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Historische Schmiede: Saisonende

So lange das Eisen noch heiß ist

OBERNKIRCHEN. Als Schlossermeister Carl Bornemann 1816 seine neue Firma baute, war es für damalige Zeiten ein hochmodernes Multi-Funktionsgebäude. Die Schlosserwerkstatt ist erhalten geblieben und wird ehrenamtlich betrieben, jetzt endet die Saison. Zeit für eine Bilanz.

veröffentlicht am 11.10.2017 um 13:13 Uhr

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Es ist ein seltener Anblick, aber ungewöhnlich ist er nicht: In zwei Gruppen haben jetzt Landfrauen aus Bückeburg die Historische Schmiede Bornemann besucht und dort das Eisen geschmiedet.

Zwar sind Landfrauen und Schmiede nun zwei Begriffe, die man auf den ersten Blick (vielleicht) nicht miteinander verbindet, aber inhaltliche Berührungspunkte gibt es durchaus: Sowohl die Landfrauen als auch die beiden Ehrenamtlichen in der Schmiede, Berthold Kasprik und Heinz-Jürgen Brandt, halten alte Kulturtechniken in Ehren. Denn frühe Funde in Ägypten und Indien lassen darauf schließen, dass bereits vor über 5000 Jahren geschmiedet wurde.

Kasprik und Brandt sind, wie man so schön zu sagen pflegt, alte Hasen in Sachen Metallverarbeitung. Kasprik hat Huf- und Wagenschmied gelernt, Brandt Maschinenschlosser. Und beide können ihre Begeisterung für alte Handwerkstechniken weitergeben. Auf dem Hof hinter der Schmiede hat Brand ein zweites Feuer entfacht, er besitzt eine kleine fahrbare Esse, die mit Gas betrieben wird, damit ist er nicht an eine „richtige“ Esse gebunden, und kann auch mal daheim arbeiten, sagt er. Zwei Landfrauen holen ihre glühenden Eisen aus dem Feuer, ein paar Schläge, dann nimmt das zu Schmiedende erste Formen an, es wird ein Wandhaken werden. Schon im Frühjahr haben die Bückeburger Landfrauen hier gearbeitet, man kann die Schmiede und die Ehrenamtlichen ja außerhalb der öffentlichen Termine buchen.

Die Saison ist offiziell beendet, Heinz-Jürgen Brandt ist durchaus zufrieden. Die Besucherzahlen seien erfreulicherweise nahezu gleichbleibend wie in 2016, und, was ihn besonders freut: das durchweg positive Echo nach dem Besuch. Ihr Motto „Museum zum Anfassen“ mit seinen Mitmach-Angeboten und Workshops erfreue sich wachsender Beliebtheit, sagt Brandt, „das werden wir irgendwie ausweiten müssen.“

Ein paar Wermutstropfen gibt es auch: So wird von vielen Besuchern das Auffinden der Werkstatt trotz vorhandener Museumsbeschilderung durch einen Wegweiser als nicht ausreichend beklagt.

Ohne Erfolg über die ganze Saison blieb für Brandt und Kasprik die Suche nach „Mit-Tätern in unserem Geschäft“; also Menschen, die sich ebenfalls für die uralte Kulturtechnik begeistern können und ihr Wissen weitergeben möchten. Denn zwei sind zuweilen doch zu wenig, erklärt Brandt, sowohl bei ihm als auch bei Kasprik hätten gesundheitliche Beeinträchtigungen die Saison belastet; zwei fest eingeplante Vorhaben mussten abgesagt werden und Anfragen zu spontanen Aktionen konnten nicht angenommen werden.

Gut angenommen wird dagegen das Schmieden von Nägeln, erklärt Brandt; eine sehr, sehr alte Technik, weil von Hand geschmiedete Nägel für den Haus- und Bootsbau, zum Befestigen von Beschlägen und Scharnieren notwendig waren. Brandt hat sich beim letzten Workshop mit einem Besucher unterhalten. Er habe, so erzählt der Gast, bei der Demonstration der Herstellung eines Nagels plötzlich ein Gefühl der Entschleunigung gespürt, zurückversetzt in eine andere Zeit. Den Entstehungsprozess eines Gebrauchsgegenstands miterlebt und verstanden zu haben, lasse erst eine Wertschätzung der Arbeit und des erforderlichen Geschicks zu. Was früher die Regel war, ist heute in einer globalisierten Welt zur Ausnahme geworden: Man sieht, was man mit eigenen Händen, etwas Feuer und ein paar Werkzeugen geschaffen hat. Eine Erfahrung, die durchaus beglücken kann.

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