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Ortsrat kämpft um Erhalt der Grundschule in Steinbergen mit immer neuen Ideen

Soll es eben die Kirche machen

STEINBERGEN. Kurze Füße, kurze Wege. Die kleine Dorfschule als Idealzustand, als Schule vor der Haustür, zu der alle Kinder zu Fuß gehen können. Das ist die Idylle, an der der Ortsrat Steinbergen, so scheint es, mit aller Macht festhalten will.

veröffentlicht am 24.02.2017 um 16:09 Uhr
aktualisiert am 24.02.2017 um 19:10 Uhr

An einem Tisch (v. li.): Ortsbürgermeister Heiner Bartling, Hans-Georg Dlugosch (Schulamt) und Schulleiterin Claudia Buschke. Foto: wm
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Hans Weimann Reporter
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Und in seinem Kampf um den Erhalt der Grundschule in Steinbergen hat der Ortsrat auf Vorschlag der Gruppe CDU, Grüne und WGS in der Ortsratssitzung am Donnerstagabend eine neue mögliche Variante beschlossen. Die Grundschule Steinbergen soll nicht mehr Außenstelle der Grundschule Deckbergen sein, sondern der Grundschule Nord oder Süd zugeordnet werden.

Das würde bedeuten, künftig müssten Lehrer der Grundschulen Süd oder Nord nach Steinbergen fahren. Ob man dort von dieser Idee begeistert ist, bezweifelten schon unmittelbar nach der Sitzung mehrere Zuhörer.

Die SPD schloss sich dem Votum der Gruppe an. Mit einer Ausnahme: Ortsbürgermeister Heiner Bartling enthielt sich der Stimme.

Als weitere Option stellt sich die Gruppe vor, die Landeskirche Schaumburg-Lippe könnte die Trägerschaft der Schule übernehmen.

Zuvor hatte Schulamtsleiter Hans-Georg Dlugosch das Ergebnis der Elternbefragung bekannt gegeben. Danach haben 16 von 38 Eltern bekundet, sie wollten ihr Kind statt bisher in Deckbergen lieber in Steinbergen zur Schule gehen sehen. Von denjenigen Eltern, deren Kinder 2017 eingeschult werden, stimmten acht für eine Schule in Steinbergen und drei dagegen.

In dem Antrag, den Udo Schobeß verlesen hat, stellt die Gruppe fest, die Eltern hätten sich also mehrheitlich für einen Schulstandort in Steinbergen ausgesprochen. Doch das Problem hier ist: 52 Fragebögen hat die Verwaltung verschickt, aber nur 38 Eltern haben geantwortet. Ein „objektives Ergebnis“ wie vom Ortsrat vor der Befragung gewünscht, sieht anders aus. Es ist also keineswegs auszuschließen, dass die Mehrheit der Steinberger Eltern durchaus mit Deckbergen als Schulstandort zufrieden ist.

Seit dem letzten Schuljahr wird in Steinbergen nicht mehr beschult. Es ist ein Abwehrkampf, bei dem die Ortsratsmitglieder offensichtlich auch weitere Realitäten ausblenden. Die Landesschulbehörde hat unmissverständlich festgestellt, dass das Betreiben einer Außenstelle grundsätzlich nur eine Interimslösung sein kann. Sobald „eine Unterbringung aller Klassen in der Stammschule“ möglich ist (also in Deckbergen) müsse der Schulträger die Auflösung der Außenstelle betreiben.

Die Schulgremien, also auch der Schulelternrat, hat sich mehrheitlich dagegen ausgesprochen, wieder Kinder in Steinbergen zu beschulen. Probleme in Deckbergen, wie die Gruppe in ihrem Antrag unterstellt („über Jahre hinaus erscheint das Verhältnis zwischen Schulleitung und Eltern der Steinberger Schulkinder stark belastet“), sind zumindest in der Öffentlichkeit und auch bei der Stadt als Schulträger nicht bekannt. Das mag vielleicht für einzelne Eltern, aber kaum für die Mehrheit der Eltern zutreffen.

Die Verwaltung stellt ausdrücklich fest: „Laut Aussage der Schule haben sich die Kinder aus Steinbergen sehr gut eingelebt und integriert und fühlen sich am Standort Deckbergen sehr wohl.“

Ein nüchterner Blick auf das Schulgebäude in Steinbergen zeigt, eigentlich ist es sanierungsbedürftig, energetisch nicht auf dem neuesten Stand, weder Sanitäranlagen noch Raumaufteilung erfüllen die Erfordernisse der Zeit.

Auf der anderen Seite investiert die Stadt massiv in die Grundschule Deckbergen. Rund 370 000 Euro sind im Haushalt der Stadt Rinteln in diesem Jahr dafür vorgesehen, um die Betreuungsräume für den Ganztagsbetrieb und den Schulhof neu zu gestalten. Hier hat der Rintelner Rat bereits Fakten geschaffen.

Und um klarzumachen, dass die Grundschule in Deckbergen eine Schule für mehrere Dörfer ist, nicht nur für Deckbergen, soll sie jetzt auch umbenannt werden in „Grundschule unter der Schaumburg.“

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