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Gewalttat in Hamelner Kneipe – heute beginnt Prozess gegen Sascha G.

Tod in der „Motte“

HAMELN/HANNOVER. Donnerstag um kurz vor 9 Uhr wird Untersuchungshäftling Sascha G. (38) – eskortiert von einem mit Pfefferspray und Schlagstock bewaffneten Justizwachtmeister – die Stufen der steilen Treppe, die vom Zellenkeller des Landgerichts Hannover zum Schwurgerichtssaal führen, hinaufgehen.

veröffentlicht am 10.01.2018 um 16:16 Uhr
aktualisiert am 10.01.2018 um 17:15 Uhr

Bestatter transportieren den Leichnam des Getöteten ab, bringen ihn zur Gerichtsmedizin. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Der mutmaßliche Totschläger und Dieb dürfte in diesem Moment gefesselt sein. Handschellen werden Angeklagten in der Regel erst kurz vor Prozessbeginn abgenommen. Sascha G. soll Barmann Arben S. (49) getötet haben – auf äußerst brutale Weise. Das Kapitalverbrechen hat sich am Vormittag des 6. August 2017 ereignet – zwischen 9.45 Uhr und 10.15 Uhr. Tatort: die Gaststätte „Zur Motte“ an der Hamelner Gertrudenstraße.

Mit Händen und Füßen soll der Angeklagte so lange hinter dem Tresen auf Arben S. eingeschlagen und -getreten haben, bis das Opfer starb.

Die 13. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Wolfgang Rosenbusch hat für Beweisaufnahme, Plädoyers und Urteilsverkündung drei Verhandlungstage angesetzt. Am Donnerstag beginnt der Prozess um 9 Uhr im Saal 127. Am Montag soll er fortgesetzt werden. Das Urteil könnte bereits am 17. Januar verkündet werden.

„Benny“, wie der Albaner von seinen Freunden genannt wurde, hat laut Obduktionsbericht bei der Attacke Trümmerbrüche im Kopf- und Halsbereich, aber auch Rippenfrakturen und eine Verletzung des Darms, erlitten. Es muss große Wut im Spiel gewesen sein. Der Täter ist an diesem Sonntagvormittag jedenfalls völlig ausgerastet. Er war wie von Sinnen. Einem Zeugenhinweis ist es zu verdanken, dass der Verdächtige, der zuletzt bei Freunden in Hameln wohnte, bereits eine Stunde nach dem Kapitalverbrechen in der Hamelner Südstadt vorläufig festgenommen werden konnte. Seine Kleidung war voller Blut. Nach der Tat soll Sascha G. eine Bekannte angerufen und ihr mit weinerlicher Stimme gesagt haben: „Der Benny ist tot.“ Offenbar sah der Bruder der Frau umgehend in der Kneipe nach dem Rechten – und entdeckte die Leiche.

Nach Angaben des Gerichts wird Sascha G. nicht nur der gewaltsame Tod des Barmannes zur Last gelegt. Bevor der 38-Jährige vom Tatort geflüchtet ist, soll er rund 350 Euro und Schlüssel für die Kneipe und die Wohnung des Getöteten gestohlen haben.

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