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„Sellheim-Kuti-Trio“ fasziniert mit bemerkenswerter musikalischer Bandbreite

Sternstunde der Kammermusik

CAMMER. Quasi auf den letzten Karnevalsdrücker hat am Veilchendienstagnachmittag die Karnevalsgesellschaft Minden-Porta, „Kamipo“, dem Seniorenclub Cammer/Päpinghausen einen Besuch abgestattet. Als der Name „Sellheim“ 2006 letztmals im Programm des Bückeburger Kulturvereins auftauchte, musste ein Teil des angekündigten Duos passen.

veröffentlicht am 14.02.2018 um 12:49 Uhr
aktualisiert am 14.02.2018 um 16:50 Uhr

László Kuti (von links), Katharina Sellheim und Konstantin Sellheim im Saal des Niedersächsischen Landesarchivs. Foto: bus
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Herbert Busch Reporter
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„Damals reiste nur Katharina Sellheim an, ihr Bruder Konstantin war wegen eines Termins in München verhindert“, rief die stellvertretende Vereinsvorsitzende Ute Mai zu Beginn des Gastspiels des „Sellheim-Kuti-Trios“ ins Gedächtnis.

Der Termin in der bayerischen Landeshauptstadt hatte gewichtige Hintergründe – Konstantin Sellheim war zum Mitglied der Münchner Philharmoniker berufen worden. Diesmal war das Geschwisterpaar komplett und die Pianistin und der Viola-Spieler lieferten im Zusammenspiel mit dem Klarinettist László Kuti im Saal des Niedersächsischen Landesarchivs auf Schloss Bückeburg ein Konzert ab, das den Zuhörern noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Auf dem Programm standen Wolfgang Amadeus Mozarts „Kegelstatt-Trio“, Carl Maria von Webers „Grand Duo Concertante op. 48 Es-Dur“, Astor Piazzollas „Le grand Tango“ und Robert Schumanns „Märchenerzählungen op. 1 32“.

Beim „Kegelstatt-Trio“ streiten sich die Geister, ob es tatsächlich auf einer Kegelbahn entstanden ist. Als gesichert gilt unterdessen der gesellige Hintergrund seiner Entstehung. Mozart soll bei der Notierung vor allem die Amateurpianistin Franziska Jacquin im Blick gehabt haben. Was möglicherweise den Umstand erklärt, dass das Stück technisch keine übermäßigen Schwierigkeiten aufweist. Kompositorisch kommt es allerdings als recht kunstvolle Konstruktion daher, deren Vorgaben die Gäste des Kulturvereins kongenial umzusetzen wussten.

Von Webers „Großes Duo“ (für Klarinette und Klavier) trat deutlich kräftiger auf als die Kegler-Komposition. Immer wieder amüsant, dass der Eutiner einer Gassenhauermelodie – „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ – Zutritt in sein Werk erlaubt. Gleichwie spendierte das Publikum auch hier lautstarken Beifall. „Sehr, sehr gut“, urteilte der zuhörende Klarinettist und Dirigent des Blasorchesters „Bückeburger Jäger“, Sven Schnee.

Mit Piazzollas „Großem Tango“ (für Viola und Klavier) wechselten Konstantin und Katharina Sellheim ins Argentinische. Das zwischen Stolz und Melancholie – beides grenzenlos, versteht sich – angesiedelte Stück stellte die vielfältigen Einflüsse des Bandoneon-Experten unter Beweis, der auch vor der Verwendung von Jazz- und Rockelementen nicht zurückschrak. Dem fulminanten Schlussakkord folgte ein ebenso fulminanter Beifall.

Bei den „Märchenerzählungen“ entführten die Musiker – jetzt wieder als Trio – das Auditorium in eine fein verwobene Klangwelt, die mal übermütige, mal zierliche, aber auch mächtig polternde Passagen aufwies. Die auch von Johannes Brahms beeinflussten in nur drei Tagen entstandenen „Erzählungen“ waren Schumanns vorletztes Kammermusikwerk. Im Landesarchiv ging mit ihnen eine Darbietung zu Ende, die ohne Zugabe nicht auskam.

Hier zeigte das Trio mit den von Béla Kovács zu Papier gebrachten „Greetings from the Balkan“ eine weitere Facette ihrer bemerkenswerten musikalischen Bandbreite auf. Im Anschluss an den ursprünglich für zwei Klarinetten und Klavier geschriebene Titel meinte Ute Mai: „Eine Sternstunde der Kammermusik.“

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