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Im Schloss Varenholz wird gedreht

Traum von „Hollywood an der Weser“

VARENHOLZ. Historisches Gemäuer im Scheinwerferlicht: Für einen Dokumentarfilm ist am 1. April am und im Schloss Varenholz gedreht worden.
Der Film soll „100 Jahre Ufa“ heißen und im September auf arte sowie im Dezember gekürzt in der ARD laufen.

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VARENHOLZ.Die „Universum-Film AG“, kurz Ufa, ist ein großes Filmunternehmen und war von 1945 bis 1951 im Schloss Varenholz untergebracht. Dort quartierte sich die Verwaltung um Treuhandchef Karl-August Klatte und Direktor Dr. Hermann Schwerin – später Ehemann der Volksschauspielerin Grethe Weiser, die oft hier unterkam – ein. Im benachbarten Vlotho befand sich der technische Betrieb. Varenholz und Vlotho hatten also eine kurze Filmblüte und träumten vom „Hollywood an der Weser“.

Doch die britische Besatzungsmacht, die Lizenzen für neue Filmfirmen vergab, wollte damals noch keine neue Produktion von Ufa-Filmen. So wurden alte Filme zensiert, von Nazi-Symbolen bereinigt und erneut in die Kinos gebracht. Seltene Aushangfotos von damals – einige noch mit dem Hakenkreuz der Filmprüfkammer, andere mit überklebten neutralen Symbolen oder auch der britschen Zensurstelle – wurden vom Filmteam in Varenholz dokumentiert. Ebenso ein Ufa-Briefkopf mit Varenholz-Bezug und auch eine alte Ufa-Zeitungsanzeige („Filmcutter gesucht“) von 1945.

Zum Team gehörten die Dokumentarfilmerin und Buchautorin Sigrid Faltin aus Freiburg sowie Kameramann Christoph Schmitz und Tonassistent Markus Seifried.

Die Filmcrew filmte vor dem Schloss Varenholz und auch im Innenhof des Renaissance-Bauwerks. Dazu wurden beispielsweise blecherne Mülleimer entfernt, um das Gebäude „in natura“ abzulichten. Auch in den Keller-Katakomben des Schlosses wurde gefilmt, da hier einst Ufa-Filme und -Akten gelagert worden waren; Sigrid Faltin dazu: „Ich liebe Archivstaub!“ Hier unterstützte Schloss-Hausmeister Siegfred Gräbe.

Gedreht wurde auch unterhalb des Kirchbergs vom „Weg der Blicke“ (nahe des Denkmals „Stein des Ostens“). Die Filmcrew war mit einem großen Wagen voller Zubehör (Kameras, Lampen, Stative und weiteres Equipment) nach Varenholz angereist.

„Die Kameras nehmen wir abends mit ins Hotel“, verriet Faltin. Die dreiköpfige Filmcrew hatte vor dem Varenholz-Dreh übrigens im Rintelner „Waldkater“ übernachtet. Von Varenholz aus ging es weiter nach Berlin. Für den Film gedreht wurde aber auch in Bonn, Düsseldorf, Potsdam-Babelsberg und in Cannes. Nach New York, wo die Ufa einen Preis erhielt, reisten die Filmer aus Kostengründen aber nicht.

Die Ufa-Epoche im Schloss Varenholz war in der hundertjährigen Geschichte des Filmunternehmens nur ein Wimpernschlag. An die Zeit erinnern heute nur noch der im Auftrage der Briten erbaute „Triumphbogen“ links neben dem Schloss sowie der schmiedeeiserne Kronleuchter im Durchgang zum Innenhof. Eine Beschilderung über diese Ufa-Erinnerungen gibt es in Varenholz nirgendwo. red

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