weather-image
Drama im Mehrfamilienhaus

Toter verwest: Warum hat niemand früher etwas bemerkt?

LUHDEN. Mehrere Tage lang hat ein Mann tot in einer Mietwohnung in Luhden gelegen, bevor der Verstorbene entdeckt wurde. Während dieser Zeit stieg der Verwesungsgeruch in die darüberliegende Wohnung. Warum hat keiner der Mieter des Mehrfamilienhauses früher etwas bemerkt?

veröffentlicht am 22.08.2017 um 15:26 Uhr
aktualisiert am 22.08.2017 um 16:00 Uhr

Weil die Erdgeschosswohnung, in der tagelang ein Toter gelegen hat, bislang nicht gereinigt und desinfiziert worden ist, zieht von dort immer noch Leichengeruch durch das Mehrfamilienhaus. Foto: wk
Michael_Werk

Autor

Michael Werk Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

LUHDEN. Aufmerksam wurde man auf diese Tragödie aufgrund des Verwesungsgeruchs, der sich in dem Mehrfamilienhaus breitgemacht hat und dort auch nach dem Abtransport der Leiche immer noch zu vernehmen ist. Da der Fundort der Leiche bislang nicht gereinigt und desinfiziert worden ist, ist eine direkt darüber gelegene Wohnung wegen dieses penetranten Gestanks praktisch unbewohnbar (wir berichteten).

Während die Inhaberin der für dieses Mehrfamilienhaus zuständigen Hausverwaltung, Andrea Römbke, hier die Samtgemeinde Eilsen in der Pflicht sieht, sich um die Reinigung und Desinfektion der betroffenen Erdgeschosswohnung zu kümmern, lässt sich die Kommune diesen „Schwarzen Peter“ nicht zuschieben.

Seitens des von der Polizei nach Entdecken der Leiche hinzugezogenen Notarztes sei bei dem verstorbenen Mann eine natürliche Todesursache festgestellt worden, erklärt Bernd Schönemann, der Samtgemeindebürgermeister. Daraufhin sei die Leiche von einem Bestattungsunternehmen abtransportiert und die Wohnung noch an demselben Tag (10. August) von der Polizei freigegeben worden. „Einer Reinigung/Desinfizierung durch den Eigentümer beziehungsweise die Hausverwaltung stand somit nichts mehr im Wege.“

Keineswegs sei es Aufgabe der Samtgemeinde Eilsen, die einer Privatperson (Vermieter) gehörende Wohnung auf Kosten des Steuerzahlers reinigen und desinfizieren zu lassen, betont Schönemann. Sondern es sei allein Sache des Eigentümers respektive der von diesem damit gegebenenfalls beauftragten Hausverwaltung, die Immobilie wieder herzurichten und den Verwesungsgeruch durch geeignete Maßnahmen zu beseitigen. Unabhängig davon habe die Samtgemeinde Eilsen allerdings – obwohl in diesem konkreten Fall selbst nicht zuständig – das Nachlassgericht um schnellstmögliche Einrichtung einer Nachlasspflege gebeten, ergänzt der Samtgemeindebürgermeister. Eine Frage, die sich Schönemann angesichts dieses „schlimmen Vorfalles“ stellt, ist die: Musste es überhaupt so weit kommen? Immerhin habe die Mieterin der direkt über der Mietwohnung des verstorbenen Mannes gelegenen Wohnung erzählt, dass sie die Hausverwaltung bereits zu früheren Zeitpunkten darauf aufmerksam gemacht habe, dass man dort mal nach dem Rechten schauen sollte, berichtet er. So habe sich die Mieterin etwa darüber beklagt, dass aus der Erdgeschosswohnung immer wieder Zigarettengestank in ihre Wohnung gezogen sei. Zudem habe sie sich darüber gewundert (und dies ebenfalls der Hausverwaltung mitgeteilt), dass sich der Mann zu Lebzeiten offensichtlich nur abends aus dem Haus bewegt habe, um beispielsweise Einkäufe zu tätigen. Seit dem 2. August sei dann der Brief- und Zeitungskasten von dessen Mietwohnung nicht mehr geleert worden, doch auch dieses sei seitens der Hausverwaltung offenbar nicht zum Anlass genommen worden, etwas zu unternehmen.

Verwunderlich sei auch, so der Samtgemeindebürgermeister, dass der Wohnungseigentümer von Frau Römbke laut deren eigenen Angaben der Samtgemeinde Eilsen gegenüber „in Ruhe gelassen werden wolle“ und von ihr dahingehend „beraten“ worden sei, nicht ans Telefon zu gehen, da die betroffene Mieterin „Telefonterror“ ausübe.

Und: In der Traueranzeige der Hinterbliebenen sei der 2. August als Sterbedatum angegeben worden, ergänzt Schönemann. „Die Leiche muss sich somit mindestens acht Tage in der Wohnung befunden haben.“ Wie könne es sein, fragt er sich, dass keinem der anderen Mieter da etwas aufgefallen ist?

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare