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Verdächtiger hatte Blut an seiner Kleidung

Schlug der Täter mit einem Barhocker zu?

HAMELN. Es muss große Wut im Spiel gewesen sein. Warum der Täter dermaßen ausgerastet ist, weiß womöglich nur er selbst. Das, was der 38-Jährige den Vernehmungsbeamten erzählt hat, klingt unglaubwürdig. Mit dieser Aussage können die Mordermittler jedenfalls wenig anfangen. Sie gehen davon aus, dass Täter und Opfer am frühen Sonntagmorgen zwischen 9.45 Uhr und 10.15 Uhr in der Gaststätte „Zur Motte“ an der Hamelner Gertrudenstraße aneinandergeraten sind.

veröffentlicht am 07.08.2017 um 19:18 Uhr
aktualisiert am 07.08.2017 um 19:50 Uhr

„Benny“ nannten die Gästen liebvoll den Barmann Arben S. Er wurde wahrscheinlich mit einem Barhocker erschlagen. Foto ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Nach Informationen der Dewezet ist Arben S. (49) Opfer eines Kapitalverbrechens geworden. Freunde und Bekannten nannten ihn „Benny“. Der Pächter der Gaststätte hatte vor Kurzem ins Ausland reisen müssen – er soll Arben S. gebeten haben, das Lokal vorrübergehend für ihn zu führen. Der 49-Jährige nahm den Aushilfsjob an. Arben S. hatte einen Bruder. Er hieß Ferdinand. Dessen Leiche soll vor einiger Zeit in Hannover gefunden worden sein. Fahnder hatten noch am Sonntag einen 38 Jahre alten Mann vorläufig festgenommen. Er steht im Verdacht, etwas mit dem Tod der Tresenkraft zu tun zu haben.

Es ist anzunehmen, dass die Staatsanwaltschaft Hannover noch heute einen Antrag auf Haftbefehl stellen wird. Das Ergebnis der Obduktion liegt bislang noch nicht vor. Die Ermittler vermuteten, dass massive Gewalteinwirkung gegen den Kopf den Tod des Mannes verursacht hat. Der heftige Streit ist dann eskaliert. Worum es bei der Auseinandersetzung ging, wissen die Polizisten noch nicht. Sie sind dennoch davon überzeugt, den Fall aufgeklärt zu haben. Der Verdächtige war am Tatort. Das hat er selbst eingeräumt. Es hat Streit gegeben. Auch das gibt er zu. Einem Zeugenhinweis ist es zu verdanken, dass der Mann, der zuletzt bei Freunden in Hameln wohnte und derzeit keinen festen Wohnsitz hat, bereits um 11.20 Uhr – 50 Minuten nach dem Notruf – in der Hamelner Südstadt vorläufig festgenommen werden konnte. Nach Informationen der Dewezet war seine Kleidung blutverschmiert.

Es gibt offenbar genug Beweise und Indizien, die gegen ihn sprechen. Die Staatsanwaltschaft Hannover bejaht einen dringenden Tatverdacht – sie hat einen Haftbefehl beantragt. Am Montagnachmittag wurde der 38-Jährige einem Untersuchungsrichter in Hannover vorgeführt. Er ordnete Untersuchungshaft an. Gerichtsmediziner des Rechtsmedizinischen Instituts der Hochschule Hannover hatten wenige Stunden zuvor den Leichnam untersucht. Todesursache ist laut Obduktionsbericht „massive stumpfe Gewalteinwirkung gegen Kopf und Hals.“ Das Opfer ist also vermutlich erschlagen worden. Zur Tatwaffe machen die Mordermittler keine Angaben. Kriminaltechniker haben einen Barhocker und einen großen Feuerlöscher sichergestellt. Möglich, dass der Täter damit zugeschlagen hat.

Wurde der 49-Jährige mit diesem Hocker getötet? Ermittler sichern Beweise. Foto: leo
  • Wurde der 49-Jährige mit diesem Hocker getötet? Ermittler sichern Beweise. Foto: leo
Polizei ermittelt in der Kneipe „Zur Motte“. Foto: ube
  • Polizei ermittelt in der Kneipe „Zur Motte“. Foto: ube
Hinter diesem Tresen lag der Tote. Kriminaltechniker und Polizisten haben ihre Spurensuche in der Kneipe beendet. Foto: ube
  • Hinter diesem Tresen lag der Tote. Kriminaltechniker und Polizisten haben ihre Spurensuche in der Kneipe beendet. Foto: ube
Polizeioberkommissar Jens Petersen versiegelt die Tür. Vorerst bleibt der Tatort geschlossen. Foto: ube
  • Polizeioberkommissar Jens Petersen versiegelt die Tür. Vorerst bleibt der Tatort geschlossen. Foto: ube
Ein Kriminaltechniker bringt Beweisstücke in den Tatortwagen. Foto: leo
  • Ein Kriminaltechniker bringt Beweisstücke in den Tatortwagen. Foto: leo
Wurde der 49-Jährige mit diesem Hocker getötet? Ermittler sichern Beweise. Foto: leo
Polizei ermittelt in der Kneipe „Zur Motte“. Foto: ube
Hinter diesem Tresen lag der Tote. Kriminaltechniker und Polizisten haben ihre Spurensuche in der Kneipe beendet. Foto: ube
Polizeioberkommissar Jens Petersen versiegelt die Tür. Vorerst bleibt der Tatort geschlossen. Foto: ube
Ein Kriminaltechniker bringt Beweisstücke in den Tatortwagen. Foto: leo

Dewezet-Informationen zufolge ist der 49 Jahre alte Arben S., den Freunde und Bekannten „Benny“ nannten, Opfer eines Kapitalverbrechens geworden. Bei dem Toten handelt es sich nach Angaben des Ersten Kriminalhauptkommissars Axel Brünger, der das für Mord und Totschlag zuständige 1. Fachkommissariat leitet, um einen seit vielen Jahren in Deutschland lebenden albanischen Staatsbürger. Der Pächter, der erst vor Kurzem eröffneten Gaststätte „Zur Motte“ hatte ins Ausland reisen müssen – er soll Arben S. gebeten haben, das Lokal vorübergehend für ihn zu führen. Der 49-Jährige nahm den Aushilfsjob an. Arben S. hatte einen Bruder. Er hieß Ferdinand S. - seine Leiche soll vor einiger Zeit in Hannover gefunden worden sein.

Seferiye Sahin wohnt in dem Haus, in dem sich die Kneipe befindet. Kurz bevor Arben S. umgebracht wurde, hat sie mit ihm noch ein paar Worte gewechselt. „Ich bin um 3 Uhr mit meinem Hund vor die Tür gegangen“, erzählt sie. Als sie sah, dass Arben S. immer noch hinter der Theke stand, sprach sie ihn an. „Hey, Benny. Willst du nicht bald mal Schluss machen?“ Er habe nur geantwortet: „Ich warte noch eine halbe Stunde. Vielleicht kommt ja noch ein Gast. Bring doch Deinen Hund hoch, komm runter und trink einen.“ Aber Seferiye Sahin hatte keine Lust. Ihr fiel auf, dass es Arben S. offenbar nicht gut ging. „Er hatte viele Schweißperlen auf der Stirn. Ich habe ihm zugerufen ,Mach‘ endlich Feierabend. Du siehst gar nicht gut aus‘“, berichtet die Hamelnerin.

Als Seferiye Sahin um 6 Uhr abermals das Haus verließ, um mit ihrer Chihuahua-Hündin „Shirin“ Gassi zu gehen, bemerkte sie, dass in der „Motte“ immer noch Licht brannte. Das deckt sich mit den Erkenntnissen der Ermittler, die bereits zahlreiche Zeugen befragt haben. In der Gaststätte dürfte bis 6 Uhr Betrieb gewesen sein.

Ein 24-Jähriger, der das Lokal gegen 10.30 Uhr betrat, entdeckte die Leiche – Arben S. lag blutüberströmt hinter dem Tresen.

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