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Debüt am 26. Mai im Brückentorsaal

Rintelner Piergiulio Ruhe (22) steigt zum Profiboxer auf

RINTELN. Rechter Haken, Deckung, schnelle Links-rechts-Kombination, K.-o.-Schlag. So in etwa könnte der Matchplan von Piergiulio Ruhe am 26. Mai aussehen. Der 22-Jährige aus Steinbergen wird an jenem Tag sein Debüt als Profiboxer in der Mittelgewichtsklasse feiern.

veröffentlicht am 22.03.2018 um 17:08 Uhr
aktualisiert am 23.03.2018 um 10:23 Uhr

Ready, steady, go! Am 26. Mai kämpft der Rintelner Profiboxer Pierguilio Ruhe im Brückentorsaal. Karten gibt es an insgesamt vier Vorverkaufsstellen. Foto: nk

Autor:

Niklas Könner

20 Kämpfe in der lokalen Amateurliga, davon 14 Siege, sechs sogar nach K.o., stehen bereits auf seiner Vita verbucht. Jetzt ist Ruhe bereit für die Liga der ganz Großen und betritt die Profibühne des Boxsports. „Das ist etwas ganz Besonderes für mich“, sagt der 1,78 Meter große Deutsch-Italiener. Natürlich sei der Druck an diesem Abend immens hoch, doch „eine Niederlage ist schlicht nicht drin“, zeigt er sich selbstbewusst.

Genau dieser „Ehrgeiz mit viel Biss“ zeichne ihn aus, benennt Ruhes langjähriger Trainer und Promoter Robert Gaub die große Stärke seines jungen Schützlings. Dabei ist Ruhe ein Spätstarter in seiner Branche, der durch Talent und Fleiß eine hervorragende Entwicklung genommen hat. Erstmals im Alter von 17 Jahren zog er die Boxhandschuhe an. Vorher habe er lange Zeit hobbymäßig Fußball gespielt; Interesse am Boxen habe er aufgrund der „unbezahlbaren Atmosphäre dort“ aber schon damals gehabt. Doch erst sein Kumpel Mikael Mkyritchan habe ihn endgültig „in Richtung Boxen gelenkt“, erzählt Ruhe über seine Anfänge. Mkyritchan habe ihm den nötigen Ehrgeiz verpasst und sei bis heute ein Vorbild, von dem „ich mir viel abgeguckt habe“. Auf der Suche nach professioneller Förderung ist er schließlich im Internet auf das „Energy-Gym“ in Hameln gestoßen, wo er „auf Anhieb“ mit seinem neuen Trainer sehr gut ausgekommen sei. Über die Jahre sei zwischen Coach und Sportler eine „große Freundschaft gewachsen“, wie Gaub sagt.

Für den Werdegang zum Profisportler bedurfte es allerdings weitaus mehr als einer harmonischen Beziehung zum Trainer. Die elementare Zutat des Erfolgsrezepts hieß knallhartes Training. Siebenmal pro Woche, in der Vorbereitung bis zu zwei Einheiten am Tag, arbeitet Ruhe je zwei Stunden lang am perfekten Kampf. Aufgrund der vielfältigen physischen Anforderungen gilt es für ihn, mehrere Komponenten wie Kraft, Kondition und Technik durch gezielte Übungen zu vereinen. „Das Training ist unglaublich hart. Einige Male war ich wirklich kurz davor, nach Hause zu gehen“, sagt er rückblickend.

„Du musst immer 200 Prozent geben“: Trainer Robert Gaub (li.) weiß, wo’s für Piergiulio Ruhe langgeht. Foto: nk
  • „Du musst immer 200 Prozent geben“: Trainer Robert Gaub (li.) weiß, wo’s für Piergiulio Ruhe langgeht. Foto: nk

Dass Aufgeben nie eine Option ist, lehrte ihn sein Förderer: „Getreu dem Motto ‚Train hard – fight easy‘ musst du in jeder Einheit 200 Prozent geben, um besser zu werden. Überdies benötigst du diesen inneren Instinkt, den Piergiulio in sich trägt“, erläutert Gaub den Schlüssel zum Erfolg. Trotz enormen Eigenantriebs müsse ihn sein Trainer dennoch „ab und an in den Hintern treten“, gibt Ruhe zu. „Als Motivator ist er schlichtweg unersetzlich.“

Auch seine Familie ist eine tragende Säule seiner Gewinnermentalität. Zusammen mit seiner Freundin und den Kumpels sei es die Familie, die ihm den Rücken stärkt und nach Niederlagen neu aufbaut. In den Anfangszeiten sah dies ganz anders aus. „Meine Familie hatte Angst um meine Gesundheit, sodass ich manchmal heimlich zum Training fahren musste“, schildert er die komplizierte Situation. Am Ende habe er sich aber mit seinem „Dickkopf durchgesetzt“. Seine Familie teile deshalb mittlerweile seine Leidenschaft.

Sein unbändiger Wille und die Trainingsdisziplin ermöglichen dem 72 Kilo schweren Ruhe nun die Erfüllung seines Traums von einem Profivertrag. Damit der eigene Name auch in der Verbandsliste der „German Boxing Association“ (GBA) auftauchen kann, ist neben der Lizenz eine Sporttauglichkeitsprüfung sowie ein ärztliches Attest notwendig. Der Verband müsse die Tauglichkeit einschätzen, bevor ein Kampf organisiert wird, erklärt Gaub die Mechanismen. Erst dann wähle der Verband einen Gegner aus, der „auf dem gleichen Level sein muss“. Von dem Zeitpunkt an gebe es kein Zurück mehr in die Amateurliga.

Auf der Karriereleiter will Ruhe sowieso lieber nach oben klettern. „Natürlich ist das Ziel, irgendwann bei internationalen Kämpfen anzutreten“, sagt Ruhe, der trotz seines Senkrechtstarts bodenständig geblieben ist. Denn dass in dem Geschäft ein steiler Aufstieg einen ebenso rasanten Abstieg bedeuten kann, ist ihm bewusst. Unabhängig vom Erfolg wolle er daher „niemals abheben und stets auf dem Teppich bleiben“. Sein Trainer pflichtet ihm bei: „Es geht hier nicht um das schnelle Geld oder einen frühen Titel. Piergiulio kämpft aus Leidenschaft und Stolz, alles andere würde dieses junge Talent nur verheizen.“

Ebenso spielt Loyalität bei Ruhes Charakter eine prägende Rolle. Egal, wie weit es ihn in der Welt der fliegenden Fäuste tragen werde, „präsentiere ich mich immer als Rintelner und kämpfe für meine Heimatstadt“, verdeutlicht er seine Einstellung. Diese war auch der Grund dafür, dass Ruhe seinen Premierenkampf unbedingt im Brückentorsaal austragen will. „Da gab es gar keine Alternative“, versichert er und hofft auf „viel Unterstützung“ seitens der Rintelner.

Nähere Informationen zum Programm des Box-Abends und zum Kartenvorverkauf folgen bald.

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