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67-Jährige Rintelnerin lässt sich nicht veräppeln / Anrufer wollten 900 Euro für angeblichen Geldgewinn haben

Telefonbetrüger scheitern an Rintelnerin

RINTELN. „Also ganz blöd bin ich ja auch nicht“, erzählt die 67-jährige Anruferin. „Mir war ja gleich klar, dass das so nicht stimmen kann.“ Vor wenigen Tagen meldete sich eine unbekannte Anruferin bei der Rintelnerin mit angeblich froher Kunde: Sie habe 45 500 Euro in einem Gewinnspiel gewonnen. Obwohl die Senioren schon Lunte gerochen hatte ging sie zum Schein auf den Gewinn ein.

veröffentlicht am 17.07.2017 um 15:19 Uhr
aktualisiert am 19.07.2017 um 17:40 Uhr

Foto: dpa
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Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

RINTELN. „Also ganz blöd bin ich ja auch nicht“, erzählt die 67-jährige Anruferin. „Mir war ja gleich klar, dass das so nicht stimmen kann.“ Vor wenigen Tagen meldete sich eine unbekannte Anruferin bei der Rintelnerin mit angeblich froher Kunde: Sie habe 45 500 Euro in einem Gewinnspiel gewonnen. Obwohl die Seniorin schon Lunte gerochen hatte, ging sie zum Schein auf den Gewinn ein.

Eine kurze Internet-Recherche bestätigte ihren Verdacht: „Achtung Betrug“, meldeten diverse Seiten. „Dann meldete sich am nächsten Tag eine angebliche Geld-Transportfirma“, berichtet die 67-Jährige. „Die wollten mir den Gewinn mit zwei Sicherheitsleuten und einem Notar vorbeibringen.“ Im dritten Anruf – die Rintelnerin ging weiter zum Schein auf die Masche ein – kam dann der erwartete Haken: Ganz kostenlos sollte sie die angeblichen 45 500 Euro ja doch nicht bekommen. 900 Euro in Form von „Steam“-Gutschriften [Gutscheine für eine Internet-Handelsplattform, Anm. d. Red.] sollte sie vorab an die unbekannten Betrüger übergeben. Der Clou dabei: Da es sich um bereits bezahlte Gutschriften handelt, ist für die Polizei schwer nachzuvollziehen, wohin das Geld geflossen ist. „Aber das Geld bekommen sie von mir natürlich nicht“, betont das gewiefte Betrugsopfer.

Polizeioberkommisarin Britta Sobotka, zuständig für Betrugsfälle, bestätigt, dass die Betrüger natürlich nie vorhätten, tatsächlich vor Ort Geld zu übergeben. Sonst könnte die Polizei ihnen ja schnell eine Falle legen. Beim nächsten Telefonat würden die Betrüger nun das Geld per Telefon verlangen und ansonsten den Kontakt abbrechen. Wie sie es natürlich auch tun würden, wenn sie das Geld bekommen würden.

Angerufen wurde das auserkorene Opfer sowohl von einer Berliner als auch einer Münchner Nummer. Doch diese führen ebenfalls ins Leere: Auch daran merkte die Rintelnerin die betrügerische Absicht. „Als ich bei der Berliner Nummer zurückrufen wollte, war diese nicht vergeben.“ Mittlerweile haben die Täter sogar einen technischen Kniff parat, durch den bei den Angerufenen die Nummer eines bekannten Rechtsanwalts oder gar der Polizei aufscheint.

Mit immer neuen Maschen versuchen die Telefonbetrüger, die laut Polizei überwiegend aus der Türkei heraus agieren, ihre Opfer zu übertölpeln. Gezielt treten sie an ältere, oft alleinstehende Mitbürger heran.

Polizeioberkommisarin Britta Sobotka rät daher, bei dubiosen Anrufern sofort aufzulegen. Teilweise können nämlich schon alleine durch die Anrufe Kosten im hohen dreistelligen Bereich entstehen – etwa wenn die Betrüger ihre Opfer auf kostenpflichte Hotlines weiterleiten. Zwar sei die Strafverfolgung der Täter schwierig, erklärt Sobotka, trotzdem sollten sich alle, die Opfer einer derartigen Masche wurden, oder wo Betrüger es versucht hätten, vorsorglich bei der Polizei melden. „Diese Fälle nehmen seit einigen Jahren ganz massiv zu“, so die Polizeibeamtin.

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