weather-image
19°
Bestechung beim Schießsportverein

Schmiergeld-Prozess um Hamelner Schützenverein: Viereinhalb Jahre Haft

HANNOVER/HAMELN. Im Prozess um das Bestechungssystem des Hamelner Schießsportvereins hat das Landgericht Hannover das Urteil verkündet. Der Hauptangeklagte Vincenzo B. wurde zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Die beiden Nebenangeklagten kamen mit Bewährungsstrafen davon: Roman K. mit einem Jahr und sechs Monaten und Oliver G. mit einem Jahr und drei Monaten.

veröffentlicht am 21.07.2017 um 11:41 Uhr
aktualisiert am 21.07.2017 um 18:50 Uhr

30 Verhandlungstage dauerte der Prozess gegen Vincenzo B. (rechts) und die zwei weiteren Angeklagten vor dem Landgericht Hannover. Foto: fn

Der letzte Verhandlungstag im Sportschützen-Prozess begann mit einer viertelstündigen Verspätung. Einer der Angeklagten erreichte das Landgericht nicht pünktlich. Auswirkungen auf die Urteile hatte die Verzögerung sicherlich nicht. Das Landgericht hat Vincenzo B. wegen Bestechlichkeit zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Die beiden anderen Angeklagten kamen mit Bewährungsstrafen davon: Roman K. mit einem Jahr und sechs Monaten und Oliver G. mit einem Jahr und drei Monaten wegen Beihilfe.

Regungslos und mit gesengtem Kopf nahm der seit 14 Monaten in Untersuchungshaft sitzende B. das Urteil auf. Nach Überzeugung des Landgerichts verkaufte Vincenzo B. zwischen 2013 und 2016 verkaufte der ehemalige Kassenwart der Hobby-Schützen des SSV Hameln 2000 Sachkunde-Nachweise, die für den Erwerb einer behördlichen Waffenbesitzkarte notwendig sind.

Wie Richter Volker Löhr in seiner Urteilsbegründung ausführte, sei B. Dreh- und Angelpunkt des Vereins gewesen. Der einstige Ehrenvorsitzende und Kassenwart habe sich um alles gekümmert, kontaktierte Behörden und Dachverbände. So sehr, dass er als alleiniger Ansprechpartner angesehen wurde. Auch für Neumitglieder – von denen es viele gab. Der Verein wuchs ständig.

Er habe den Waffenanwärtern aus eigenem finanziellen Interesse eine „Rundumbetreuung“ angeboten, Vincenzo B. habe sich für Antragsteller verwendet, die eine Waffenbesitzkarte erwerben wollten. Und das so schnell, wie möglich – und gegen Geld. Pro Fall seien zwischen 690 und 1561 Euro geflossen, so der Vorsitzende Richter. Da seien praktische Prüfungen ziemlich lax behandelt und auch Daten von Mitgliedschaften zurückdatiert worden

In jedem einzelnen Fall gebe es Hinweise, dass nicht alles ordnungsgemäß durchgeführt wurde, hat der Richter keine Zweifel an der Schuld des Angeklagten. Es habe sich ein klares Bild ergeben. „Herr B. ist Täter. Roman K. und Oliver G. Gehilfen. Das das was im Verein nicht in Ordnung war, liegt auf der Hand“, sagte Löhr. Im Beisein von Zeugen sei einmal Geld geflossen. „Spätestens in dem Moment war Herr K. informiert, was passiert“, betonte der Vorsitzende. Durch diese Aktion sei er nicht mehr im Unklaren gewesen, was da abläuft. Blieb die Frage, ob die Ex-Vorstandsmitglieder die Funktion als „Amtsträger“ inne hatten. Eine Frage, die für die Höhe des Strafmaßes von nicht unerheblicher Bedeutung ist. Nach Auffassung des Gerichts ja, da sie eine staatliche Aufgabe übernommen hätten.

Für Vincenzo B. spreche unter anderem die Belastungen in der Untersuchungshaft. Und auch die Tatsache, dass die erhaltenen Bestechungsgelder nicht sehr hoch gewesen seien, meinte Löhr. Bei Roman K. und Oliver G., beide sind nicht vorbestraft, ging das Gericht von einer positiven Sozialprognose aus und setzte deren Strafe zur Bewährung aus. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Innerhalb einer Woche kann Revision eingelegt werden.

„Wenn ich jetzt nicht noch hier in Flur stehen würde, hätte ich es schon gemacht. Es ist sicher, dass wir die Revision bemühen werden und da schlussendlich auch erfolgreich sein werden“, teilte Vincenzo Bs. Verteidiger Roman von Alvensleben noch im Gerichtsgebäude mit.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare