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Gefährliche Kaninchenerkrankung RHD II stellt dank Impfstoff keine große Gefahr mehr dar

Risiko ist eingedämmt

Kaninchenzüchter können aufatmen, denn gegen RHD II gibt es einen Impfstoff. Wohl deshalb habe es am Wochenende in der Liethhalle so viele Tiere zu sehen.

veröffentlicht am 22.10.2017 um 16:44 Uhr
aktualisiert am 22.10.2017 um 17:20 Uhr

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Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. 473 Ausstellungstiere, mit dieser beachtlichen Hausnummer konnte die diesjährige Schaumburger Rassekaninchenschau aufwarten. Zum 27. Mal hatte der Kaninchenzuchtverein F581 zu diesem Mekka der Rassekaninchenzucht geladen, und neben den heimischen Vereinen waren wieder Züchter aus ganz Norddeutschland dem Ruf gefolgt. Zusätzlich hatten sich wieder die Aussteller des Helle Großsilberclubs, des Kleinsilber und Deutsche Großsilber Clubs sowie der Riesenclub Gruppe Weserbergland aus dem Landesverband Hannover eingefunden – ein hoffnungsvolles Zeichen in Zeiten, in denen die meisten Kleintierzuchtvereine mit enormen Nachwuchs- und Überalterungsproblemen zu kämpfen haben und oftmals nicht wissen, wie sie ihre Veranstaltungen überhaupt noch gestemmt bekommen.

Ein maßgeblicher Faktor für den anhaltenden Erfolg der Schaumburger Schau dürfte die Liethhalle sein, die von den meisten Rednern bei der Eröffnung erneut als nahezu einzigartiger Ausstellungsort für Veranstaltungen wie die Rassekaninchenschau oder die eine Woche zuvor stattgefundene Rassegeflügelschau gepriesen wurde.

Dass aber gerade in diesem Jahr die Zahl der Ausstellungstiere um beinahe einhundert nach oben schnellte, könnte auch damit zusammenhängen, dass die vor Jahresfrist noch so gefürchtete Kanincheninfektion RHD II inzwischen ihren größten Schrecken verloren hat.

Im vergangenen Jahr hatte die neue und ungemein aggressive Virusvariante der seit den 80er-Jahren bekannten Krankheit unter Züchtern für erhebliche Unruhe gesorgt. Zahlreiche Medien berichteten von Ansteckungsfällen und verendeten Tieren, unter anderem von einer Freiluft-Kaninchenschau auf dem Hessentag in Rüsselsheim. Nicht nur Rassezüchter und Besitzer großer Bestände waren betroffen, sondern auch viele Hobbyhalter.

Von einer „akuten Bedrohung aller Bestände“ sprach der Zentralverband Deutscher Rassekaninchenzüchter (ZDRK) in einer Pressemitteilung aus dem Herbst 2016. Auch hierzulande griff die Angst unter Kaninchenhaltern und Züchtern um sich, so sehr, dass beispielsweise die Mitglieder des Kaninchenzuchtvereins F56 Bückeburg sogar auf ihre traditionelle Tischbewertung im August 2016 verzichteten.

Er könne diese Sorgen nur zu gut verstehen, erklärte Torsten Mark, Vorsitzender des F581 und stellvertretender Ausstellungsleiter jetzt. „Wir in Schaumburg waren zwar glücklicherweise selbst nicht betroffen, aber bereits im Landkreis Nienburg hat es schwere Verluste gegeben.“ Seit einigen Monaten können Züchter, Halter und Langohren wieder aufatmen: Zwar ist die Gefahr noch lange nicht gebannt, da es in freier Wildbahn immer noch infizierte Tiere gibt, doch ist inzwischen ein wirksamer und von allen Verbände auch offiziell anerkannter Impfstoff verfügbar. Zwar ist der aus Frankreich stammende Impfstoff vergleichsweise teuer, doch geimpfte Tiere gelten als geschützt und dürfen daher mit entsprechendem Impfnachweis an Ausstellungen teilnehmen.

Unabhängig davon wird auch Hobbyhaltern, deren Tiere niemals mit anderen Kaninchen in Kontakt kommen, die Impfung weiterhin dringend empfohlen. Denn das RHD-II-Virus überträgt sich nicht nur von Tier zu Tier, sondern auch über infiziertes Futter, Stechinsekten und kontaminierte Gegenstände. Da es witterungsunempfindlich ist und selbst unter der Erde mehrere Monate lang überdauern kann, können sogar abgepacktes Futter oder Gemüse aus dem Supermarkt das Virus enthalten.

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