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Radsport-Idol Jens Fiedler mit der Fahrrad-Schule bei Porta Möbel

Sympathie für den Radsport leidet: "Doping-Skandal ist der Super-Gau!"

Porta Westfalica (ly). Floyd Landis gedopt, Jan Ullrich unter Verdacht: Jens Fiedler, mehrfacher Olympiasieger und Weltmeister auf der Bahn, sieht darin einen "Super-Gau" für den Radsport. "Schwarze Schafe gibt's immer, aber hier ist es gerade der Leithammel", so Fiedler im Gespräch bei Porta Möbel in Barkhausen, wo er jetzt zwei Tage mit der "Porta-Kinder-Fahrrad-Schule" als deren Schirmherr gastierte. Schärfere Kontrollen seien nötig, um das Ansehen des Sportswieder herzustellen.

veröffentlicht am 11.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:22 Uhr

Guter Rat für kleine Radler: Jens Fiedler ist dank seiner Popula

Gleichzeitig warnt der Chemnitzer aber davor, Doping-Vorwürfe gegen Radsportler zu verallgemeinern. "Der größte Teil ist unschuldig", betont Fiedler, der 15 Jahre lang zur Weltspitze im Bahnradsport gehört hatte. Neben seinem Engagement für die Fahrrad-Schule betreut er heute beruflich Großkunden der Stadtwerke Chemnitz AG. Nach der Analyse der B-Probe gilt als sicher, dass der US-Amerikaner Floyd Landis bei seinem diesjährigen Tour-de-France-Sieg gedopt war. Jan Ullrich, der zwischenzeitlich die Kündigung von T-Mobile erhalten hat, wird weiter verdächtigt, seiner sportlichen Leistung mit angereichertem Eigenblut sowie diversen Präparaten nachgeholfen zu haben. Ullrich, so Fiedler, habe in Deutschland eine neue Begeisterung für den Radsport ausgelöst. Durch den Skandal seien die Einschaltquoten drastisch zurückgegangen. Jens Fiedler (36) gilt als lebende Radsport-Legende und ist in Ostdeutschland mindestens so populär wie Jan Ullrich. Seine einmalige Erfolgsbilanz: 23-facher deutscher Meister, dreimal Olympiasieger, sechsmal Weltmeister. Aufgehört hat der erfolgreichste Sprinter der neunziger Jahre 2004 auf dem Zenit, nachdem er in Athen mit der Mannschaft olympisches Gold gewonnen hatte. Ein Comeback des Modellathleten ist ausgeschlossen. "Meine Titel habe ich ohne Doping geholt", erklärt Fiedler, der nicht glaubt, dass sich nur gedopte Radsportler in der Spitze behaupten können. "Mit diesem Glauben hätte ich nie so lange Leistungssport betreiben können. Außerdem weißt du nicht, was du deinem Körper antust. Ich habe immer gesagt, dass ich nach dem Sport weiterleben möchte." Zu diesem neuen Leben gehört die "Porta-Kinder-Fahrrad-Schule" mit Familienvater Jens Fiedler als Zugpferd. Allein dieses Jahr stehen etwa 20 Aktionen wie in Barkhausen auf dem Programm, eine Art Deutschland-Tour. Rund 4000 Kinder haben nach Schätzungen Fiedlers bisher den Geschicklichkeitsparcours absolviert, das Herzstück. "Am Anfang siehst du, dass viele Kinder noch unsicher sind", erzählt Fiedler. "Nachher musst du sie fast vom Parcour holen, weil sie zu schnell sind." Dort werden Extremsituationen simuliert, etwa auf der Wippe, denn es geht um die perfekte Beherrschung des Drahtesels. Und es geht darum, Kinder vor Unfällen im Straßenverkehr zu bewahren. Das kann selbst ein Jens Fiedler nicht allein leisten. Eltern rät er daher unter anderem, mit ihrem Nachwuchs an abgelegenen Orten zu üben, in einen Kurs zu investieren und beim Kauf des Fahrrads möglichst nicht an der falschen Stelle zu sparen.

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