjahr hier war, um die Stadt kennenzulernen. Doch das Wetter war schlecht, der Eindruck dementsprechend angegraut. Ein paar Wochen später kam Räuker wieder, um Filmaufnahmen für das Erklär-Video zur „Wahlstadt“ zu drehen – und der Eindruck wurde schlagartig ein anderer.

Doch Räuker sagt auch – und das meint er nicht negativ: „Man muss die Kleinstadt schon mögen.“ Unter manchen seiner Kollegen gelte teilweise Hannover als etwas provinziell, gerade im Vergleich zu Hamburg oder Berlin. In Rinteln aber lerne man die Menschen schnell kennen. Und immer wieder begegneten sie ihm, beim Gang über den Marktplatz beispielsweise. Auch sei es hier übersichtlich.

Genau darum soll es gehen beim „Wahlstadt“-Projekt: Eine Kleinstadt wird vorgestellt als Mikrokosmos des bundesweiten Wahlkampfs. Rinteln wurde ausgewählt, da es im besten Sinne „durchschnittlich“ sei, also beispielsweise bei Migrantenanteil oder Arbeitslosenquote ungefähr dem Bundesdurchschnitt entspreche. Die Themen, die im Wahlkampf aktuell sind, sollen anhand von Rintelner Einwohnern und hiesigen Beispielen vorgestellt werden.

Das können alle mögliche Themen sein: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ökologische Landwirtschaft, Integration, Familienleben, Immobilienpreise, Arbeitslosigkeit. Dazu benötigt der Sender natürlich Menschen, die vor der Kamera darüber sprechen wollen. Für Anfragen und Anregungen hat der Sender eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet, wahlstadt@rtl.de.

Darüber hätten sich schon viele Einwohner gemeldet: Ärzte, Landwirte, Alleinerziehende. Doch einige Themen seien noch schwierig, erzählt Räuker: Einblicke ins „normale“ Familienleben oder ins Leben geringfügig Beschäftigter. Er versteht, dass es eventuell schwierig sein kann, vor der Kamera darüber zu sprechen.

„Aber in manche Probleme ist man ja ohne eigene Schuld hineingeraten“, sagt Räuker. Ihm gehe es darum, „Geschichten nah am Menschen zu erzählen“ und dadurch Probleme im Land aufzuzeigen.

Dass RTL mit seinem sonstigen Programm nicht jedem gefällt, macht diesem Gesuch schon zu schaffen. Da werde etwa befürchtet, dass Schicksale ausgeschlachtet oder falsch dargestellt würden. Räuker weist darauf hin, dass die „Wahlstadt“-Berichte nur in den Nachrichtensendungen laufen würden, also beispielsweise bei RTL aktuell oder im „Nachtjournal“.

Bei welchem Stand ist das „Wahlstadt“-Projekt derzeit? Seit dem Auftakt Anfang Juni sei noch kein weiterer Bericht im Fernsehen gelaufen, sagt Räuker. Losgehen soll es nach der Sommerpause, Anfang August. Derzeit würden Themen und die sogenannten Protagonisten – also diejenigen, die persönlichen etwas vor der Kamera erzählen – gesammelt.

„Noch haben die Menschen kein Wahlkampf-Gefühl“, erzählt Räuker. Zwar hätten schon alle Parteien ihre Programme vorgestellt, doch ansonsten finde der Wahlkampf im Alltag der Menschen noch nicht statt. Andere Themen wie das nächste Schuljahr oder der Sommerurlaub seien derzeit gefühlt näher. Räuker vermutet, dass sich das spätestens ändern werde, sobald die Wahlplakate überall sichtbar hängen würden und der Straßenwahlkampf beginne.

Räuker spricht von weiteren Vorhaben: Der Sender will Berliner Politiker in die Weserstadt holen, um aktuelle Themen mit Bürgern zu diskutieren. Außerdem soll es Public Viewings in der Stadt geben, beispielsweise am 3. September, zur „Elefantenrunde“, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz aufeinandertreffen, und zum Wahltag selber. Auch im August soll es zwei Public Viewings geben, wenn RTL in Berlin sogenannte „Town Hall Meetings“ veranstaltet, wo einmal Schulz und einmal Merkel sich den Fragen von Wählern stellen.

Doch es soll nicht nur um die großen Politiker gehen, auch junge Erstwähler sollen begleitet werden; so beispielsweise eine Deutschklasse der Berufsbildenden Schulen sowie ein Politik-Kurs des Gymnasiums Ernestinum.

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