weather-image
29°
Geräusche und Gerüche führen mitunter zu nachbarschaftlichem Streit

Sommerlärm: Im Wohngebiet nachts nur leises Sprechen erlaubt

Landkreis (mw). Im Sommer spielt sich bei vielen Menschen ein großer Teil ihrer Freizeit auf dem Balkon, auf der Terrasse oder im Garten ab. Es wird gegrillt, mit Freunden geklönt oder es werden Gartenpartys abgehalten. Des einen Freud ist mitunter des anderen Leid, denn Lärm und Grillgerüche stellen bisweilen ein Ärgernis dar.

veröffentlicht am 20.02.2009 um 15:57 Uhr

Ein Recht auf Lärmmachen gibt es nicht, stellt Fred Levenhagen, von der Unteren Immissionsschutzbehörde beim Landkreis Schaumburg, klar. Je nach Wohngebiet gebe es gesetzlich geregelte Tag- und Nachtwerte für Lärmimmissionen, die einzuhalten seien. Teilweise sei die Lärmproblematik auch seitens der Gemeindenin deren Verordnungen geregelt. Tagsüber sind laut Levenhagen etwa im Kern-, Dorf- und Mischgebiet Geräusche bis zu einer Lautstärke von 60 Dezibel (dB(A)) erlaubt. Aber: "Von 22 bis 6 Uhr, das sind geschützte Zeiten, da darf ein gewisser Lärmpegel nicht überschritten werden", so der Fachmann. 45 Dezibel seien dann in Kern-, Dorf- und Mischgebieten die Grenze des Erlaubten, die bereits durch leises Sprechen erreicht werde. Andere Grenzwerte seien etwa in Allgemeinen Wohngebieten (tagsüber 55 Dezibel, nachts 40) sowie in Kurgebieten und Reinen Wohngebieten (tagsüber 50 Dezibel, nachts 35) zu beachten. Zum Vergleich: Ein leiser Rasenmäher erzeugt nach Auskunft von Levenhagen beim Mähen ungefähr 70 Dezibel. Ein Verstoß gegen Paragraph 117 Ordnungswidrigkeitengesetz, der die Rechtsfolgen von unzulässigem Lärm regelt, könne mit einer Geldbuße in Höhe von 75 bis 5000 Euro geahndet werden, weiß Levenhagen. Ungefähr zehn Mal pro Jahr habe sich der Landkreis Schaumburg in der Zeit von Mai bis Oktober mit der sommerlichen Lärmproblematik zu befassen - meist aufgrund eines Anrufs eines Nachbarn. Dass sich jemandüber eine Geruchsbelästigung durch den grillenden Nachbarn beschwert hat, dies sei ihm - obwohl bereits seit 1990 im Amt - indes noch nicht untergekommen, stellt Levenhagen fest. Allerdings gebe es auch hierzu Gerichtsurteile. So haben Gerichte in Streitfällen etwa die erlaubte Häufigkeit des Grillvergnügens geregelt oder auch festgelegt, dass beim Grillen zukünftig die Windrichtung beachtet werden müsse. Hinsichtlich der Geruchsentwicklung beim Grillen gebe es allerdings kein spezielles Gesetz, dies laufe von der Rechtsgrundlage her allgemein "unter Belästigung". Wer sich durch Lärm oder Gerüche aus der Nachbarschaft gestört fühlt, sollte zunächst das Gespräch mit dem Nachbarn suchen, rät Levenhagen. Dies sei sicherlich der ideale Lösungsansatz. Gelingt dies nicht, könne man sich auch an einen in den Gemeinden oder Samtgemeinden üblicherweise vorhandenen Schiedsmann wenden.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare