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Marieluise Denecke referiert

Schaumburger Plattform: Vortrag über Lokaljournalismus

BÜCKEBURG. Der digitale Wandel und die damit einhergehenden Veränderungen in der Medienlandschaft stellen auch Lokalzeitungen vor große Herausforderungen. Das berichtete SZ/LZ-Redakteurin Marieluise Denecke bei der von der Gesellschaft für Sicherheitspolitik ausgerichteten „Schaumburger Plattform“.

veröffentlicht am 07.11.2017 um 15:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2017 um 17:00 Uhr

In ihrem Vortrag gab die SZ/LZ-Redakteurin Marieluise Denecke Einblick in den Redaktionsalltag bei einer Lokalzeitung. Foto: wk
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. Der digitale Wandel und die damit einhergehenden Veränderungen in der Medienlandschaft stellen auch alteingesessene Lokalzeitungen vor große Herausforderungen. Das berichtete die Journalistin Marieluise Denecke bei der von der Sektion Minden der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) im Hubschraubermuseum ausgerichteten „Schaumburger Plattform“. Die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung stand diesmal unter dem Motto „Medien und Sicherheit“. Denecke, Redakteurin Print/ Online bei dieser Zeitung, referierte über das Thema „Lokaljournalismus“.

„Der ökonomische Druck ist wahnsinnig groß und die Menschen verhalten sich anders“, erklärte sie. So müsse der Zeitungsjournalismus heute etwa mit den vielen Online-Medien, sozialen Netzwerken wie Facebook und Instant-Messaging-Diensten wie Whatsapp um die Aufmerksamkeit der Leser konkurrieren – und dies vor dem Hintergrund sinkender Abonnentenzahlen und steigender Produktionskosten.

Facebook sei daher auch für die SZ/LZ ein wichtiges Medium geworden. Denn über Facebook erreiche man nicht zuletzt Bevölkerungsgruppen, die nie eine lokale Tageszeitung kaufen würden – und zwar dadurch, indem die Lokalzeitung dort über deren Wohnort berichtet.

Vor allem Polizeimeldungen, Berichte über große Verbrechen, aber auch Katzenbilder kämen bei diesen Usern gut an, verriet die Referentin. Gleichwohl berichte man auf Facebook aber auch über wichtige politische Entscheidungen und andere relevante Themen.

Auf die redaktionelle Arbeit der SZ/LZ hat das soziale Netzwerk Facebook laut Denecke zudem Auswirkungen, als dass viele Facebook-User davon ausgehen, dass die Online-Redakteure der SZ/LZ rund um die Uhr erreichbar seien. Dies zeigten beispielsweise nächtlich eingehende Anfragen von Facebook-Nutzern, die sich etwa danach erkundigen, welcher Arzt gerade Notdienst habe oder was es mit einem von ihnen gehörten lauten „Knall“ auf sich habe.

Kontaktaufnahmen, die zeigen, dass man als in diesem sozialen Netzwerk aktive Lokalzeitung als jemand wahrgenommen werde, der Service bietet. Dazu zähle auch, dass die Redakteure mit ihren persönlichen Facebook-Profilen bei Facebook mitdiskutieren, was innerhalb der Redaktion allerdings „nicht unumstritten“ sei.

Kehrseiten der Facebook-Medaille seien, so die Redakteurin, indes die durch die Veröffentlichungen auf Facebook anfallende Mehrarbeit, zu der unter anderem das Moderieren von User-Kommentaren gehöre (einschließlich Löschen von Posts mit beleidigenden oder volksverhetzenden Inhalten). Außerdem seien nur wenige Facebook-User bereit, für die hinter eine sogenannte „Bezahlschranke“ gestellten Zeitungsberichte Geld zu bezahlen, obwohl für das Lesen eines einzelnen Artikels lediglich 20 Cent verlangt würden.

Trotz zunehmender Bedeutung von Facebook dürften die Stammleser der SZ/LZ – sprich die Abonnenten der Printausgabe – selbstverständlich nicht vergessen werden, betonte Denecke. Entsprechend groß sei daher die berufliche Belastung der Journalisten: „Wir arbeiten schnell, teilweise auch mit einem sehr geringen Personalstamm“, verriet sie. Wenn dabei aber mal ein Fehler passiere, falle seitens der Leser mitunter ebenso schnell das Wort „Lügenpresse“, was für die betroffenen Redaktionsmitarbeiter „sehr anstrengend“ sei.

Eine große Herausforderung sei für die im Lokaljournalismus tätigen Redakteure und freien Mitarbeiter überdies die oftmals große Nähe zu den Personen, über die man in der Zeitung schreibe. Bedeutet: Man kennt sich, duzt sich, ist vielleicht sogar gemeinsam zur Schule gegangen. Dennoch dürfe man sich davon als Journalist aber nicht beeinflussen lassen und müsse bei gegebenem Anlass trotzdem kritisch über jene Person (etwa den Bürgermeister) berichten. Und dann müsse man es eben „aushalten, wenn man den Bürgermeister mal vergrätzt hat“.

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