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Ermittler setzen auf Prävention

Rintelns Polizei sagt Einbrechern den Kampf an

RINTELN. Die Polizei hat Einbrechern den Kampf angesagt und ein Präventionsprogramm gestartet. „Wir wollen die Bürger sensibilisieren und ihnen vor Augen führen, wie schnell man selbst zum Einbruchsopfer werden kann“, sagt die Leiterin des Kriminal- und Ermittlungsdienstes in Rinteln, Hauptkommissarin Daniela Kempa.

veröffentlicht am 11.10.2017 um 17:45 Uhr
aktualisiert am 11.10.2017 um 22:25 Uhr

Auf Präventionsstreife: Die Kommissarinnen Maria Miechowski und Bianka Rekemeier halten in der Straße „Die Drift“ Ausschau nach Sicherheitslücken an Häusern und Grundstücken. Foto: leo
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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
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RINTELN. Die einen haben nur einen kleinen Schraubendreher dabei, die anderen benutzen einen „Kuhfuß“, also ein Brecheisen. Wenn sie um die Ecke schleichen, ist es nicht selten noch hell. Und: Die Diebe wissen genau, wo etwas zu holen ist und wo nicht. Sie sehen an übervollen Briefkästen, heruntergelassenen Jalousien oder am Licht, das in der Dämmerung immer zur selben Zeit angeht, ob jemand zu Hause oder im Urlaub ist. Zwischen zehn und fünfzehn Sekunden braucht ein Profi, um ein einfaches Fenster aufzuhebeln.

Doch man kann Einbrechern das Leben schwer machen: 44 Prozent aller Einbruchsversuche scheitern an Sicherungsmaßnahmen. Die heimische Polizei hat Einbrechern den Kampf angesagt und jetzt zur „dunklen Jahreszeit“ ein Präventionsprogramm gestartet. „Wir wollen die Bürger sensibilisieren und ihnen vor Augen führen, wie schnell man selbst zum Einbruchsopfer werden kann“, sagt die Leiterin des Kriminal- und Ermittlungsdienstes in Rinteln, Hauptkommissarin Daniela Kempa. Aus diesem Grund hängen die Beamten derzeit in den Innenstädten Banner mit der Aufschrift „Fenster auf Kipp? – Sichern Sie Ihr Zuhause.“ auf. „Damit wollen wir die Bürger dazu bringen, sich mehr Gedanken darüber zu machen, wie man es Einbrechern schwerer machen kann, wenn man das Haus verlässt“, erklärt Kempa. Die Banner wurden von der Opferschutz-Organisation „Weißer Ring“ in Kooperation mit der Polizei finanziert, sagt die Leiterin der Schaumburger Außenstelle des Weißen Rings, Anke Heldt. Vier solche Banner werden in Rinteln aufgehängt, ein weiteres in Rehren.

Zusätzlich würden bis März, verstärkt Präventionsstreifen durchgeführt, so Kempa. Das heißt: Die Beamten der sogenannten Tageswohnungseinbruch-Streifen, zeigen an neuralgischen Punkten Präsenz und achten auf Sicherheitslücken bei Wohnhäusern. Fällt den Polizisten etwas auf, versuchen sie, die Bewohner der gefährdeten Objekte auf Schwachstellen aufmerksam zu machen. Dabei geht es oftmals um offenstehende Fenster oder Balkontüren. In solchen Fällen haben Einbrecher ein leichtes Spiel.

Polizeihauptkommissarin Daniela Kempa, Thorsten Druffel von der Polizei Rinteln und Außenstellenleiterin Anke Heldt vom „Weißen Ring“ hängen ein großes Transparent auf. Foto: leo
  • Polizeihauptkommissarin Daniela Kempa, Thorsten Druffel von der Polizei Rinteln und Außenstellenleiterin Anke Heldt vom „Weißen Ring“ hängen ein großes Transparent auf. Foto: leo

Die Streifenbeamten hinterlassen auch Formulare mit Tipps zum Schutz gegen Einbruch. Die Polizei rät in diesem Zusammenhang auch zu Zeitschaltuhren, aber mit Zufallsgenerator. „Die Geräte machen wirklich Sinn“, weiß Daniela Kempa. Die Polizei appelliere an die Bürger, „nicht einfach nur die Tür hinter sich zu schließen, sondern auch aufzupassen, dass alle Fenster und Garagentore zu sind“, sagt Kempa.

Trotz allem sei der „wachsame Nachbar“ sehr wichtig. Wer ungewöhnliche Beobachtungen gemacht hat, sollte diese sofort der Polizei melden. „Lieber ruft uns jemand einmal zu viel an, als einmal zu wenig“, meint Daniela Kempa. „Wir sind für jeden Hinweis dankbar, schließlich können wir nicht überall gleichzeitig sein.“

Die Aufklärungsquote bei Einbruchsdelikten ist mau – sie lag landesweit im vergangenen Jahr bei gerade mal 16,9 Prozent. In Rinteln wurden 55 Einbrüche gemeldet. Die Aufklärungsquote der Polizei Rinteln: 20 Prozent.

Einbrecher haben es in der Regel auf Geld und Gold abgesehen. Warum? Ganz einfach: Bares lässt sich nicht zurückverfolgen, Schmuck gut „versilbern“. Statistisch gesehen wird alle dreieinhalb Minuten in Deutschland eingebrochen. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 150 000 Taten registriert. Tendenz: rückläufig. Der durchschnittliche Schaden liegt bei 3250 Euro. 2016 ersetzten die Hausratversicherungen Schäden in Höhe von 470 Millionen Euro.

Im Jahr 2016 wurden in Niedersachsen weniger Einbrüche gezählt (leichter Rückgang um 170 auf 16 405 Fälle). „Das freut mich, weil ich mich immer wieder dafür einsetze, die Einbruchsprävention in den öffentlichen Fokus zu rücken“, sagte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius bereits im Februar. „Ziel muss es vor allem sein, Einbrüche schon im Vorhinein zu verhindern. Wir werden da am Ball bleiben und die Bekämpfung von Wohnungseinbruchdiebstählen weiterhin als einen Schwerpunkt auf unserer Agenda haben.“ Pistorius weiß, dass eine solche Tat die Opfer oftmals noch lange beeindruckt und beschäftigt. Manche leiden unter Ängsten, sind sogar traumatisiert.

Im direkten Vergleich zu anderen Städten wohne man in Rinteln sehr sicher, sagt Polizeihauptkommissarin Kempa. Bei den Einbruchszahlen habe die Rintelner Polizei keine Anstiege verzeichnet. „Im Gegenteil: Wir verzeichnen abnehmende Zahlen“, sagt die Leiterin des Kriminal- und Ermittlungsdienstes.

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