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„7. Schaumburger Plattform“ der Gesellschaft für Sicherheitspolitik

Rolle der Medien im Fokus

BÜCKEBURG. Medien und Sicherheit ist das Thema der „7. Schaumburger Plattform“ gewesen, zu der die Gesellschaft für Sicherheitspolitik ins Hubschraubermuseum eingeladen hat. „Ziel ist, zu hinterfragen, ob wir noch Vertrauen in die Berichterstattung setzen dürfen“, so Klaus Suchland, Leiter der Sektion.

veröffentlicht am 05.11.2017 um 16:37 Uhr
aktualisiert am 05.11.2017 um 23:20 Uhr

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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. „Medien und Sicherheit ist das Thema der „7. Schaumburger Plattform“ gewesen, zu der die Sektion Minden der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) in das Hubschraubermuseum Bückeburg eingeladen hat.

„Ziel ist zu hinterfragen, ob wir noch Vertrauen in die Berichterstattung der Medien setzen dürfen und ob wir noch Sicherheit darin haben, dass das zutrifft, was uns zur Kenntnis gebracht wird“, erklärte Klaus Suchland, der Leiter der Sektion. Denn es sei unbestritten, dass die Medien Einfluss auf die politische Willensbildung ausüben und dass selbst in gefestigten Demokratien – siehe aktuell die USA – mit absichtlich verfassten Falschmeldungen Stimmung gemacht wird.

An dieser Stelle zitierte Suchland den amerikanischen Schriftsteller Mark Twain (1835–1910), der seinerzeit folgenden Satz gesagt habe: „Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.“ Dies mache – bezogen auf die heutige Zeit – deutlich, dass sowohl bei der Verbreitung als auch bei der Bekämpfung von Falschmeldungen in sozialen Netzwerken die Geschwindigkeit die entscheidende Rolle spiele, befand der GSP-Sektionsleiter.

„Es ist weiterhin unbestritten, dass wir eine unabhängige, unparteiische und tatsachenbasierte Berichterstattung brauchen und wohl auch überwiegend haben“, sagte Suchland. Dennoch sei diese in den vergangenen Jahrzehnten durch zahlreiche Faktoren in den Ruf geraten, manipuliert zu werden. So etwa durch gezielte Falschmeldungen aus dem Ausland, durch politische und wirtschaftliche Einflussnahmen, durch Begrenzung der Pressefreiheit, durch begrenzte finanzielle Ressourcen oder/und auch durch handwerkliche Fehler. Sei es aufgrund mangelhafter Recherche, oberflächlicher und mit „heißer Nadel“ gestrickter Berichte sowie durch „Schlagzeilen, die sich dem Inhalt nicht mehr verpflichtet fühlen“. Auch die Grenze zwischen Nachricht und Kommentierung verschwinde mitunter.

Im Anschluss an Suchlands einleitende Worte gaben drei „Bürger“ Statements dazu ab, was sie selbst von den Medien erwarten. Ein paar Auszüge:

Marja-Liisa Völlers (Lehrerin, SPD-Bundestagskandidatin 2017) meinte, dass eine wichtige Aufgabe der Presse darin liegt, die „offensichtlichen Lügen“ in sogenannten Fake-News zu demaskieren und zu relativieren. Leider sei mittlerweile jedoch ein großer Teil der Bevölkerung vom Qualitätsjournalismus abgekoppelt, indem sich jene Leute Informationen nur noch aus „dubiosen Foren“ und sozialen Netzwerken holen. Daher müsse man vor allem jungen Menschen den Umgang mit Informationen und Medien zeigen, denn nur wer weiß, was glaubwürdige Quellen sind und was nicht, der werde zu einem mündigen Bürger.

„Die Medien begreifen sich als vierte Gewalt im Staate“, sagte Dr. Klaus-Henning Lemme (Vorsitzender der Schaumburger Landschaft, Staatssekretär a. D.). „Und sie werden im Großen und Ganzen diesem Anspruch auch gerecht.“

Mitunter gebe es jedoch eine „eklatante Verquickung zwischen Berichterstattung und Kommentierung“, da die Presse spannender werden müsse, monierte er. Gerade die lokale Presse stehe unter einem großen wirtschaftlichen Druck, ihre Leser bei Laune zu halten. Dies nicht zuletzt dergestalt, indem Lokalzeitungen mit ihrer Berichterstattung Bürgerinitiativen unterstützen, da deren Mitglieder ja auch Leser seien. Da die Presse aber die vierte Gewalt im Staate sein wolle, sei diese verpflichtet, das Gemeinwohl mehr im Blick zu haben.

Weiter äußerte Lemme die Sorge, ob es bei politischen Themen nicht auch eine Hofberichterstattung gebe beziehungsweise dass Medien sich scheuen, über bestimmte Dinge kritisch zu berichten.

Es gebe einen dramatischen Wandel in den Medien, indem die Menschen in soziale Medien wie Facebook und zu YouTube abwandern, um sich zu informieren, resümierte Jürgen Hockemeier (pensionierter Gymnasiallehrer, Beisitzer im GSP-Vorstand). Und dies wiederum habe die Diskussionskultur und den Wahrheitsgehalt geteilter Informationen („Fake-News“) dramatisch verändert.

Vor diesem Hintergrund plädierte er für den Erhalt der öffentlich-rechtlichen Medien, die man nicht „auf dem Altar der Privaten“ opfern dürfe. Dabei erwarte er von den klassischen Medien (Presse, Fernsehen, Rundfunk) eine gute Recherche, eine authentische Beschreibung der Sachverhalte und natürlich investigativen Journalismus. Aber es gehöre auch noch mehr Nachdenklichkeit und kritische Selbstüberprüfung dazu.

Weitere Themen waren die „Wechselbeziehungen zwischen Medien, Politik und Wirtschaft“ (Frank Werner, Chefredakteur ZEIT, Geschichte) und ein von Marieluise Denecke (Redakteurin Print/Online bei der Schaumburger Zeitung/Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung) gehaltener Vortrag über Lokaljournalismus. Moderiert wurde das Programm von Hans-Jürgen Amtage, Geschäftsführender Redakteur des „Pressebüro Amtage“ (Minden).

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