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Rassistische Äußerung eines Mitarbeiters

Situation in Flüchtlingsunterkunft eskaliert

BÜCKEBURG. Ein Mitarbeiter der Flüchtlingsunterkunft Herderschule soll sich gegenüber einem Flüchtling und der Familie, die in betreut, rassistisch geäußert haben. Was seitens der AWO als „Missverständnis“ bezeichnet wird. Fakt ist, dass nach wie vor Wohnungen für Flüchtlinge fehlen. Ein Umstand, an dem sich die Diskussion entzündete.

veröffentlicht am 16.05.2017 um 15:05 Uhr
aktualisiert am 16.05.2017 um 18:00 Uhr

In der Flüchtlingsunterkunft Herderschule sind derzeit knapp 50 Flüchtlinge untergebracht. Voraussichtlich werden es wieder mehr, denn wöchentlich kommen im Landkreis 20 bis 23 neue Flüchtlinge an – überwiegend alleinstehende Männer. Foto: rc
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. Ein Mitarbeiter der Flüchtlingsunterkunft in der Herderschule soll sich gegenüber einem Bewohner und einer Familie, die ihn betreut, rassistisch geäußert haben und zunehmend aggressiv aufgetreten sein. Er habe sich vor ihnen „aufgebaut“. Während der immer lauter werdenden Diskussion im Büro der Flüchtlingsunterkunft sei die Aussage gefallen: „Ich würde dem auch keine Wohnung vermieten. Die lassen alles verkommen.“ Das schilderten der betroffene Flüchtling, Mohamed, Somalier, 25 Jahre, und die Familie Meier-Heimstedt, die sich seit seiner Ankunft in Bückeburg im September 2015 um den Flüchtling kümmert. Damals war er noch in der Jägerkaserne untergebracht.

Seitens der Geschäftsführerin der AWO, Heidemarie Hanauske, wurden die Vorwürfe – nach Rücksprache mit dem Mitarbeiter, übrigens nordafrikanischer Abstammung – zurückgewiesen. Der Flüchtling mitsamt der Familie sei bereits sehr aufgebracht in das Büro in der Herderschule gekommen. Sie hätten über die AWO geschimpft, weil sie nicht bei der Wohnungssuche für den Flüchtling behilflich sei. Die rassistische Äußerung beruhe auf einem Missverständnis. Der Mitarbeiter habe lediglich geschildert, welche Vorbehalte Vermieter gegenüber Flüchtlingen hätten und warum sie ihnen keine Wohnung vermieten würden. Heidemarie Heidemarie Hanauske versicherte: „Die AWO tut alles, um zu helfen und die Flüchtlinge und ihre Helfer zu unterstützen.“

Zusätzlich unter Druck gefühlt gesetzt fühlt sich der Somalier, da ihm kurz vor Diskussion im Herderschul-Büro von dem besagten Mitarbeiter gesagt worden sei, dass er sich endlich eine Wohnung suchen solle, sonst würden in dem Zimmer weitere Flüchtlinge untergebracht – oder er werde aus der Unterkunft hinausgeworfen.

Wie Hanauske, aber auch die Unterstützer-Familie schilderten, ist es immer noch „sehr, sehr schwierig“ Wohnungen für Flüchtlinge zu finden, unabhängig davon, ob es sich um Familien oder alleinstehende junge Männer handelt.
Sobald potenzielle Vermieter erfahren, dass die Miete vom Sozialamt gezahlt wird, falle bei vielen die Klappe. Sie seien nicht mehr zur Vermietung bereit. Hanauske, ein oft gehörte Absage zitierend: „Lieber an die vermieten, die arbeiten gehen und Geld verdienen.“

Eine Erfahrung, die auch die Unterstützer-Familie gemacht hat. Seit über einem Jahr ist sie gemeinsam mit Mohamed auf der Suche nach einer Wohnung – bisher vergeblich. Des Öfteren seien Vermieter zu vereinbarten Besichtigungsterminen nicht erscheinen oder aber schon beim Anruf eine Absage erteilt worden. Eine Wohnung habe man derzeit noch in Aussicht, die aber zunächst noch renoviert werden müsse.

Zwischenzeitlich hat der Somalier, der inzwischen eine befristete Aufenthaltsgenehmigung hat, mehrere Monate im Haus der Familie in Ahnsen gewohnt. Er zog dann aber zurück in die Herderschule – zurück in „die Maschinerie“, da es nicht mehr vorwärtsging, da Hilfe und Unterstützung seitens der Behörden und Ämter ihn in Ahnsen nicht erreichten.

Da der Somalier eine Aufenthaltsgenehmigung hat, bekommt er Unterstützung inzwischen nicht mehr nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, sondern nach SGB II vom Jobcenter. Derzeit besucht er – nach langer Wartezeit – einen Integrationskurs, so wie es vom Gesetzgeber verlangt wird. Deutsch spricht er mittlerweile fast fließend. Auf Integrationskurse müssen Flüchtlinge immer noch monatelang warten, wie die AWO-Geschäftsführerin kritisierte.

Nach Angaben der AWO-Geschäftsführerin sind in der Herderschule derzeit knapp 50 Flüchtlinge untergebracht. In naher Zukunft können es aber mehr werden. Derzeit kommen in Schaumburg wöchentlich 20 bis 23 neue Flüchtlinge an, überwiegend alleinstehende Männer. Da einige wenige wieder gehen, hat sich die Zahl der Flüchtlinge bei rund 3000 landkreisweit eingependelt. Dass sich die Situation entspannt habe, täuscht.

Nach wie vor ist die Situation am Schaumburger Wohnungsmarkt stark angespannt, sodass es schwierig ist, für Flüchtlinge Wohnungen zu finden: sei es für Familien oder die alleinstehenden Männer. Es mache sich bemerkbar, dass der soziale Wohnungsbau in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden ist, so die AWO-Geschäftsführerin.

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