weather-image
19°
Nazis kamen heimlich

Sieben Hakenkreuze in Bad Nenndorf entdeckt

BAD NENNDORF. Über das Wochenende verteilt sind in Bad Nenndorf mehrere Dinge mit Hakenkreuzen beschmiert worden. Betroffen waren die Jüdische Gemeinde und weitere Gläubige. Die Polizei geht von einem Zusammenhang der Taten aus und bitte um Hinweise aus der Bevölkerung.

veröffentlicht am 24.07.2017 um 15:56 Uhr
aktualisiert am 24.07.2017 um 18:20 Uhr

Mitarbeiter des Bauhofs versuchen, die Schmiererei zu beseitigen. Foto: JS

Autor:

Jan Schaumburg
Weiterlesen mit Ihrem Digital-Abonnement
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Inmitten der Freude darüber, dass die Nazis wohl auch ein weiteres Mal der Kurstadt am 5. August fernbleiben, mischt sich ein perfider Angriff auf die Jüdische Gemeinde und die in Bad Nenndorf lebenden Anhänger der Glaubensgemeinschaft: Über das Wochenende verteilt sind Dinge mit Hakenkreuzen verunstaltet worden.

Marina Jalowaja, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Bad Nenndorf, ist entsetzt. Gleich zwei Mal ist der Versammlungsort der Gemeinde an der Straße Am Thermalbad beschmiert worden. In der Nacht von Freitag auf Sonnabend wurde die Eingangstür mit dem verfassungsfeindlichen Zeichen markiert. Eilig angebrachte Poster wurden in der darauffolgenden Nacht wieder abgerissen. Und am Montagmorgen ist ein weiteres Hakenkreuz an der Scheibe des ehemaligen Restaurants entdeckt worden.

Auch an zwei Stromkästen, dem jüdischen Mahnmal, dem Bewegungspark und am Wincklerbad sind die Unbekannten ihrem üblen Handwerk nachgegangen, wie Axel Bergmann, Sprecher der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg, berichtet. Aufgrund des Verwendens des verfassungsfeindlichen Kennzeichens ist der Staatsschutz eingeschaltet worden. „Wir ermitteln in alle Richtungen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Taten in Zusammenhang mit dem Naziaufmarsch stehen“, so Bergmann. Jalowaja glaubt weiterhin, dass die Rechten nicht in der Kurstadt aufmarschieren. Genau deswegen könnte es sein, dass einige Verblendete trotzdem ein Zeichen setzen wollten, mutmaßt Jalowaja. Auch Samtgemeindebürgermeister Mike Schmidt geht zwar davon aus, dass die Schmierereien im Zusammenhang mit dem ersten Augustwochenende stehen, die Lage sich dadurch aber nicht verändert habe. Ferner spricht er von einer „verwerflichen Straftat. Das ist einfach nur dämlich und doof“, so Schmidt.

Wir ermitteln in alle Richtungen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Taten in Zusammenhang mit dem Naziaufmarsch stehen.

Axel Bergmann, Sprecher Polizeiinspektion

Alle Hakenkreuze sind in goldener Farbe angebracht worden. „Die kommen bestimmt von hier“, sagt die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, „es steht ja nirgends dran, dass hier die jüdische Gemeinde ist“. Auch die Polizei glaubt, dass es sich um denselben Täter handelt.

Es ist nicht die einzige Provokation, die die jüdische Gemeinde zu ertragen hatte. Erst zum Jahreswechsel sind Schweinefleisch und Bregenwurst in die Briefkasten des Sitzes der Gemeinde gesteckt worden. Letztere besteht aus dem für Juden unreine Schweinefleisch. Außerdem erinnert das Beschmieren von prägnanten Punkten in der Stadt an die Anfangszeit des Nazi-Aufmarschs, als etwa der Pavillon im Kurpark mit braunen Hakenkreuzen beschmutzt wurde.

Die Polizei bittet um Mithilfe aus der Bevölkerung, womöglich hat jemand gesehen, wie der oder die Unbekannten in den Nächten von Freitag auf Sonnabend, Sonnabend auf Sonntag und Sonntag auf Montag Dinge mit Hakenkreuzen besprühten. Hinweise: Telefon (0 57 23) 9 46 10.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare