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Naturschützer unterwegs zur Bestandsaufnahme / Ergebnisse für Vogelwarte auf Helgoland

Schleiereulen-Zählung: 4:0 für den Hausherrn

Auetal. Die Konstruktion ist ebenso einfach wie pfiffig. Ein großer Korken aus Styropor wird mit mehreren Stangen von außen in das Loch gestopft, so können die Tiere aus ihrem Brutkasten nicht mehr wegfliegen. Klaus Otten, Hobby-Ornithologe und Obernkirchener Experte für Schleiereulen, geht gemächlich um die Scheune herum, holt eine Leiter, stellt sie an den Nistkasten, öffnet ihn und packt die erste Eule in eine Leinentasche. Die wird verknotet und abgelegt. Danach greift er sich das nächste Tier. Vier Schleiereulen finden er und Marc Jameson vom Naturschutzbund Auetal auf Gut Nienfeld. Dort hat Bruno Scheel vor Jahrzehnten einen Nistkasten für Schleiereulen aufgehängt. Hausherr Otto von Blomberg war so beeindruckt von Scheels Engagement, dass er selber ein zweiten Kasten bastelte und in der zweiten Scheune aufhängte.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 08:36 Uhr

Von außen wird der Nistkasten verschlossen, dann werden die Tier

Autor:

Frank Westermann

Am Sonntag werden die Tiere gezählt und beringt, die Zählung endet dieses Mal 4:0 für den Nistkasten des Hausherrn. Otten wiegt die Tiere in den Taschen mit einer Federwaage, hinten steht das Gewicht der Tasche geschrieben, das er dann einfach vom Gesamtgewicht abzieht. "Brutto minus Tara ist netto", erklärt er. Gespannt gucken die beiden Blomberg-Kinder zu, wie er mit einer selbstgebauten Zange das Tier beringt. Danach wird alles fein säuberlich in einem Buch notiert und später mit einem speziellen Beringungsprogramm der Vogelwarte Helgoland gemeldet. Zwar sind die Eulen in aller Regel recht standorttreu, doch keineRegel ohne Ausnahme: Otten berichtet von einem Mindener Kollegen, von dem eine von ihm beringte Schleier eule auf den Orkney-Inseln und eine weitere in Morovic (Serbien) identifiziert wurde. Das Nienfelder Mess- und Zähl-Ergebnis, rein wissenschaftlich, sieht dann so aus: Ein Männchen von 320 Gramm und ein Weibchen mit 395 Gramm sowie zwei Jungvögel im Alter von sechs bis sieben Wochen mit einem Gewicht von 380 und 405 Gramm leben in dem Nistkasten. Zusätzlich findet Otten noch sechs Eier: "Hier haben wir bereits eine Zweitbrut, die sogar "geschachtelt" verläuft - die erste Brut ist noch nicht ausgeflogen, wenn schon die nächste Eiablage und Bebrütung erfolgt. Diese "Schachtelbrut" gilt als Zeichen besonders günstiger Nahrungsbedingungen. Nicht so erfreulich ist das Ergebnis in Wiersen. Otten und Jameson finden dort fünf tote Jungvögel in beginnender Mumifizierung. Vermutlich sind sie nach dem Tod eines oder beider Altvögel verhungert. Am gleichen Platz fand Jameson bei seiner letzten Kontrolle bereits einen weiteren aus dem Einflug gefallenen Jungvogel, der an seinen dabei erlittenen Verletzungen starb. In Escher warten sieben "Orgelpfeifen" auf ihre Zählung und Beringung: Das sind Jungvögel, deren Gefieder schön den jeweiligen Altersunterschied erkennen lässt. Ihr Alter ist zwischen fünfeinhalb und siebeneinhalb Wochen, datiert Otten mit Kennerblick. Die Gewichte liegen zwischen 380 und 440 Gramm. Im Gegensatz zum Vorjahr sieht es dieses Jahr wieder gut aus bei den Schleiereulen.

400 Gramm schwerer Jungvogel.
  • 400 Gramm schwerer Jungvogel.
Hier wird ein Vogel beringt.
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