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Kreativ in Klostermauern

Ruhrpott-Künstler kommen seit 20 Jahren nach Möllenbeck

MÖLLENBECK. Könnte es sein, dass es Menschen gibt, die Möllenbeck noch mehr lieben als die Möllenbecker selbst? Wenn ja, müsste man sie in den Reihen vom „XX & X Künstlerverein“ suchen, dessen Mitglieder seit 20 Jahren regelmäßig im Herbst für zehn Tage das Kloster mit ihrem kreativen Treiben beleben.

veröffentlicht am 31.10.2017 um 17:08 Uhr

Engelbert Gaelings liebt die Wandelgänge des Klosters und widmet sich dort seinen Skulpturen. Foto: cm
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Autor

Claudia Masthoff Reporterin
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MÖLLENBECK. „Wir kommen alle aus dem Ruhrgebiet“, erklärt Rüdiger Szymczak, der gerade seine halbe Pflichtstunde als Ansprechpartner für Ausstellungsgäste absolviert. „Und wenn wir bei unserer Anreise über Vlotho das erste Mal die beiden unverwechselbaren Türme sehen, dann wird immer gejubelt.“

Die Zeit gemeinsamen Schaffens in Möllenbeck sei für die Gruppe das Highlight des Jahres. Zeit und Raum für eigene Ideen zur Verfügung zu haben, das wäre schließlich der Traum aller kreativ Schaffender. „Wir sind ein bunter Haufen, in dem sowohl Menschen, die von ihrer Kunst leben, wie auch Hobby-Künstler zu finden sind. In Möllenbeck schauen wir uns gegenseitig über die Schulter, und es gibt Anregungen in Hülle und Fülle. Immer wieder kommt etwas Neues ins Spiel. Dieses Jahr wird zum Beispiel auffällig viel genäht. Oben stehen bestimmt fünf Nähmaschinen, die einzelne Mitglieder mitgebracht haben.“ Kunst müsse wohl irgendwie ansteckend sein, meint Szymczak. Er selbst sei vor zehn Jahren nur als Begleiter seiner malenden Frau mitgereist, habe aber mittlerweile sehr viel Freude am Gestalten von Specksteinskulpturen gefunden. „Da ist der Funke übergesprungen.“ Heute kämen schon Kinder und Kindeskinder von Gründungsmitgliedern mit nach Möllenbeck, die, ebenfalls vom kreativen Virus befallen, bereits bemerkenswerte eigene Akzente im Gesamterscheinungsbild der Gruppe setzen würden.

Traditionsgemäß lässt XX & X im Rahmen einer Ausstellung am Samstag vor der Heimreise auch Interessierte aus Rinteln und Umgebung am Ergebnis des gemeinsamen Schaffens teilhaben. Eine Freude nicht nur für Heimatfreunde: Die Türme, die Fensterbögen oder auch sonstige Details vom klösterlichen Gebäude findet man als deutliches Zeichen der Verbundenheit an allen möglichen, aber auch überraschenden Stellen der hier produzierten Werke. Es gibt sogar ein Memory mit den Steinmetzzeichen an den Klostermauern, akribisch zusammengesucht und fotografiert. Wenn das keine Liebe ist?!

Eine kleine Geschichte am Rande: Die Gäste aus dem Ruhrgebiet, dieses Jahr waren es 40 Personen, versorgen sich im Gruppentrakt des Klosters selbst. Jeder muss einen Tag Küchendienst ableisten und kann dafür neun Tage lang das Rundum-sorglos-Paket als freier Kunstschaffender genießen. „Ihre Lust am Gestalten wird von viele Versorgungscrews allerdings nicht an der Küchentür abgegeben“, lacht Szymczak. „Häufig ist hier Motto-Kochen angesagt. Letztens wurde beispielsweise die Suppenküche für arme, anonyme Künstler inszeniert.“

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