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2 Generationen lernen voneinander

Treffen sich Ältere und Jüngere, erleben alle Verbundenheit

OBERNKIRCHEN. 2009 wurde die Initiative gegründet, 2014 gab es den deutschen Ehrenamtspreis, und mittlerweile kann sie auch auf 145 Kooperationspartner zurückgreifen, zählte Rolf Watermann von der Stiftung Schaumburg auf. Und daher liege es doch auf der Hand: „Wenn es so gut ist, muss man es auch in Schaumburg machen.“

veröffentlicht am 30.10.2017 um 17:09 Uhr

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Autor

Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Was 2009 mit der „Generationsbrücke Aachen“ begann und 2012 zur Gründung der „Generationsbrücke Deutschland“ (GBD) führte, hat ein ganz konkretes Ziel: Junge und pflegebedürftige alte Menschen sollen verbunden werden, indem man ihnen Begegnungen und regelmäßiges Miteinander ermöglicht. Die Generationsbrücke organisiert Begegnungen zwischen den Generationen – zwischen Bewohnern von Alten - und Pflegeheimen sowie Kindern in Kindergärten und Grundschulen.

Der Grundgedanke ist einfach: Bei den Begegnungen erleben beide Generationen Wertschätzung, Verbundenheit und Freude. Die älteren Teilnehmer werden durch die ansteckende Lebendigkeit der Kinder angeregt, erfahren eine besondere Abwechslung im Heimalltag und haben die Möglichkeit, ihr Wissen weiterzugeben, und werden so in die Abfolge der Generationen und die Gesellschaft eingebunden. Die Kinder wiederum entwickeln außerhalb der Schule ihre Sozialkompetenz weiter und lernen Pflegebedürftigkeit, Demenz und Tod als Bestandteile des Lebens kennen. Beide Seiten (er)leben Mitmenschlichkeit, Toleranz und Respekt.

Die Stiftung Schaumburg hat im Vorfeld die grundsätzliche Frage mit Kindertagesstätten, Altenheimen und Grundschulen abgeklärt: Wie seht ihr das? Sollen wir das in Schaumburg organisieren? Denn eines, so Watermann, sei klar gewesen: Für ein derartiges Projekt müsse die Stiftung Geld in die Hand nehmen, denn bei den Partnern sei meistens für ein derartiges Projekt kein Budget vorhanden. Der Vorstand der Bürgerstiftung Schaumburg habe sich eingehend mit der „Generationsbrücke“ befasst und sei zu dem Entschluss gekommen, ein solches Projekt auch im Schaumburger Land zu initiieren und dafür Mittel bereitzustellen, erklärte Watermann. Der große Erfolg in der Umsetzung der vor Jahren geborenen Idee sei die Basis für die überregionale Ausweitung dieses Konzeptes: Inzwischen würden in acht Bundesländern „Generationsbrücke“- Projekte betrieben.

Daher hatten sich interessierte Partner jetzt zwei Tage lang im Westflügel des Stiftes informieren lassen: Wie funktioniert das? Und was brauchen wir dafür an Räumlichkeiten, aber auch an persönlichem Einsatz? Projektkoordinatorin Anne-Christin Hochgürtel stellte dabei im Pressegespräch zunächst heraus, dass es nicht darum gehe, dass die Zahl der Partner wachse, keineswegs, hier soll ein Samen gepflanzt werden, der dann wachsen solle: Erfolgswissen gebündelt weitergeben. „Das funktioniert hier ganz gut“, stellte sie fest. Auf der einen Seite habe man die Kindertagesstätten, eine geschlossene Gruppe, auf der anderen Seite die Altenheime, auch eine geschlossene Gruppe, „alles, was wir jetzt noch brauchen, das ist die Brücke“, stellte sie fest. „Wie lässt sich das organisieren?“ Damit soll die Basis für die erfolgreiche Umsetzung „vor Ort“ gelegt werden.

Bei den sieben, acht Partnerteams aus dem gesamten Landkreis, die an der zweitägigen Schulung teilnahmen, handelte es sich um sogenannte Tandems, die sich im Vorfeld gesucht und gefunden hatten: Je ein Vertreter von Kita oder Grundschule hatte sich mit einem Vertreter der älteren Generation zusammengetan, und dies wertete die Projektkoordinatorin durchaus als gutes Zeichen, dass die Generationenbrücke hier im Landkreis Gestalt annehmen werde. Denn jeder, der heute hier sitze, habe schon im Vorfeld viel investiert, habe in seinem Berufsumfeld abgeklärt, ob man diesem Modell beitreten wolle und ob man dies im alltäglichen Betrieb noch draufpacken und steuern könne. Geschaffen werden müssten konkrete Rahmenbedingungen für das Projekt, das sei mit Mehraufwand verbunden, der nicht in der Freizeit geleistet werden solle; dafür würde also Zeit in der täglichen Arbeit benötigt werden: „Es ist nicht ganz einfach, dafür Möglichkeiten zu bekommen, aber: „Das ist hier nicht „Wir gucken mal“, sagte sie. Sollte heißen: Alle Teilnehmer sind hier einen Schritt weiter, mindestens, und wer so weit gegangen ist, der wird an einer Umsetzung des Generationen-Projektes interessiert sein.

Denn praktiziert wird dieses Modell ja schon, etwa im Familienzentrum Rolfshagen, wo die Besucher der Kindertagesstätte regelmäßig nach Rehren aufbrechen, um dort mit den Bewohnern des Seniorenheimes gemeinsame Zeit zu verbringen. Im Grunde ist es ganz einfach: „Wenn es gut ist und funktioniert“, stellte Hochgürtel fest, „dann breitet es sich auch aus.“

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