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Wenn junge Erwachsene selber zu Veranstaltern werden

Selber machen

RINTELN. Das Great Spirit Festival im Steinzeichen, zweimal Open Air Festival im Weserangerbad, Doktorsee in Flammen, Partyboot auf der Weser: Wenn man zurückblickt auf das Jahr und sieht, welche Musik-Events es für junge Erwachsene in Rinteln gab, fällt die Bilanz nicht schlecht aus.

veröffentlicht am 10.11.2017 um 17:20 Uhr
aktualisiert am 13.11.2017 um 17:52 Uhr

Allmählich gibt es mehr Events für junge Erwachsene in Rinteln, wie etwa in diesem Jahr. Foto: Archiv
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite

RINTELN. Das findet auch Arne Rörtgen, 24, Rintelner und einer der Köpfe des Musik-Kollektivs „Wesertekk“, das seit 2013 regelmäßig Events für Fans elektronischer Musik in der Weserstadt veranstaltet.

Wesertekk entwickelte sich aus einem Freundeskreis heraus. „Eigentlich waren es Geburtstagspartys, die irgendwann so groß wurden, dass wir sie offiziell anmelden mussten“, erklärt Rörtgen lachend. Das rund 20-köpfige Kollektiv hat sich zum Ziel gemacht, Events für elektronische Musik in Rinteln zu etablieren. Keiner der Mitglieder ist älter als 25.

Dass die Mehrheit der Jugendlichen nicht unbedingt auf Elektroevents in der Weserstadt gewartet hat, ist Rörtgen bewusst: „Wir sind eine extreme Nische.“ Wie kommt man also auf die Idee, so etwas auf die Beine zu stellen?

„Die Schule ist da wichtig“, sagt Rörtgen – das Ernestinum etwa biete viel in Richtung Kultur, Bands und Theater zum Beispiel. Er selber spielte hier früher in Bands; vielleicht wurde seine Liebe zur Musik so gefördert. „Man merkt außerdem, dass man selber etwas machen kann“, erzählt Rörtgen.

Für Wesertekk war das Ziel klar: elektronische Musik zu fördern. Und die Jungen in die Kleinstadt zu holen.

Keine leichte Aufgabe: Jugendszenen gibt es kaum in Rinteln. „Zwischen 16 und 18 fühlt man sich hier etwas verloren“, weiß Rörtgen. Bei Großveranstaltung falle außerdem die Lücke auf: Es gibt die, die unter 18 sind, und dann geht es ab 35 Jahren wieder los. Viele ziehen nach der Schule weg, und die Hoffnung ist natürlich, dass sie wiederkommen, aber: „Viele kommen nicht wieder.“ Statistisch gesehen machen die 15- bis 24-Jährigen laut aktueller Einwohnerstatistik den kleinsten Teil der Rintelner Bevölkerung aus: 10,58 Prozent.

Als Veranstalter will Wesertekk genau an diesem Punkt ansetzen. Zum Feiern fahren viele nach Hannover, Bielefeld, auch Minden – „warum aber nicht einfach hier feiern?“, so Rörtgen. Damit waren sie die Ersten, die die Nische Musikevents für junge Erwachsene füllen wollten.

Angefangen haben sie noch unter Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz, der solchen Events, sagen wir, neutral bis skeptisch gegenüberstand. Dabei „ist das erste Jahr immer das schwierigste“, so Rörtgen. Das Kollektiv musste fürs erste Event in einer alten LKW-Werkstatt mehrere tausend Euro vorstrecken. Dazu immer die Frage: Bekommt man das Geld wieder in die Kassen? Außerdem sollen Konzept und „Qualität“ passen, damit die Leute im nächsten Jahr wiederkommen.

Wesertekk hatte Glück: Das erste Event war ein Volltreffer. Von Jahr zu Jahr wurden die Partys dann größer. Inzwischen haben sich die Wesertekk-Events etabliert: „Zu unseren Veranstaltungen kommen die Leute mittlerweile aus Hannover und Bielefeld.“ Das sei auch für die Kollektiv-Mitglieder „unglaublich“.

Durch Stadt und Bürgermeister würden sie viel Unterstützung erfahren. Aber natürlich könne die Stadt nicht Geld als Unterstützung in die Hand nehmen, stattdessen hilft sie beispielsweise mit Material, Strom oder Baggerarbeiten. In einer Großstadt wäre das anders. „Man kennt sich hier“, fasst der 24-Jährige einen der Vorteile zusammen, Events in einer Kleinstadt zu veranstalten.

Und vielleicht wird genau die Altersgruppe der über 18-Jährigen künftig wieder häufiger in der Stadt zu sehen sein: Rinteln ist seit Oktober schließlich Hochschulstandort.

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