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50 und 70 km/h auf K77

Taubenberg: Tempo wird gedrosselt

TAUBENBERG. Es tut sich was: Auf der Kreisstraße 77 zwischen Uchtdorf und Wennenkamp soll die Geschwindigkeit gedrosselt werden. Von der Lösung sind nicht alle überzeugt, etwa die Polizei. Und auch Landkreis und Straßenbaubehörde sagen: „Wir sind ratlos, viele Mittel bleiben uns nicht mehr.“

veröffentlicht am 21.09.2017 um 14:31 Uhr
aktualisiert am 21.09.2017 um 16:20 Uhr

Das Tempo muss bald auf der ganzen Strecke gedrosselt werden: Motorradfahrer in Wennenkamp. Foto: Archiv/tol
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite

TAUBENBERG. Die Geschwindigkeit auf der Kreisstraße 77 soll reduziert werden – das hat die Stadt Rinteln aufgrund der Verkehrsbesprechung am vergangenen Dienstag beschlossen. Zwischen dem Ortsausgang Uchtdorf bis zu den Kurven darf damit statt 100 nur noch 70 km/h gefahren werden, von den Kurven bis nach Wennenkamp noch 50 km/h.

„Es hat sehr kontroverse Diskussionen gegeben“, so Ordnungsamtsleiter Ulrich Kipp auf Nachfrage, und man habe die Situation „sehr ausführlich“ besprochen. Die ausführliche Begründung für die Tempolimits vonseiten der Stadt werde derzeit noch erarbeitet und kann daher noch nicht veröffentlicht werden. Daher ist auch noch unklar, ab wann die Geschwindigkeitsbegrenzung gültig sein wird.

„Die Begründung muss hieb- und stichfest sein“, so Kipp. Daher müsse sie gründlich ausgearbeitet werden. Denn wenn nicht, kann sie schnell angegriffen werden.

Es ist das größte Problem, das Stadt, Landkreis und die Straßenbaubehörde in Hameln bei Eingriffen auf Landes- oder Kreisstraßen haben: Geschieht dies ohne triftigen Grund, können sie verklagt werden. „Wir dürfen natürlich nur nach Recht und Gesetz agieren“, so Markus Brockmann, Geschäftsführer der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln.

Eine Streckensperrung für Motorradfahrer (wie etwa in Möllenbeck oder Westendorf) sei schwierig durchzusetzen, denn hiervon seien auch die Verkehrsteilnehmer betroffen, die sich vernünftig verhalten. Und wenn hierzu eine triftige Begründung fehle, „würde ein Gericht so etwas sofort kassieren“, so Brockmann. Lärm reiche als Grund nicht aus. „Manche Motorradverbände warten nur darauf, gegen so etwas gerichtlich vorzugehen“, erklärt Brockmann. Und oft hätte dies auch Erfolg.

Auch die Stadt Rinteln ist mit solchen Fällen konfrontiert, erzählt Kipp: Auch nach der Sperrung einer Kreisstraße habe sich ein Verband mit der Ankündigung gemeldet, man werde sich vorbehalten, dagegen zu klagen. Bislang sei jedoch noch nichts passiert.

Also keine Handhabe gegen Verkehrsrowdys? Auf der Sitzung des Ortsrats Taubenberg am Montag sind auch Fahrbahnrillen diskutiert worden. Die würden jedoch oft nichts bringen, so Brockmann: Schwellen und Heckenpflanzungen, um Fahrern die Sicht zu nehmen, wie etwa bei Vlotho, seien zwar teilweise „ein Mittel gegen Unfälle“ – „aber nicht gegen die Lautstärke.“

Fahrbahnrillen auf der K 61 bei Messenkamp „haben nichts gebracht“, sagt ebenfalls Anja Gewald von der Pressestelle des Landkreises Schaumburg. Sie resümiert, beinahe resigniert: Das Bauamt des Kreises sehe daher keine weitere Möglichkeit, des Problems durch bauliche Veränderungen Herr zu werden.

„Wir sind irgendwann ratlos“, sagt auch Brockmann. „Viele Mittel bleiben uns da nicht mehr.“

Im Kreis Hameln-Pyrmont würden nun Versuche mit Warnschildern und Displays gestartet. „Das kann wirken – aber keine Wunder“, warnt Brockmann davor, zu große Hoffnung darin zu setzen.

Im September 2015 war es übrigens der Ortsrat Taubenberg selber, der sich gegen Rüttelstreifen zwischen Uchtdorf und Wennenkamp aussprach – einstimmig. Die Argumente: Die erhöhte „Belastung“ der Einwohner; und Motorradfahrer würden von der Strecke wohl nicht ferngehalten. Zudem würde sich die Geschwindigkeit in den Ortschaften nicht verringern.

Also bringen alle Maßnahmen kaum etwas? Doch – was letztendlich helfe, so Brockmann, seien mehr Überwachungen durch die Polizei. Eine spezielle Kontrollgruppe könne beispielsweise frisierte Motorräder erkennen. Auch im Weserbergland würden so mittlerweile „neuralgische Punkte“ kontrolliert. „Das muss allerdings geplant werden“, gibt Brockmann zu bedenken. Ob die Kontrollen an Tagen mit schönem Motorrad-Wetter stattfinden, lässt sich nicht beeinflussen.

„Wir können nicht jeden Tag vor Ort sein“, wirbt Tamara Ehrmantraut-Riechers, Streifendienstleiterin der Polizei Rinteln, um Verständnis. Zudem sei ein Polizeieinsatz dort nicht ganz einfach: Da Motorräder ihre Nummernschilder hinten tragen, müssen sie mit der Laserpistole gemessen und sofort angehalten werden können. Dies sei nur mit einem entsprechenden Personaleinsatz möglich.

Von dem Tempolimit hält sie selber wenig: Mit 50 km/h könne man sowieso nicht durch die engen Kehren fahren, und dieser Eindruck solle durch ein Schild gar nicht erst entstehen. Außerdem schütze das Limit nicht vor Lärm – laut könne ein Motorrad schließlich auch im Stehen sein.

Außerdem: „Das Tempolimit gilt für alle.“ Bei Verkehrskontrollen müssten natürlich auch die Anwohner kontrolliert werden. „Ist es wirklich das, was wir erreichen wollen?“ Der Wunsch der Polizei: Sich auf Gefährdungspunkte wie etwa Bushaltestellen und Ortsdurchfahrten konzentrieren und eine gute Lösung für alle finden, vor allem für „zufriedene Anwohner“.

Ob das Tempolimit wirkungsvoll war, könne man nun sowieso kaum mehr feststellen: „Die Motorrad-Saison ist vorbei.“

Mein Standpunkt
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Von Marieluise Denecke

„Alle ein bisschen zufrieden stellen“ – das will die Stadt, das will die Polizei. Vielleicht ist das Tempolimit das Ergebnis dieser Überlegung. Gegen die Krachmacher wird das nichts nützen. Erschreckend auch die Aussagen von Landkreis und Straßenbaubehörde, mit ihren Mitteln am Ende zu sein. Behördenleiter Markus Brockmann rät allen, die in einer Initiative organisiert sind, zusammen Druck auf die Gesetzgebung zu machen. Heißt: Auf kommunaler Ebene weiß man nicht mehr weiter.

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