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„Umweltschutz aktiver Hochwasserschutz“

SPD-Ratsherr möchte Ochsenwiesen unter Schutz gestellt sehen

BÜCKEBURG. Der SPD-Ratsherr und Niederungsfachmann Wolfhard Müller möchte auch die Ochsenwiesen unter Schutz gestellt sehen, denn er ist der Überzeugung: „Umweltschutz ist aktiver Hochwasserschutz“.

veröffentlicht am 11.08.2017 um 16:44 Uhr

Wolfhard Müller erläutert Marja-Liisa Völlers die Renaturierung der Bückeburger Aue. Foto: jp
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Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. Neben dem Thema ICE-Trasse standen die bereits vollzogenen und noch geplanten Renaturierungsmaßnahmen im Mittelpunkt einer Fahrradexkursion der SPD in die Bückeburger Niederung. SPD-Ratsherr und Niederungsfachmann Wolfhard Müller erläuterte den Teilnehmern, unter ihnen auch die Bundestagsabgeordnete Marja-Liisa Völlers, an mehreren Haltepunkten, dass Umweltschutz dabei keinesfalls im Widerstreit mit den Interessen von Landwirten, Grundstücksinhabern und Wohnbevölkerung stehen muss.

„Umweltschutz ist aktiver Hochwasserschutz“, so Müllers Credo, das er am Beispiel des Langen Grabens von Scheie in Richtung Evesen mit Fakten untermauerte. Der Graben, so Müller, sei im Bereich des Naturschutzgebiets „Bückeburger Niederung“ aufgemacht worden, sodass das Wasser bei Starkregen und Hochwassergefahr genau dorthin fließen könne, wo die Natur es brauche, anstatt in Scheie über die Ufer zu treten und Keller zu überfluten. Westlich davon habe man statt – wie früher vor allem von Landwirten gefordert – den Graben zu öffnen, eine kleine Staustufe eingebracht, was zur Ansiedelung zahlreicher seltener Tier- und Pflanzenarten führte.

Eine ähnliche Situation gibt es bei dem renaturierten Bereich der Bückeburger Aue: Deren Wassermassen ergossen sich nach den Starkregenfällen Ende Juli in einem breiten Schwall in die eingedeichte Fläche des Mittleren Bruchs südlich der Schäferstraße, anstatt in Richtung Evesen und Petzen zu treiben. Tagelang stand der Bereich unter Wasser und stellte damit genau den Zustand her, der das Mittlere Bruch schon in den vergangenen Jahren zum Dorado seltener Vogel- und Insektenarten werden ließ. Doch schon jetzt, knapp zwei Wochen nach dem Starkregen, ist ein Großteil des Geländes fast wieder trocken. „Daran sieht man, wie schnell das Wasser hier verdunstet oder vom Boden aufgenommen wird“, so Müller. Doch auch für noch größere Regenmengen als die Ende Juli will der Umweltexperte in Zukunft die Bückeburger Niederung gewappnet sehen. Nach seinen Vorstellungen sollten auch die Flächen nördlich der Schäferstraße, die sogenannten Ochsenwiesen, unter Schutz gestellt und eingedeicht werden, nicht nur, um dem möglichen Bau einer ICE-Trasse dort Einhalt zu gebieten, sondern auch, um im Notfall als Überlauf- und Regenrückhaltebecken für das Mittlere Bruch zur Verfügung zu stehen.

Momentan gebe es dagegen noch erhebliche Vorbehalte beim Besitzer der Ochsenwiesen, der Fürstlichen Hofkammer, bedauerte Wolfhard Müller. Immerhin habe Hofkammerdirektor Christian Weber Gesprächsbereitschaft gezeigt. Gerade bei ihm hofft der Umweltexperte, mit harten ökonomischen Argumenten Gehör zu finden: Die Hofkammer müsse ein ureigenes Interesse an einer Erweiterung des Naturschutzgebiets haben, so Müller. Denn komme es zum „ökologischen GAU“ durch den Bau der ICE-Neubautrasse, würden auch die Ochsenwiesen ihren landwirtschaftlichen Nutzwert nahezu vollständig einbüßen. Und die Entschädigung, die der Bund in solchen Fällen zahlt, betrage nur einen Bruchteil des wirklichen Verlusts. Viele geschädigte Grundstücksinhaber müssten sich ihr Geld oftmals in jahrzehntelangen Prozessen gegen den Bund erstreiten.

„Egal ob Umweltschützer, Landwirte oder Grundstücksinhaber, wir sitzen derzeit alle in einem Boot“, wird Müller nicht müde zu wiederholen. „Es kann und darf hier nur ein Interesse geben, nämlich, die Bahntrasse zu verhindern.“ Dabei möchte der SPD-Ratsherr in den neuen Schutzgebieten der Bückeburger Niederung keinesfalls jegliche Landwirtschaft verboten sehen. Seine Wunschvorstellung ist vielmehr eine ökologische Bewirtschaftung durch extensive Grünlandnutzung, möglichst mit seltenen Haustierrassen. Dies werde nicht nur der Tier- und Pflanzenwelt zugutekommen und vielen bedrohten Insektenarten helfen, sondern sich auch wirtschaftlich für die Landwirte in klingender Münze auszahlen, ist Müller überzeugt: „Wir haben im Biobereich längst viel größere Zuwachsraten als bei der konventionellen Landwirtschaft.“

Letzte Station der Exkursion waren die Amtmann’schen Wiesen, die sich am besten vom Heidornweg aus überblicken lassen. Dieses 43 Hektar große Areal stellt eine Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme für den Bau der Bückeburger Umgehungsstraße dar und wurde bei der Umwandlung vom Ackerland mit einem rund ein Hektar großen Rastvogelteich ausgestattet.

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