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Szenen einer Ehe im Hause Luther

Tafelmusik und Theaterspiel beim Fest zum Reformationstag

RINTELN. Was Speis und Trank betrifft, so hätte dieser Abend im Brückentorsaal auch ein Oktoberfest sein können: Kassler, Haxen, Sauerkraut und dazu jede Menge Bier. Das Bier aber war „Lutherbier“, die Musik wurde auf Originalinstrumenten aus der Lutherzeit gespielt.

veröffentlicht am 31.10.2017 um 17:06 Uhr

Das Ehepaar Luther in Gestalt der Schauspieler Rainer Gabriel und Annette Seibt auf der Bühne des Brückentorsaals. Foto: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. Und überhaupt hatten – in gewisser Weise – Martin Luther und seine Frau Katharina am Vorabend des Reformationstages zum Feiern eingeladen. In Wirklichkeit standen die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Rintelns als Gastgeber hinter der Veranstaltung „Bei Martin zu Tisch“, eine von bundesweit über Tausend Luther-Veranstaltungen, die es ausnutzten, dass 500 Jahre Reformation es wert gewesen waren, den 31. Oktober diesmal zu einem arbeitsfreien Feiertag zu erklären. Über 300 Gäste kamen in den schön geschmückten Brückentorsaal, wo sie dann tatsächlich dem Ehepaar Luther begegneten, in Gestalt der Schauspieler Rainer Gabriel und Annette Seibt.

Ihr Stück „Lieber Herr Katharina“, das sie zu einem guten Teil zwischen den Bankreihen im Publikum spielten, erwies sich als eine burleske Variante von „Szenen einer Ehe“, einer recht turbulenten Ehe zwischen dem einstigen Mönch und der entlaufenen Nonne. Luther hatte seine 95 Thesen bereits verfasst, als er die 25-jährige Katharina von Bora heiratete. Eine Liebesheirat war es nicht gewesen, im Gegenteil, die beiden streiten herum, wer sich nun eigentlich des anderen erbarmt hätte. Und doch passen der dominante, cholerische, nicht unbedingt alltagstaugliche Reformator und seine kluge, zupackende, den riesengroßen Haushalt bewirtschaftende Frau perfekt zusammen.

Katharina konnte Martin Contra geben, und ein bisschen suggeriert das Stück sogar, Luthers aufbrausendes Temperament, mit dem er sich viele Feinde machte, sei zunächst von ihr lange im Zaum gehalten worden. Gegen seine zunehmenden Krankheiten, die ihn oft reizbar und unversöhnlich machten, konnte sie aber nicht viel ausrichten. Wer weiß, hätte Luther ein gesünderes Leben geführt, vielleicht gäbe es dann heute weniger problematische Schriften von ihm, die Schmähschriften gegen die Juden etwa und insgesamt Briefe und Texte, die ihn als ungezähmten Pöbler ausweisen.

Mehr als 300 Gäste erlebten den festlichen Abend. Foto: cok
  • Mehr als 300 Gäste erlebten den festlichen Abend. Foto: cok

All zu sehr in die Tiefe ging das Theaterstück allerdings nicht. Dazu stand das Komödiantische zu sehr im Vordergrund, dabei von Musiker Werner Brunngräber mit Gesang und Instrumentenspiel begleitet. Er ist mit der Musik der Renaissance ebenso vertraut wie das Musikensemble rund um Dieter-Klaus Peise aus Hannover, dessen Gruppe den Abend mit Tanz- und Tafelmusik untermalte. Moderator war Superintendent Andreas Kühne-Glaser, der zum Schluss die Gewinner einer Verlosung von drei neuen Lutherbibeln und einem Apfelbäumchen ausrufen konnte.

Sein besonderer Dank galt den jungen Leuten von der Initiative „Augen auf“ aus Hessisch Oldendorf, die sich in der dortigen St.-Marien-Kirchengemeinde gegen Kinderarmut engagieren. Die Jugendlichen hatten die Theke im Brückentorsaal geführt, um den Erlös für „Augen auf“ zu spenden und so dafür zu sorgen, dass Kindern aus armen Familien auf unbürokratische Weise Wünsche erfüllt werden können. Luther hätte das gefallen, liebte er es doch, zur Besorgnis seiner Frau, das Haushaltsgeld mit vollen Händen an Menschen in Not zu spenden.

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