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„Ultraman“ Lars Heurich berichtet über seine erfolgreiche Teilnahme bei einem der härtesten Triathlons der Welt

Sich selbst entdecken und körperliche Grenzen austesten

Kobbensen (mak). Zehn Kilometer durch den Skaha-See im kanadischen Britisch-Kolumbien schwimmen, 420 Kilometer mit dem Fahrrad über einen Gebirgspass klettern, 84 Kilometer laufen in den „Oakanagan“- und „Similkameen-Valleys“ - das klingt nicht nach einem Programm für Hobbysportler. Lars Heurich (32) aus Kobbensen sieht das anders. Ein gesteigertes Training und mentale Stärke hätten ihm dabei geholfen, diese Distanzen zu meistern.

veröffentlicht am 24.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 05:22 Uhr

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Heurich war, wie der offiziellen Teilnehmerliste zu entnehmen ist, der einzige deutsche Teilnehmer beim diesjährigen „Ultraman“ in Kanada. Die dort zu absolvierenden Distanzen entsprechen mehr als dem Doppelten des „Ironman“, erklärt Heurich. Von insgesamt 31 Teilnehmern gehörte er zu den 28, die ins Ziel gelaufen sind. Damit hat er sich für den „Ultraman“ 2013 auf Hawaii qualifiziert, ob er teilnehmen werde, wisse er aber noch nicht. Sein Körper habe zwei Wochen gebraucht, um sich von den Anstrengungen des „Ultraman“ komplett zu erholen.

Heurich ist Co-Pilot bei der Lufthansa. Sein Berufsleben lässt sich nach seinen Aussagen gut mit seinem Hobby verbinden, denn Laufen und Schwimmen könne man an den meisten Urlaubszielen. Nur auf sein Carbon-Rennrad müsse er dann verzichten. Dieses ist mit 3500 Euro die teuerste Anschaffung für sein Equipment.

Mit dem Laufsportfieber hat Heurich sich nach eigenen Worten schon in seiner Jugend angesteckt. Vor zwölf Jahren hat er demnach das erste Mal an einem Marathon teilgenommen, vor fünf Jahren folgte die erste Teilnahme an einem Triathlon. Nur zu laufen sei ihm irgendwann zu langweilig geworden. In Frankfurt, wo sich der Lufthansa-Pilot beruflich oft aufhält, nimmt er regelmäßig am Training eines Triathlonvereins teil.

Heurich bezeichnet sich schmunzelnd als „Sport-Junkie“. Zwischen sieben und zehn Stunden Training pro Woche absolviere er, wenn kein Triathlon anstehe. Mit 15 Stunden pro Woche komme er bei der Wettkampfvorbereitung an seine Grenzen, das sei sein Maximum an Intensität. Natürlich sollte man Fast-Food vermeiden, weiß er, aber das gelinge ihm nicht immer. Bei so viel Sport könne man auch mal ohne schlechtes Gewissen ein Stück Sahnetorte essen, witzelt Heurich.

Die Vorbereitung für den „Ultraman“ habe ein Jahr in Anspruch genommen. Jedoch betont Heurich, dass die eigentliche Vorbereitung auch darin bestehe, vor dem „Ultraman“ den „Ironman“ zu absolvieren. Bei einem Probelauf im Mai 2012 auf Lanzarote konnte Heurich im Vorfeld testen, ob er den körperlichen Belastungen standhält. Eine Anstrengung dieser Art sei nämlich nicht ohne, warnt Heurich, in drei Tagen Triathlon habe er vier Kilo abgenommen. Das liege unter anderem auch an der Ernährung. Da der Magen in dieser Zeit nicht in der Lage sei, normal zu arbeiten, müsse man sich statt mit fester Nahrung tagsüber mit Flüssigkeiten, Nahrungsgelen und Bananen fit halten. Um die Kohlehydratspeicher aufzufüllen, gebe es dann abends Nudeln und leichte Proteine in Form von Putenfleisch.

Am Ende passierte er beim „Ultraman“ als Nummer 27 von 28 erfolgreichen Teilnehmern das Ziel. Drei Teilnehmer haben bei der finalen Laufstrecke aufgeben müssen. „Dieses Gefühl, die Ziellinie zu überlaufen, entschädigt für alles“, so Heurich. Insgesamt benötigte er für die Distanzen 33 Stunden und 54 Minuten. Das sei keine Glanzzeit, trotzdem ist Heurich mit dem Ergebnis zufrieden. „Beim ,Ultraman‘ ging es keinem der Teilnehmer um Bestzeiten, allein der olympische Gedanke dabei zu sein, hat gezählt“, erklärt Heurich. Die Atmosphäre beim „Ultraman“ sei nahezu familiär gewesen, nicht so wie beim „Ironman“, wo jeder auf die beste Zeit aus sei.

Mit dem Ziel, sich selbst neu zu entdecken und seine körperlichen Grenzen auszutesten, hat sich Heurich beim „Ultraman“ angemeldet. Die Schmerzen der Belastung auszublenden, sei das Motto der letzten 30 Kilometer vor dem Ziel gewesen. Der Hobbysportler betont, dass ein Triathlon dieser Art eben nicht nur Spaß mache. Umso beeindruckender sei es für ihn herauszufinden, unter welchen Umständen und mit welchen Zielen die anderen Teilnehmer diese Herausforderung auf sich genommen haben. Einer davon war Terry Craig. Dieser habe seiner Frau vor vier Jahren eine Niere gespendet. Das habe ihn jedoch nicht davon abgehalten, beim diesjährigen „Ultraman“ teilzunehmen. Mit einer Niere absolvierte Craig nach Schilderung des Kobbensers die strapaziösen Distanzen und lief als Letzter, aber irgendwie doch als Sieger durch das Ziel. Mit seiner Teilnahme habe er für die Organspende werben wollen.

Heurichs Freundin Julie van der Westhuizen, seine Schwester Mareike Heurich und seine Eltern Werner und Elke Heurich haben den Extremsportler nach Kanada begleitet. Sie teilen Lars Heurichs Faszination für diese Herausforderung. „Als Nahestehende begleitet man einen Ultraman bei seiner Vorbereitung, man folgt ihm auf Schritt und Tritt, während er läuft, fährt und schwimmt, man verpflegt ihn, so gut es geht, und feuert ihn zusammen mit den Angehörigen der anderen Teilnehmer an. Das ist ein absolut intensives Erlebnis“, erklärt Westhuizen. Ohne die Unterstützung seiner Familie und seiner Freundin wäre es ihm nicht möglich gewesen, diesen Triathlon zu meistern, äußert sich Heurich. Sein Vater eskortierte ihn mit einem Kanu, während Heurich durch den See schwamm. Das erfolge bei jedem Teilnehmer aus Sicherheitsgründen, damit der Schwimmer im Notfall sofort Hilfe bekommt. Ein sehr schönes „Vater-Sohn-Erlebnis“, welches die Bindung zwischen ihnen noch verstärkte, beschreibt Heurich.

Neben einer intensiven Vorbereitung lautet Lars Heurichs abschließender Tipp für angehende „Ultraman“-Teilnehmer, einen verständnisvollen Partner an ihrer Seite zu haben, denn ohne die Zusammenarbeit mit Freundin und Familie würde er sich heute gewiss nicht „Ultraman“ nennen können.

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