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„400 Jahre Marktrechte“: Der Urahn des Bürgerbataillons diente dem Schutz der Stadt

Steuerfreiheit für den besten Schützen

Bückeburg (wk). Über die Entwicklung „Von der Bürgerwehr zum Bürgerbataillon“ hat Rolf Netzer, der Vorsitzende des Schützenvereins Bückeburg, in der örtlichen Stadtbücherei berichtet. Der knapp eineinhalbstündige Vortrag war Teil einer laufenden Veranstaltungsreihe zum 400. Jubiläum der Verleihung der Marktrechte an die Stadt Bückeburg.

veröffentlicht am 25.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 04:21 Uhr

Rolf Netzer

Die Chronologie: Der Startschuss für die Bürgerwehr fiel laut Netzer im März 1609, indem der regierende Graf Ernst zu Holstein-Schaumburg den Rat der Stadt Bückeburg anwies, „darauf zu achten, dass die Bürger ihren Wachdienst ordentlich versähen“. Im Jahr 1633 wurden dann erstmals Rotts erwähnt, die die zuvor bereits zweimal geplünderte Stadt schützen sollten. Doch nicht nur das: „Die Bürgerwehr musste damals alle Aufgaben bewältigen, für die es heute Polizei, Feuerwehr und Militär gibt“, konkretisierte Netzer. In Anlehnung an die Hierarchie der Heere gab es deshalb auch in der Bürgerwehr militärische Formationen und Dienstgrade. Ab 1741 waren die Rottmeister und Stadtoffiziere sogar „städtische Amtsinhaber“ – ein Umstand, den der Referent mit dem Flachs „Schade, dass es das heute nicht mehr gibt“ kommentierte.

Geschossen wurde im 17. Jahrhundert mit Musketen, deren Rückstoß „gewaltig“ war, so Netzer. Um den Mitgliedern der Bürgerwehr die notwendigen Schießübungen zu „versüßen“, fanden Wettkämpfe statt, die „quasi die Geburtsstunde der Schützenfeste“ waren. Der Bürgermeister und der Rat der Stadt Bückeburg hatten dazu im Mai 1683 eine entsprechende „Schützen-Ordnung“ erlassen, die einige Jahre später dergestalt erweitert wurde, dass der Sieger des jeweiligen Wettbewerbs ein Jahr lang keine Steuern zahlen musste.

Das Ende der Bürgerwehr kam 1815, als das Fürstentum Schaumburg-Lippe dem Deutschen Bund beitrat und somit auch hier eine Wehrpflicht galt. Nach der Revolution im Jahr 1848 gründete ein Gymnasiallehrer und Major namens Dr. Lagemann „zum Schutz des Fürstenhauses“ wieder eine Bürgerwehr.

Die Tradition der bei den heutigen Schützenfestmärschen üblichen schwarzen Anzüge und Zylinder kam laut Netzer 1914 auf, wenngleich zwischenzeitlich (von 1952 bis 1960) „grüne Schützenröcke“ angesagt waren. Aus der einstigen „Bürgerwehr“ wurde zwischen den beiden Weltkriegen die „Schützengilde“, die sich nach 1933 „Bürgerschützenbataillon“ nannte. Das heutige „Bürgerbataillon“ besteht aus fünf Kompanien mit insgesamt 19 Rotts und der berittenen Einheit, der Eskadron.

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