weather-image
24°
Anbindung und Verbindung der Dörfer sollen verbessert werden – sonst sinkt die Lebensqualität

Schulbus, Taxi Mama und Nachbarschaftshilfe

Brünnighausen/Bisperode (ist). Wenn bei Kathrin Pott in Brünnighausen mehr oder weniger täglich um 14, 15 und 24 Uhr das Telefon klingelt, heißt es für die Mutter von vier Kindern: Auto starten, Gas geben und Kinder heimholen. Dann stehen Lotti (12) und Michel (13) nach der Schule auf dem Coppenbrügger Bahnhof vor der Alternative, eine Stunde auf den Anschlussbus zu warten oder 45 Minuten über den Ruhbrink zu Fuß nach Hause zu laufen. Ebenfalls aufgrund schlechter Busverbindung muss sie eine Stunde später Sebastian (17) vom AEG aus Hameln abholen. „Es bleibt keine Zeit für lange Wartezeiten an den Öffihaltestellen, wenn Hausaufgaben gemacht werden müssen und auch noch Zeit für den Fußballverein und die Musikschule sein soll“, sind sich alle einig.

veröffentlicht am 31.08.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2009 um 15:36 Uhr

270_008_4162340_lkcs102_01.jpg

Brünnighausen/Bisperode

(ist). Wenn bei Kathrin Pott in Brünnighausen mehr oder weniger täglich um 14, 15 und 24 Uhr das Telefon klingelt, heißt es für die Mutter von vier Kindern: Auto starten, Gas geben und Kinder heimholen. Dann stehen Lotti (12) und Michel (13) nach der Schule auf dem Coppenbrügger Bahnhof vor der Alternative, eine Stunde auf den Anschlussbus zu warten oder 45 Minuten über den Ruhbrink zu Fuß nach Hause zu laufen. Ebenfalls aufgrund schlechter Busverbindung muss sie eine Stunde später Sebastian (17) vom AEG aus Hameln abholen. „Es bleibt keine Zeit für lange Wartezeiten an den Öffihaltestellen, wenn Hausaufgaben gemacht werden müssen und auch noch Zeit für den Fußballverein und die Musikschule sein soll“, sind sich alle einig. Wobei Mutter natürlich ebenso zum Kicken nach Bisperode chauffieren muss, wie sie nachts den Ältesten vom Job aus Salzhemmendorf abholt, wo er sich seinen Führerschein verdient. „Ich jage täglich 100 Kilometter über die Kreisstraßen, mache irgendwie zwischendurch Essen, Wäsche, Haushalt“, sagt die alleinerziehende Mutter: „Ich schaffe das nicht mehr.“ Seit April des Jahres steht das Haus nun zum Verkauf…

Arztbesuche der Coppenbrügger Fleckenbewohner, ist man auf Öffis angewiesen, werden aufgrund spärlicher Verbindungen „über den Berg“ vielfach zum Tagesausflug, so Ergotherapeutin Cordula Tolkmitt aus Bisperode – man unterstütze sich so gut es geht durch motorisierte Nachbarschaftshilfe, weiß Ralf Semke, Vorsitzender des Heimatbundes Bisperode. Aber: Shoppinggelegenheit bis 20 Uhr in der Hamelner City nutzt Harderodern nicht wirklich, wenn der letzte Bus um 18 Uhr fährt.

Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr seien dringend nötig, so die einhellige Meinung auch in der jüngsten gemeinsamen Ortsratssitzung der Ortschaften Brünnighausen und Bisperode im Gasthaus „Zur Sonne“ in Bisperode. Ohne bessere Anbindung und Verbindung aller Dörfer untereinander – für beispielsweise ältere Mitbürger bei Arztbesuch und Einkauf oder Jugendliche bei interörtlicher Kommunikation und Freizeitgestaltung – sinken Lebensqualität und Attraktivität für Alt und Jung. Die Folge: demografischer Kollaps aufgrund mangelnder Mobilitätsgelegenheit an verlassenen, weil spärlich angefahrenen Haltestellen meldet sich an.

Die Öffis vom Nahverkehr Hameln-Pyrmont haben reagiert: Mit einer repräsentativen Umfrage zum Mobilitätsverhalten der Bevölkerung im Raum Bisperode, so Öffi-Vertreter Carsten Busse aus Hameln. Dabei seien nicht subjektive Empfindungen und Wünsche, sondern konkrete Ziele, Richtungen und Zeiten abgefragt worden. Ergebnis: Als beliebtester und am stärksten frequentierter Nahverkehrskorridor im Flecken definiere sich die Achse Hameln, Afferde, Diedersen, Bisperode, Bessingen, Behrensen, Coppenbrügge und im weiteren Verlauf Marienau und Salzhemmendorf. Sehr Bisperode-lastig sei daher bei der Erstellung des neuen Fahrplans zum 1. August agiert worden. Die Buslinie 50 versorgt diese Achse des stärksten Verkehrsaufkommens. „Da kann man guten Gewissens den ganzen Tag über mit großen Fahrzeugen im Taktverkehr fahren“, so Busse. Doch das soll nicht alles gewesen sein. Was noch fehlt, sei der Unterbau, die Ortschaften, die abseits der Hauptachse des öffentlichen Personennahverkehrs liegen, wie Harderode und Brünnighausen. Da gelte es aufzuwerten. „Hier brauchen wir die richtige Mischung von Nahverkehrsprodukten unterhalb des klassischen 50-Sitzers für mehr Flexibilität und Bedarfsverkehr bei geringer Nachfrage“ so Busse. Entsprechende Planungen seien in Arbeit und sollen mit dem nächsten Fahrplanwechsel im Vollbetrieb auf der Straße perfekt sein. Bis dahin werde ab Herbst ein Testbetrieb gefahren, der auch das Krankenhaus Lindenbrunn in das Netz einbinden wird.

„Grundsätzliches Problem“, so Busse, „sind zu wenige Fahrgäste in abseitiger Wohnlage, noch dazu bei Orientierung auf mehrere Richtungen. Das reicht nicht für ein umfassendes Fahrplanangebot.“ Davon könne eine Verkehrsgesellschaft nicht leben, wenn mit öffentlichen Geldern sparsam umgegangen werden soll.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare